Vom souveränen Sieg zur Disqualifikation: Verstappens Nordschleifen-Show bekommt ein bitteres Nachspiel.
Verstappen siegt. Und wird disqualifiziert…
Max Verstappen hat beim zweiten Lauf der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) sportlich alles in Grund und Boden gefahren – und steht am Ende dennoch ohne Sieg da.
Wie die offizielle Mitteilung der Nürburgring Langstrecken-Serie bestätigt, wurde der Mercedes-AMG GT3 des Teams Verstappen.com Racing nach dem Rennen disqualifiziert. Grund dafür war laut Rennleitung ein Verstoß gegen das technische Reglement.
Auch sport.de spricht von einem „Paukenschlag“ und bestätigt, dass Verstappen der bereits sicher geglaubte Sieg nachträglich aberkannt wurde.
Damit wird eine Leistung, die auf der Strecke klar dominierend war, statistisch ausgelöscht – sportlich jedoch bleibt sie ein Ausrufezeichen.
Echtes Racing, pure Emotionen und ein fairer Kampf unter Giganten mit unterschiedlicher Rennkarriere. | © IMAGO / Gruppe C Rennverlauf: Nordschleifen-Fight auf Messers Schneide
Dabei hatte alles nach einem weiteren Verstappen-Meisterstück ausgesehen.
Der Niederländer geriet direkt in der Startphase unter Druck. Christopher Haase schnappte sich im Scherer-PHX-Audi auf der Döttinger Höhe zunächst die Führung. Es folgte ein intensiver, rundenlanger Zweikampf – hart, präzise, kompromisslos.
Verstappen blieb dran, manövrierte sich durch Verkehr und Gelbphasen und setzte kurz vor dem Boxenstopp das entscheidende Manöver. Vor der Hohenrain-Schikane zog er vorbei und übergab den Mercedes-AMG GT3 in Führung an Dani Juncadella.
Doch auch danach blieb das Rennen taktisch offen: Schnellere Boxenstopps brachten den Audi kurzzeitig zurück nach vorne, ehe sich Juncadella erneut durchsetzte. Parallel mischte sich der Rowe-BMW durch alternative Strategien in den Kampf ein.
Ein Zwischenfall entschied schließlich das Rennen: BMW-Pilot Dan Harper kollidierte im Verkehr mit einem überrundeten Fahrzeug und kassierte eine Strafe – der Weg war frei für Verstappen.
Im Schlussstint übernahm der Niederländer erneut das Steuer. Offiziell, um Boxenstopps zu trainieren. Inoffiziell folgte eine Demonstration: Runde für Runde baute er den Vorsprung aus und fuhr mit einem Vorsprung von exakt 59,524 Sekunden scheinbar ungefährdet zum Sieg.
Einen (zunächst) lachenden Verstappen – sowas hat die Formel 1 auch schon länger nicht mehr gesehen. | © IMAGO / DeFodi ImagesZwischen „Witz“-Aussage und echter Rennleidenschaft
Die Ironie dieser Geschichte könnte größer kaum sein.
Während Verstappen die aktuellen Formel-1-Hybridmotoren als „Witz“ bezeichnete und betonte, „wer so etwas gut findet, hat keine Ahnung vom Rennsport“, lieferte er auf der Nordschleife genau das Racing, das viele Fans vermissen.
Bereits 2025 hatte er beim NLS9 seinen ersten GT3-Sieg gefeiert, damals jedoch im Ferrari 296 GT3 von Emil Frey Racing. Auch diesmal zeigte er, dass er sich gegen die besten GT- und Nordschleifen-Spezialisten durchsetzen kann.
Selbst im Duell mit Haase bewegte er sich am absoluten Limit. „Der erste Stint war definitiv eine 10“, sagte er gegenüber auto motor und sport. Szenen wie ein beinahe Kontakt im Verkehr unterstreichen, wie kompromisslos dieses Rennen geführt wurde.
„Es war eng. Ich habe natürlich weniger Erfahrung als die anderen. Aber es war positiv, dass ich heute wieder viel mitbekommen habe – gelbe Flaggen, Code 60. Da ist das Prozedere mit einem anderen Auto wieder anders.“
Alleine durch Aussagen wie diese merkte man Verstappen an, wie sehr er das ehrliche Racing vermisst und wie dankbar er gleichzeitig ist, auch als vierfacher F1-Weltmeister weiter dazulernen zu dürfen und sich weiterentwickeln zu können.
Disqualifikation: Offenes Ende statt Triumph
Doch all das wird nun von der Disqualifikation überschattet.
Offiziell bleibt festzuhalten: Der Sieg zählt nicht. Das Fahrzeug wurde aufgrund eines Verstoßes gegen den Musterreifen-Prozedere der NLS ausgeschlossen. In einem vierstündigen Rennen in der NLS beträgt die maximale Anzahl der erlaubten Einzelreifen 24. Doch auf dem Mercedes-AMG GT3 wurden 28 Einzelreifen genutzt, so dass die erlaubte Anzahl überschritten wurde. Das dürfte gerade dem ambitionierten und rennverliebten vierfachen Weltmeister gar nicht schmecken, gerade wenn man seine bisherige technische Pechsträhne und die Unzufriedenheit in der aktuellen F1 Saison verfolgt. Crashes im Q1 beim großen Preis von Australien, keine Punkte beim China GP und nun auch noch die Disqualifikation bei der NLS2. Einem Rennen, zu welchem er eigentlich aus der Formel 1 und all der Negativität flüchten wollte.
So wendete sich der Traum der Eifel dieses Wochenende für Verstappen und sein Team also auch in der grünen Hölle zu einem Alptraum. Den Sieg im 58. ADAC Barbarossapreis erben somit Jordan Pepper und Dan Harper im ROWE Racing BMW M4 GT3.
Max Verstappen hat es mal wieder gezeigt: Er ist ein beeindruckender und extrem talentierter Rennfahrer. | © IMAGO / FotostandEin Statement – trotz Disqualifikation
Nichtsdestotrotz: Max Verstappen hat auf der Nordschleife erneut gezeigt, dass er auch außerhalb der Formel 1 zur absoluten Elite gehört.
Die Disqualifikation nimmt ihm den Sieg, aber nicht die Wirkung seines Auftritts. Im Gegenteil: Sie verstärkt die Geschichte sogar. Denn während Verstappen die Formel 1 kritisiert und als „Witz“ bezeichnet, liefert er in anderen Serien genau das, was er einfordert: kompromissloses, rohes und unberechenbares Racing.
Und vielleicht ist genau das erst der Anfang. Denn wenn Verstappen weiterhin Gefallen an dieser Welt findet, könnte aus einem Ausflug schnell eine zweite Karriere werden.
Eine Karriere, in der nicht der Sport den Fahrer formt – sondern der Fahrer den Sport neu definiert.









