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RACE CONTROL

„Er schadet der Serie!“ – Wittich über Verstappen, Surer verteidigt dessen Kritik am Reglement

Der Große Preis von China hat die Formel-1-Welt ordentlich durcheinandergewirbelt.
In der neuen Ausgabe von RACE CONTROL analysieren unsere Experten Marc Surer und Niels Wittich gemeinsam mit CHAMP1-Moderator Timo Heuberger die wichtigsten Geschichten dieses Rennwochenendes.

Der China-Grand-Prix hat die Formel-1-Saison 2026 um ein weiteres Kapitel erweitert. Ein historischer Premierensieg von Kimi Antonelli, Ferrari-interne Spannung, neue Sorgen bei Red Bull, Aston Martin und McLaren – und dazu eine offizielle Kalender-Entscheidung, die die Saison verändert.

In der dritten Ausgabe von RACE CONTROL am Montagabend (16.03.2026) haben Marc Surer und Niels Wittich genau diese Themen bei CHAMP1 eingeordnet – mit klaren Einschätzungen, aber ohne vorschnelle Urteile. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur das Ergebnis in Shanghai, sondern auch die Frage, welche Entwicklungen sich nach den ersten beiden Rennwochenenden bereits klar abzeichnen. 

©XPB Images

Antonelli sorgt für den großen Moment

Das größte Thema der Sendung war natürlich der erste Grand-Prix-Sieg von Kimi Antonelli.

Für Marc Surer war dabei vor allem bemerkenswert, wie selbstverständlich der junge Mercedes-Pilot mit diesem Druck umging. Er erinnerte daran, dass Antonelli schon früh gezeigt habe, „dass er aus einem anderen Holz geschnitzt ist“, und verwies gleichzeitig darauf, dass Mercedes ihn mit enorm viel Testarbeit vorbereitet habe. Allein deshalb sei der Erfolg zwar außergewöhnlich, aber nicht völlig aus dem Nichts gekommen. 

Niels Wittich wollte mit WM-Prognosen zwar noch vorsichtig sein, hielt aber fest, dass Antonelli in diesem Jahr durchaus noch weitere Siege holen könne. Gleichzeitig deutete er an, dass der junge Italiener teamintern längst mehr verändert, als es auf den ersten Blick scheint – gerade mit Blick auf George Russell. 

©IMAGO / ANP

Ferrari liefert Stoff – sportlich und intern

Ein zweiter großer Block drehte sich um Ferrari.

Zum einen ging es um das teaminterne Duell zwischen Lewis Hamilton und Charles Leclerc, das in Shanghai mehrfach eng und teilweise auch heikel wurde. Surer bewertete das allerdings eher positiv. Für ihn war gerade diese Freiheit, die beide Fahrer auf der Strecke bekamen, ein Gewinn: Ferrari lasse seine Fahrer gegeneinander fahren – und genau das sei echter Sport. 

Zum anderen ging es um die technische Diskussion rund um Ferraris neuen Heckflügel. Wittich erklärte dazu, warum die Debatte aus seiner Sicht eher zum üblichen Hintergrundrauschen im Fahrerlager gehört. Solange die FIA ein Teil geprüft und zugelassen habe, sei das zunächst einmal kein Skandal, sondern eher ein Beispiel dafür, wie Teams innerhalb eines neuen Reglements unterschiedliche Lösungen suchen. 

©Getty Images / Red Bull

Surer stützt Verstappen – aber nicht vorbehaltlos

Besonders interessant wurde die Runde beim Blick auf Max Verstappen und seine erneute Fundamentalkritik am aktuellen Reglement.

Der Weltmeister hatte das Racing der neuen Formel-1-Generation zuletzt drastisch beschrieben – es fühle sich teilweise an „wie Mario Kart spielen“, weil sich durch das Energiemanagement die Kräfteverhältnisse auf den Geraden ständig verschieben.

Marc Surer konnte diesen Frust aus Fahrersicht durchaus nachvollziehen. Aus seiner Perspektive gehe dabei ein Teil jener klassischen Formel 1 verloren, die vom späten Bremsen, vom Vertrauen ins Auto und vom permanenten Fahren am Limit geprägt war. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass es auch eine zweite Perspektive gebe: Während Puristen genau diese DNA vermissen, sieht ein breiteres Publikum vor allem spektakuläre Rennen mit vielen Positionswechseln.

Auch Niels Wittich ordnete Verstappens Kritik differenziert ein. Für ihn sei weniger entscheidend, wer die Kritik äußert, sondern dass das aktuelle Racing-Konzept für einige Fahrer noch ungewohnt sei. Das System entferne sich teilweise vom traditionellen Renngefühl – und genau dort liege der Kern der aktuellen Diskussion im Fahrerlager.

©XPB Images

Red Bull und Aston Martin: Zwei Sorgenkinder, aber mit anderem Charakter

Auch Red Bull und Aston Martin wurden in der Analyse deutlich voneinander getrennt betrachtet.

Bei Red Bull sieht Surer das Hauptproblem nicht beim Antrieb, sondern beim Auto selbst. Seine Einschätzung war ungewöhnlich klar: Das Chassis sei aktuell nicht gut genug, das Auto fresse Reifen und bringe Verstappen immer wieder in das alte Dilemma aus Unter- und Übersteuern. 

Bei Aston Martin fiel das Bild noch düsterer aus. Surer sprach offen darüber, wie brutal sich starke Vibrationen für Fahrer anfühlen können, und machte klar, dass die Suche nach der eigentlichen Ursache das größte Problem des Teams sei. Wittich ging noch einen Schritt weiter und sagte sinngemäß, dass Aston Martin aktuell so viele Baustellen gleichzeitig vor sich herschiebe, dass er für diese Saison eher schwarz sehe. 

©McLaren

McLaren und der neue Kalender: Zwei weitere Baustellen

Über McLaren wurde ebenfalls gesprochen, allerdings eher als Momentaufnahme einer Mannschaft, die nach zwei sehr erfolgreichen Jahren nun hart im neuen Reglement gelandet ist. Surer glaubt dennoch nicht an einen dauerhaften Absturz. Ein gutes Team bleibe ein gutes Team – und McLaren werde wiederkommen. 

Dazu kam das offizielle Thema Bahrain und Saudi-Arabien. In der Sendung wurde die inzwischen bestätigte Verschiebung beider Rennen ebenfalls diskutiert. Surer nannte die Entscheidung richtig und sagte offen, dass 22 Rennen ohnehin genug seien. Wittich erklärte zudem, warum man in der offiziellen Kommunikation bewusst nicht von einer endgültigen Saison-Absage gesprochen habe – und welche theoretischen Schlupflöcher es im Kalender noch geben könnte.

Nicht alles ist erzählt

Neben diesen Themen ging es in der Sendung auch noch um Ocons Strafe nach dem Zwischenfall mit Colapinto, um Hadjars Beinahe-Crash vor Bearman, um die Tops und Flops des Wochenendes sowie um die ersten Suzuka-Tipps der Runde.

Die komplette Analyse mit allen Einordnungen von Marc Surer und Niels Wittich gibt es im Video.

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