Kevin Magnussen, einst Debütant mit Podiumsplatz, kämpfte über ein Jahrzehnt im Fahrerlager der Königsklasse – und findet nun im Hypercar-Sport eine neue, vielleicht noch passendere Bühne.
Vom Kartdebüt zum McLaren-Jüngling: ein Weg wie aus dem Lehrbuch
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – in Kevin Magnussens Fall ist dieser Satz mehr als eine Redensart. Als Sohn von Jan Magnussen, viermaliger Sieger der 24 Stunden von Le Mans und ehemaliger Formel-1-Fahrer, wuchs Kevin gewissermaßen im Cockpit auf. Mit 16 Jahren startete er seine Monopostokarriere, gewann auf Anhieb die dänische Formel Ford und durchlief danach die klassische Kaderschmiede des Motorsports: Formel Renault, deutsche Formel 3, britische F3 – sieben Siege, Vizemeisterschaft, Auftritt bei den McLaren-Nachwuchstests in Abu Dhabi. Das britische Traditionshaus war angetan, und Magnussen schloss sich dem Young Driver Programme an.
2013 krönte er seine Nachwuchskarriere mit dem Titel in der Formel Renault 3.5 – fünf Siege, acht weitere Podien. Ein Jahr später saß er im McLaren-Formel-1-Boliden und schrieb Geschichte: Als Vierter qualifiziert, kämpfte sich Magnussen beim Großen Preis von Australien 2014 auf das Podium – nach der Disqualifikation von Daniel Ricciardo sogar auf Rang zwei. Der erste F1-Fahrer seit Jacques Villeneuve 1996, dem dieses Debütkunststück gelang.
Archivbild 2024: Haas als Achterbahnfahrt für den Dänen. | © Batchelor / XPB ImagesDas Karussell dreht sich: zwischen McLaren, Renault, Haas und einem Déjà-vu
Doch das Formel-1-Geschäft ist gnadenlos. Fernando Alonsos Dreijahresvertrag bei McLaren katapultierte Magnussen auf den Reservistenstuhl – einer von vielen Stühlen, die in der Königsklasse periodisch den Besitzer wechseln. Die Saison 2016 bei Renault verlief grau und unspektakulär, Platz 16 in der Fahrerwertung. Der Wechsel zu Haas schien zunächst ein Abstieg, erwies sich aber als Karrierekatalysator: 2018, die beste Saison des Dänen, Punkte in mehr als der Hälfte der Grands Prix, zwei fünfte Plätze in Bahrain und Österreich. Magnussen blühte auf, bis das Team hinter ihm zusammenbrach.
Die Saisons 2019 und 2020 wurden zum Überlebenskrieg. Ein einziger WM-Punkt, dann die Kündigung. Haas entschied sich für den Neustart mit Nikita Mazepin und Mick Schumacher. Magnussen, der schon die Koffer in Richtung Langstrecke gepackt hatte, wurde 2022 vom russischen Einmarsch in die Ukraine unverhofft zurückgerufen: Mazepin war politisch nicht mehr haltbar, Haas rief Magnussen. Ohne abgeschlossene Tests, dafür mit einem Mehrjahresvertrag. Und die Rückkehr versprühte zunächst Magie: Platz fünf beim Saisonauftakt, und dann, in Brasilien, eine surreale Pole-Position im nassen Qualifying. Ein Freitagsmärchen, das am Sonntag in Kollision und Ausfall endete – ein Sinnbild seiner gesamten Haas-Zeit.
„Kevin Magnussen wird wahrscheinlich nie Formel-1-Weltmeister werden, doch das Talent und die Geschwindigkeit des Dänen sind unbestreitbar.“
2023 und 2024 brachten schließlich die Ernüchterung: Teamkollege Nico Hülkenberg dominierte, Magnussen fand sich im Qualifying regelmäßig auf den hinteren Plätzen wieder. Die Rennsperre beim Großen Preis von Italien 2024 war ein letztes Symbol. Mit 185 Starts und mehr als zehn Jahren in der Königsklasse endete das Formel-1-Kapitel Magnussen in Abu Dhabi, still und ohne Fanfare.
Neue Marke, neue Serie: Magnussen auf Wechselkurs. | © Moy / XPB ImagesWEC, BMW und ein Erbe, das Heimkehr heißt
Was kommt nach der Formel 1, wenn die Formel 1 einen loslässt? Für Kevin Magnussen lautet die Antwort: Langstrecke. Genauer gesagt: die FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft im BMW M Hybrid V8, Startnummer 15, eingesetzt von WRT. An seiner Seite: Raffaele Marciello und Dries Vanthoor.
Das Programm ist ambitioniert – alle acht WEC-Rennen inklusive der heiligen 24 Stunden von Le Mans, dazu drei IMSA-Endurance-Klassiker: Daytona, Sebring, Petit Le Mans. Magnussen kehrt damit an jenen Ort zurück, wo sein Vater viermal triumphierte. Le Mans ist für ihn kein Rennen. Es ist Familiengeschichte.
Parallel dazu setzt Magnussen auch abseits der Rennstrecke auf Expansion: Als Investor und strategischer Partner bei Racing Unleashed, einem Anbieter immersiver Motorsport-Simulatoren, bringt er seine Expertise aus zwei Welten ein – dem echten Cockpit und dem digitalen Rennerlebnis. Kevin Magnussen meinte bei der Partnerschaftsverkündung:
„Racing Unleashed bringt die Intensität und Emotion des realen Motorsports in ein Umfeld, das für alle Menschen erlebbar ist. Ich teile diese Vision voll und ganz.“
Kevin glücklich beim WEC in Imola. | ©IMAGO / ABACAPRESSKevin Magnussen ist kein gescheiterter Formel-1-Fahrer. Er ist ein Überlebender – einer, der das System zehn Jahre lang herausforderte, mit einem Midfield-Auto Pole-Positions holte und nie aufhörte, schnell zu sein. Die WEC ist kein Trost. Sie ist eine Bühne, auf der Magnussens Stärken – Robustheit, Instinkt, unbedingter Wille – endlich ohne das Korsett eines unterfinanzierten Rennstalls glänzen können. K-Mag ist nicht am Ende. Er ist angekommen.





























