Bleib in Kontakt

Wonach willst du suchen?

Enpal
Werbung

Meinung & Kommentar

Kommentar: „Drive to Survive“ Staffel 8 erzählt an der Saison vorbei

Die achte Staffel von „Drive to Survive“ ist enttäuschend. Warum Netflix am Geschehen vorbei erzählt.

©IMAGO / Joko

Achtung: Dieser Kommentar enthält Spoiler zur achten Staffel von Drive to Survive.

Auch in Staffel 8 von „Drive to Survive“ möchte Netflix als Türöffner zur modernen Formel 1 fungieren. Doch was ehemals als Mischung aus Sport, seiner Politik und Persönlichkeiten bekannt wurde, ist inzwischen eine Produktion, die am Kern der Saison vorbeierzählt.

Staffel 8 ist im Vergleich zu einigen ihrer Vorgänger erstaunlich schwach.

Drehbuch statt Realität?

Dass „Drive to Survive“ oftmals an der Realität vorbeigeht ist schon lange bekannt. In Staffel 8 bekommt diese Aussage aber noch mal eine ganz neue Bedeutung. Ein Beispiel: In der Folge „What happens in Vegas“ geht es um die Disqualifikation von McLaren und den Kampf zwischen Ferrari und Mercedes um P2 in der Konstrukteursweltmeisterschaft. Aber es fehlt einiges.

Warum wird im gleichen Zug nicht das Doppel-DSQ von Ferrari in China thematisiert? Warum bleibt der verschenkte Sieg von Charles Leclerc in Ungarn gänzlich unerwähnt? Und das in einer Saison in der der Rennstall aus Italien keinen einzigen Grand-Prix-Sieg feiern konnte? Gerade solche Momente wären essenziell für die Erzählung gewesen.

Ein Kampf um die Weltmeisterschaft ohne Tiefgang

Auch der Titelkampf, der sich bis zum letzten Rennen zog wird nur an der Oberfläche angekratzt. Das DNF von Norris in Zandvoort? Scheinbar irrelevant. Die Aufholjagd von Max Verstappen? Lediglich von Will Buxton und Claire Williams kurz erwähnt. Das Comeback von Norris? Komplett weggelassen. Oscar Piastris Formkrise in der zweiten Saisonhälfte? Scheinbar nicht passiert.

Die Dynamik im Team wurde kaum aufgegriffen. | ©IMAGO / HochZwei

Dabei lebt die Formel 1 doch genau von solchen Momenten. Aber genau diese Dynamik bleibt in der achten Staffel aus.

Hat Netflix Favoriten? Präsenz schlägt Performance

Die Verteilung der Sendezeit wirft ebenfalls viele Fragen auf: George Russells Siege? Keine Spur. Dafür wird in gefühlt jeder Folge über Kimi Antonelli berichtet. Ohne Frage handelt es sich bei Kimi Antonelli um ein Talent, aber braucht er wirklich mehr Sendezeit als mehrere Rennsieger zusammen?

Ebenfalls schade: Die Rookies bleiben blass. In der ersten Folge das große Thema, danach kaum noch eine Spur von den neuen Fahrern im Feld. Das Antonelli nicht der einzige Rookie auf dem Podium war, bleibt unerwähnt. Wer sich noch erinnern kann: Isack Hadjar fuhr in Zandvoort im Racing Bull aufs Podium. Aber scheinbar für Netflix von keiner Relevanz.

Auch dieser wichtige Moment wurde ausgelassen. | ©IMAGO / Jan Huebner

Solche Geschichten machen die Fahrer aus und hätten sie dem Publikum näher gebracht. Aber sie werden verschenkt.

Kontroversen? Lieber Tennis mit Zak Brown

Kontroversen haben in dieser Staffel keinen Platz. Die Vorwürfe gegen Christian Horner? Unrelevant – für eine Hommage an ihn nach seinem Abgang war dann aber noch genug Sendezeit. Max Verstappen fährt in Barcelona in George Russell rein. Auch das wird nicht thematisiert.

Stattdessen begleitet die Kamera McLaren-CEO Zak Brown beim Tennisspiel mit Novak Djokovic. Generell bekommt der Amerikaner mehr Bildschirmzeit als viele Fahrer.

Zak Brown bekam wahrscheinlich die meiste Sendezeit. | ©IMAGO / HochZwei/Syndication

Nicht einmal die interne Dynamik bei McLaren wird aufgerollt. Die Nummer-1-Fahrer-Debatte, Teamorders und verheerende strategische Fehler bei Boxenstopps werden nahezu gar nicht angerissen. Dabei wäre so viel zu erzählen gewesen.

Aston Martin? Non-existent

Aston Martin ist in der Saison 2025 übrigens auch dabei gewesen. Das scheint Netflix aber scheinbar vergessen zu haben. Das Team sichert sich den begehrtesten Ingenieur der Formel 1, der die nächsten Jahre maßgeblichen prägen könnte, wird einfach nicht erwähnt.

Wie kann eine Produktion, die sonst jede Personalie dramatisiert, einen solchen Coup ignorieren?

Nicht mal die Protagonisten wollen mitspielen

Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass die größten Namen des Sports der Produktion sehr kritisch gegenüber stehen. Dass ein Max Verstappen, ein Lewis Hamilton oder ein Fernando Alonso gar nicht erst mitwirken wollen, ist logisch.

Max Verstappen boykottiert DTS schon lange. | ©IMAGO / Michael Potts

Das Problem: Die verzerrte Realität

Der größte Störpunkt: „Drive to Survive“ inszeniert die Formel 1 so, dass sie mit der tatsächlichen Saison nur noch wenige Schnittpunkte hat.

Die echte Formel 1 ist chaotisch, strategisch und politisch. Siege werden hart erarbeitet und teilweise fahrlässig weggeworfen. Titelkämpfe entscheiden sich durch hauchdünne Unterschiede. Junge Fahrer entwickeln sich oder zerbrechen an dem Druck. Genau das macht den Sport aus.

Wenn die Serie aber stattdessen Nebenschauplätze aufbläst und sportliche Schlüsselereignisse ignoriert, verzerrt das die Wahrnehmung der Zuschauer. Insbesondere für neue Fans, die den Sport nur durch diese Serie kennenlernen.

Fazit

„Drive to Survive“ gab den Fans mal Einblicke in die Hintergründe und emotionalisierte das Geschehen an der Rennstrecke. In Staffel 8 ist das nicht gelungen.

Die Formel 1 liefert weiterhin Drama, Überraschungen und große Geschichten.

Schade nur, dass diese Staffel sie nicht erzählt.

author avatar
Chantal Reinhard
Chantal Reinhard ist Redakteurin und Interviewerin bei CHAMP1. Sie studiert Journalismus und Public Relations und berichtet für CHAMP1 NEWS über aktuelle Entwicklungen in der Formel 1. Ihr Fokus liegt auf Recherche, internationaler Presseschau und der journalistischen Aufbereitung komplexer Themen – präzise, verständlich und faktenbasiert.
Werbung

Neueste „Race Control“-Folge

©IMAGO / Jan Huebner / NurPhoto / Mercedes / Getty Images / Red Bull

RACE CONTROL

Kimi Antonelli steht unmittelbar vor seinem ersten Formel-1-Weltmeistertitel – für Marc Surer ist er sportlich bereits Champion. Gleichzeitig wirkt George Russell zunehmend geknickt, Red...

Mehr Formel 1-News

Verstappen wundert sich über das Strafmaß gegenüber Leclerc in Mexiko.
© Moy / XPB Images

Formel 1 News

Max Verstappen siegt in Mexiko, wundert sich aber über die milde Strafe für Charles Leclerc. Der Niederländer kritisiert die Rennleitung irritiert.

George Russell durchlebte ein wirklich schlechtes Wochenende in Mexiko. George Russell durchlebte ein wirklich schlechtes Wochenende in Mexiko.
© Moy / XPB Images

Formel 1 News

Nach Startpech, Kollision und verpasster WM-Chance schwänzt George Russell die Medientermine in Mexiko. Trotz 5.000-Euro-Strafe zeigt Toto Wolff Verständnis.

© Batchelor / XPB Images

Formel 1 News

Eine Strafenflut nach dem Großen Preis Mexiko sorgt vor allem bei Alpine für Frust. Ein Fahrer feierte am Ende ein ganz besonderes Debüt.

Kimi Antonelli krönt sich zum Weltmeister in Mexiko. Kimi Antonelli krönt sich zum Weltmeister in Mexiko.
© Charniaux / XPB Images

Champ1 News (Video)

Max Verstappen gewinnt den GP von Mexiko, doch die Schlagzeilen gehören Kimi Antonelli: Platz drei reicht dem 20-jährigen Mercedes-Star zum WM-Titelgewinn.

© Dunbar / Moy / XPB Images

Formel 1 News

In dieser Woche bestimmten vor allem zoffende Fahrer und harte Anschuldigungen das Geschehen in der Formel 1. Bei Audi endet eine besondere Ära.

November, 2026

Neueste Champ1 News Folgen

©IMAGO / XPB Images / Sauber

Champ1 News (Video)

Beat Zehnder verlässt Audi nach 39 Jahren und beendet damit eine außergewöhnliche Ära in Hinwil. Gleichzeitig sorgt eine Viruserkrankung bei Kimi Antonelli unmittelbar vor...

©IMAGO / BSR Agency / PsnewZ / Ford

Champ1 News (Video)

Audi holt mit Thomas Fuhr einen früheren Mercedes-Motorenchef an die Spitze seiner Formel-1-Motorengesellschaft. Aston Martin soll derweil Interesse an Red-Bull-Powertrains haben, bekommt von Laurent...

© IMAGO / NurPhoto

Champ1 News (Video)

Ralf Schumacher greift Christian Horner nach dessen pikanten Enthüllungen scharf an. Auch Champ1-Experte Marc Surer reagiert.

Weitere Artikel

Formel 1 News

Max Verstappen siegt in Mexiko, wundert sich aber über die milde Strafe für Charles Leclerc. Der Niederländer kritisiert die Rennleitung irritiert.

Formel 1 News

Nach Startpech, Kollision und verpasster WM-Chance schwänzt George Russell die Medientermine in Mexiko. Trotz 5.000-Euro-Strafe zeigt Toto Wolff Verständnis.

Formel 1 News

Eine Strafenflut nach dem Großen Preis Mexiko sorgt vor allem bei Alpine für Frust. Ein Fahrer feierte am Ende ein ganz besonderes Debüt.

Champ1 News (Video)

Max Verstappen gewinnt den GP von Mexiko, doch die Schlagzeilen gehören Kimi Antonelli: Platz drei reicht dem 20-jährigen Mercedes-Star zum WM-Titelgewinn.

CHAMP1.NEWS stellt seine Inhalte kostenlos zur Verfügung und finanziert sich durch Werbung. Damit wir dir unsere Inhalte auch weiterhin frei zugänglich anbieten können, bitten wir dich, deinen Adblocker für CHAMP1.NEWS zu deaktivieren und die Seite anschließend neu zu laden. Vielen Dank für deine Unterstützung!