Im großen CHAMP1-Exklusivinterview spricht Daniel Juncadella offen über seine außergewöhnliche Motorsport-Karriere – vom Formel-3-Titel über die Jahre als Formel-1-Testfahrer bis hin zum erfolgreichen Wechsel in den GT- und Langstreckensport. Gemeinsam mit CHAMP1-Redakteur David Heermann spricht der Spanier über Max Verstappen, Fernando Alonso, Aston Martin, die Formel 1, den Nürburgring und Le Mans – aber auch über Rückschläge, verpasste Chancen und neue Ziele.
©IMAGO / Gruppe C Photography„Max Verstappen ist der beste Fahrer, den ich je gesehen habe“
Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich um die Zusammenarbeit mit Max Verstappen. Gemeinsam bestritten beide in diesem Jahr das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring – eine Erfahrung, die Juncadella als besonderen Moment seiner Karriere beschreibt.
Den viermaligen Formel-1-Weltmeister bezeichnet der Spanier als den besten Fahrer, den er jemals erlebt habe. Gleichzeitig hebt er hervor, dass Verstappen abseits der Rennstrecke völlig bodenständig geblieben sei. Die Zusammenarbeit habe ihm großen Spaß gemacht, gleichzeitig aber auch enormen Druck bedeutet. Wer sich ein Auto mit Verstappen teile, wisse genau, welche Erwartungen damit verbunden seien.
Trotz des technischen Defekts kurz vor Rennende blickt Juncadella positiv auf das Nürburgring-Wochenende zurück. Er ist überzeugt, dass Verstappen eines Tages zurückkehren möchte, um das Rennen doch noch zu gewinnen – und hofft, dann erneut Teil des Projekts zu sein.
©XPB ImagesOffene Worte über den verpassten Formel-1-Traum
Juncadella spricht auch ungewöhnlich offen über seine Jahre auf dem Sprung in die Formel 1. Nach seinem Titelgewinn in der Formel 3 galt er als eines der größten Nachwuchstalente, später arbeitete er als Testfahrer unter anderem für Williams und Force India.
Rückblickend beschreibt er diese Zeit als psychisch belastend. Ständig habe er auf die Chance gewartet, selbst ein Formel-1-Cockpit zu erhalten – doch diese Gelegenheit sei nie gekommen. Heute habe er seinen Frieden damit gemacht. Zwar bleibe die Formel 1 sein unerfüllter Traum, gleichzeitig sehe er seine Karriere inzwischen mit großer Zufriedenheit.
©XPB ImagesWarum die DTM für ihn zum Wendepunkt wurde
Besonders ehrlich äußert sich Juncadella über seine Jahre in der DTM. Er bezeichnet die Meisterschaft rückblickend als sehr politisch geprägt und erklärt, dass sie seiner Karriere letztlich eher geschadet als geholfen habe.
Vor allem als junger Fahrer habe ihm damals die Erfahrung und das Umfeld gefehlt, um sich in diesem System zurechtzufinden. Erst später habe er erkannt, wie wichtig Management und strategische Unterstützung im modernen Motorsport geworden seien.
©XPB ImagesLangstrecke statt Formel 1: Hier fühlt sich Juncadella zuhause
Seine sportliche Heimat hat Juncadella inzwischen im GT- und Langstreckensport gefunden. Besonders gefällt ihm dort der Teamgedanke. Anders als im klassischen Formelsport seien Teamkollegen dort keine direkten Gegner, sondern gemeinsame Partner auf dem Weg zum Erfolg.
Le Mans bezeichnet er als ein beeindruckendes Erlebnis. Sein persönliches Lieblingsrennen bleibt jedoch das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Sollte er sich eines Tages zwischen einem Sieg in Le Mans und einem Triumph auf der Nordschleife entscheiden müssen, würde er den Nürburgring wählen.
©Aston MartinKritischer Blick auf Aston Martin und die Zukunft der Formel 1
Auch zur aktuellen Formel 1 nimmt Juncadella Stellung. Die schwierige Situation bei Aston Martin verfolgt er aus nächster Nähe, da er weiterhin als Simulatorfahrer für das Team tätig ist. Warum das Projekt bislang hinter den Erwartungen zurückbleibt, könne er allerdings selbst nicht eindeutig beantworten. Gleichzeitig glaubt er nicht, dass Fernando Alonso bereits an Motivation verloren habe.
Auch die Entwicklung der Formel 1 verfolgt er aufmerksam. Die neuen Fahrzeuggenerationen hätten sich im Simulator bislang nicht besonders überzeugend angefühlt. Dennoch warnt Juncadella davor, vorschnelle Urteile zu fällen. Grundsätzlich wünsche er sich, dass die Fahrer bei der Weiterentwicklung des Sports stärker gehört werden. Einer möglichen Rückkehr der V8-Motoren steht er offen gegenüber – diese Idee würde er ausdrücklich begrüßen.
Der Traum lebt weiter
Auch wenn der Formel-1-Traum unerfüllt blieb, hat Daniel Juncadella längst neue Ziele gefunden. Er möchte sich dauerhaft in der Hypercar-Klasse etablieren und eines Tages sowohl Le Mans als auch das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewinnen.
Das CHAMP1-Exklusivinterview zeigt dabei nicht nur einen erfolgreichen Rennfahrer, sondern vor allem einen reflektierten Motorsportler, der offen über Erfolge, Enttäuschungen und seinen weiteren Weg spricht.




































