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„Das ist unprofessionell“ – Surer reagiert knallhart

Die neue Generation der Formel 1 ist zum einen schnell und extrem talentiert. Zum anderen aber auch mental ein ziemliches Kontrastprogramm. Kimi Antonelli lieferte zuletzt Siege im Akkord, Isack Hadjar dagegen liefert Emotionen. Die Frage ist daher nicht mehr, wer schneller ist, sondern wer die volle Rennfahrerprofessionalität mit bringt.

©IMAGO / Beautiful Sports / XPB Images

Während der eine schon wie ein Weltmeister denkt, kämpft der andere noch mit sich und gelegentlich auch mit der Realität.

Talent haben sie beide, aber erwachsen ist bisher nur einer

Es gibt diese Momente im Motorsport, die mehr sagen als jede Rundenzeit. Momente, in denen sich entscheidet, ob da gerade ein zukünftiger Weltmeister aussteigt oder jemand, der sich noch mit seinem eigenen Ego duelliert.

Nehmen wir den Sprint in China. Kimi Antonelli verbremste sich und traf Isack Hadjar. Ja, das war klar sein Fehler. Aber anstatt es wegzuignorieren, lief der 19-Jährige danach zu Hadjar und suchte das Gespräch und wollte sich entschuldigen. Ein Move, der in dieser Haifischbecken-Serie ungefähr so selten ist wie ein ehrliches Teamradio und schon viel öfters hätte passieren müssen.

Und Hadjar? Der winkte ihn einfach weg.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff bringt es damals auf den Punkt:

„Das kann es nicht sein.“

Wolff nannte sein Verhalten unsportlich. Da hat er vollkommen recht.

Hadjar selbst blieb aber trotzig: „Ich verstehe nicht, warum er so überdreht ist.“
Interessant. Vor allem von jemandem, der wenige Wochen später noch ganz andere Formen der Selbstkontrolle demonstriert.

Miami: Der eine gewinnt das Rennen, der andere den Nervenzusammenbruch

Während Antonelli in Miami seinen dritten Sieg in Folge einfuhr, lieferte Hadjar ein Wochenende, das man höflich als „lehrreich“ bezeichnen könnte.

Antonelli schreibt gerade seine eigene historische Geschichte. Drei Rennen, drei Siege, allesamt von der Pole. Medien weltweit überschlagen sich, die Gazzetta dello Sport schreibt: „Der Stärkste ist ein Italiener.“

Hadjars Situation hingegen lautet Disqualifikation im Qualifying und Crash im Rennen. Und danach… ein kleiner Ausflug in die Kategorie „emotionaler Ausnahmezustand“.

Experte Marc Surer beschrieb die Szene in unserer Race Control Sendung trocken:

„Nicht sehr professionell. Und er hat sich über sich selber geärgert. Das ist ehrlich und irgendwie auch menschlich. Ja, aber natürlich habe ich auch gedacht, jetzt könntest du trotzdem mal aussteigen.“

Hadjar schlug minutenlang auf sein Lenkrad. Klar, Emotion gehört dazu. Aber irgendwann kippt Leidenschaft in Kontrollverlust.

Mit solchen Szenen kann man sagen, dass Antonelli Druck verarbeitet, Hadjar jedoch sich selbst.

Emotionen müssen Teil des Sports sein. Aber auch das Wissen, wann und wie man diese wieder zügeln kann. | ©IMAGO / EPA

Zwischen Genie und Trotzphase

Jetzt wäre es zu einfach, Hadjar als hoffnungslosen Fall abzustempeln. Das Talent ist da, der Speed auch. Und selbst Ralf Schumacher sagt: „Er ist ein Heißsporn… wird dazulernen.“

Genau das ist der Punkt. Hadjar wirkt wie jemand, der gerade erst merkt, dass Formel 1 nicht nur aus Gas geben besteht, sondern auch aus Haltung zeigen.

Antonelli scheint diese Phase einfach zu überspringen oder durch seinen Rennpapa Toto schon das nötige Verhalten in solchen Situationen mit auf den Weg gegeben bekommen zu haben. Fehler machen, Verantwortung übernehmen, weitermachen.

Die eigentliche WM entscheidet sich im Kopf

Die Formel 1 liebt ihre Wunderkinder. Aber sie krönt auch nicht nur Talente, sondern Charaktere. Geschwindigkeit bringt dich ins Cockpit, mentale Reife hält dich dort.

Am Ende läuft also alles auf eine simple, fast schon brutale Erkenntnis hinaus:
Wer seine Emotionen nicht kontrolliert, wird irgendwann von ihnen kontrolliert. Für die Zuschauer super, aber um auf der Pole zu stehen… schauen wir mal.

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Lara Wettengel
Lara Wettengel verbindet Motorsport-Leidenschaft mit psychologischer Expertise. Für sie ist die Formel 1 nicht nur ein sportlicher Wettbewerb, sondern ein Hochleistungsraum für mentale Stärke, Präzision und emotionale Kontrolle. Mit ihrem Hintergrund in Psychologie sowie Akkreditierungen im Bereich Stressmanagement und Emotionaler Intelligenz (EQ) bringt sie eine Perspektive ein, die im Motorsport oft unterschätzt wird: die mentale Dimension von Performance. Seit 2026 verstärkt sie die Redaktion von CHAMP1. Für CHAMP1.NEWS verfasst sie News-Artikel, Hintergrundberichte und Analysen zu den zentralen Themen der Formel 1. Perspektivisch bringt sie ihre Expertise zudem in Social-Media-Formate und On-Air-Einordnungen ein. Ihre besondere Stärke liegt darin, sportliche Entwicklungen auch aus psychologischer Sicht zu beleuchten – und verständlich zu machen, was im Kopf der Fahrerinnen und Fahrer über Erfolg oder Niederlage entscheiden kann. Ihr Anspruch: Motorsport in seiner ganzen Intensität auf und neben der Strecke greifbar zu machen – analytisch, fundiert und mit Blick auf die mentale Performance.
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