Jim Clark war ein Genie, ein Gentleman und ein Mythos. Seine Geschichte und warum nicht nur Hockenheim ihn nie vergessen wird.
Archivbild 2007: Ein Mann, welcher zu seiner Zeit das Auto beherrschte wie kein Zweiter. | ©D. Ebener/xpb.ccDer Mann, der einfach schneller war
Es gibt diese seltenen Fahrer, über die selbst ihre größten Rivalen nicht diskutieren, sondern ehrfürchtig erzählen. Jim Clark war genau so einer. Zwei Weltmeistertitel, davon einer im Jahre 1963 und einer 1965, klingen zwar auch schon auf dem Papier stark, aber sie sind fast schon eine Untertreibung zu den Zahlen, die gleich noch folgen.
Sein Siegdurchschnitt von 34,25 Prozent? Bis heute unerreicht. Clark war dabei keines Weges ein Selbstdarsteller. Eher das Gegenteil. Ein Mann aus den schottischen Borders, aufgewachsen auf einer Schaffarm, geprägt von stiller Entschlossenheit und einer fast stoischen Ruhe. Während andere sich inszenierten, ließ er einfach das Lenkrad sprechen.
Sein geschmeidiger, präziser und fast schon eleganter Stil gepaart mit seiner brutal effektiven Wirkung machte ihn bereits zu seiner Zeit im Motorsport zu einer lebenden Legende.
In nur 72 Grand Prix Starts holte er unglaubliche 25 Siege, 33 Podien sowie 33 Pole Positions. Das sind Zahlen, auf denen man sich theoretisch einiges einbilden könnte. Clark jedoch nicht.
Eine Reihe von Legenden. | ©IMAGO / David Ebener1965: Das Jahr, in dem Clark zur Legende wurde
Wenn man nur ein Jahr nennen müsste, um Jim Clark zu beschreiben, dann wäre es 1965.
Er wurde Formel-1-Weltmeister und gewann das Indianapolis 500. So etwas hat bis heute niemand mehr geschafft. Er war nicht nur der Beste, er zeigte auch ganz neu, was es heißt, unschlagbar zu sein.
Wo andere Fahrer an ihre Grenzen stießen, schien Clark sie einfach weiter hinauszuschieben. Bei ihm sah Rennfahren weniger nach einem Kampf aus, sondern eher wie Kunst.
Dabei blieb er immer der Alte: bescheiden, bodenständig, fast schon schüchtern. Ein Riesentalent, das aber keine großen Sprüche klopfte.
Der Tag in Hockenheim, an dem alles anders wurde
Aber auch jede Legende hat einen Punkt, an dem sie zerbricht. Es war der 7. April 1968, bei einem Formel-2-Rennen in Hockenheim.
Ein Unfall, ein Aufprall. Ein Verlust, dessen Echo man bis heute spürt. Jim Clark starb und gleichzeitig mit ihm ging auch ein Stück der Unschuld im Motorsport verloren.
Damals war Rennsport eben so: Nicht ganz so perfekt, weniger von Politik bestimmt und nicht so durchkalkuliert. Es ging darum, schneller zu sein als die anderen. Nicht unbedingt als Gegner, sondern eher als jemand, der die gleiche Leidenschaft teilt.
Clark war genau so jemand. Und vielleicht berührt uns sein Tod deshalb bis heute so sehr. Denn er nahm nicht nur einen Fahrer mit, sondern brachte eine ganze Epoche ins Wanken.
Archivbild 2025: Letztes Jahr beim ADAC Hockenheim Historic „Das Jim Clark Revival“. | ©IMAGO / HMB-MediaWenn die alte Zeit wieder lebendig wird
Genau darum geht es an diesem Wochenende. Die ADAC Hockenheim Historic: Das Jim Clark Revival ist kein normales Rennwochenende. Es ist eher ein Gefühl, ein Blick zurück. Ein leises „Weißt du noch?“, das auf einmal ganz laut wird.
Etwa 500 alte Autos aus früheren Zeiten fahren dann über die Strecke. Maschinen, die nicht perfekt waren, aber dafür viel Charakter hatten. Autos, die man nicht nur sehen, sondern auch riechen, hören und fühlen konnte. Motorsport, den man richtig erleben kann.
Und mittendrin erinnert man sich an den Mann, der all das noch besser gemacht hat. Hier geht es nicht nur um schnelle Rundenzeiten. Es geht um die Einstellung, die Leidenschaft und diesen besonderen, ehrlichen Charme einer Zeit, in der Rennsport noch ein Stück geradliniger war.
Nicht nur reine Nostalgie
Klar, die Vergangenheit verklärt man gerne. Das passiert immer. Aber vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: Sich an das Gute zu erinnern, an das Echte. An einen Fahrer, der nicht über dem Sport stand, sondern ihn erst so groß gemacht hat.
Am Ende ist dieses Wochenende mehr als nur eine Veranstaltung. Es erinnert uns daran, warum wir diesen Sport so lieben. Warum wir eine Gänsehaut bekommen, wenn die Motoren brüllen. Warum Geschichten manchmal mehr zählen als reine Ergebnisse.
Jim Clark ist zwar seit 1968 nicht mehr auf der Rennstrecke. Aber trotzdem fährt er irgendwie immer noch mit. In jeder Hockenheim-Kurve. In jedem alten Motor, der hochdreht. Und in jedem Augenblick, in dem Motorsport einfach wieder Motorsport sein kann.




































