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F1 History

„Der Tag, an dem die Sonne vom Himmel fiel“: Als Berger seinen Freund Senna verlor

Ayrton Senna starb heute vor 32 Jahren. Vor allem sein Freund Gerhard Berger wird die Formel-1-Legende niemals vergessen.

@ IMAGO / HochZwei

Ayrton Senna starb heute vor genau 32 Jahren auf eine grausame Art – einen Tag nach dem tragischen Tod von Roland Ratzenberger in Monza.

Der Brasilianer ging von der Pole aus ins Rennen. Trotz zahlreicher Sicherheitsbedenken, die er selbst hatte, setzte er sich ins Cockpit und die Tamburello-Kurve wurde ihm zum Verhängnis.

Der Williams-Pilot kam von der Strecke ab und raste geradeaus in die Begrenzung. Der dreifache Weltmeister konnte noch ins Krankenhaus gebracht werden, wurde aber wenige Stunden später für hirntot erklärt.

Gerhard Berger (m.) bei der Beerdigung von Senna. © Photo4 / xpb.cc

Berger enthüllt letzte Momente mit Senna

Einer der wohl traurigsten Männer an diesem Tag war sein treuer Freund Gerhard Berger. Fünf Jahre zuvor war er selbst in Monza schwer verunglückt – doch er zog sich „nur“ Verbrennungen an den Händen zu. Der Österreicher kommentierte einige Jahre später, wie dramatisch dieser Tag auch für ihn selbst abgelaufen ist.

„Ich weiß noch, wie der Streckensprecher in der Startaufstellung am 1. Mai 1994 in Imola meinen Namen nannte und die Tifosi brüllten. Ayrton schaute mich an, und es war, als huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Sein letztes Lächeln.“

Seine nächste Erinnerung sei es gewesen, wie er den Wagen von Senna an der Unfallstelle sah. Für ihn selbst schien alles halb so wild. Sogar die Fahrer sollen gesagt haben, Senna sei okay gewesen. Doch, recht hatte leider niemand.

„Als ich erfuhr, dass Ayrton im Sterben liegt, bin ich ins Krankenhaus von Bologna. Ich wollte ihn noch mal sehen. Er lag auf dem OP-Tisch. Ein paar Ärzte standen um seinen Kopf herum, sein Gesicht war abgedeckt. Für mich war es der Tag, an dem die Sonne vom Himmel fiel.“

Senna (l.) und Berger (r.) waren perfekte Teamkollegen. © IMAGO / ZUMA Press Wire

Freundschaft zwischen Berger und Senna eine besondere Ausnahme

Berger gehörte zusammen mit Sennas großem Rivalen Alain Prost und Emerson Fittipaldi zu den Männern, die seinen Sarg beim Begräbnis trugen.

Das Verhältnis zwischen Senna und Berger war ein besonderes in einer aufgeladenen Zeit in der Formel 1. Sennas WM-Jahre waren geprägt von heißen Duellen mit Alain Prost. Der Brasilianer war ein Fahrer, der auch mal über das Ziel hinausschoss. Ihm war egal, mit wem er sich im Endeffekt anlegte – er wollte den maximalen Erfolg.

Berger bezeichnete Senna als „Außerirdischen“. Er erkannte früh, wie gut die Formel-1-Legende war, und akzeptierte, dass sein McLaren-Teamkollege vollkommen überlegen war. Senna liebte die Unbeschwertheit des Österreichers und seine Qualitäten, wie Berger in seiner Biografie enthüllte.

„Senna begriff, dass ich der ideale Teamkollege für ihn war. Ich überraschte ihn mit dem reinen Speed und kam ihm dabei näher als irgendjemand sonst, auch viel näher, als Prost es je geschafft hatte. Trotzdem war ich keine wirkliche Bedrohung für ihn, weil er mich aufgrund seiner Perfektion im Griff hatte.“

Trotz der teaminternen Rivalität verbrachten die beiden Fahrer auch ihre Freizeit zusammen. Egal ob am Strand in Brasilien oder auf dem Boot von Berger – beide genossen die Zeit zusammen. Sie waren Freunde – eine Seltenheit in der Formel 1.

Berger (l.) und Senna (r.) bewiesen immer wieder Humor. © IMAGO / ZUMA Press Wire

Streiche waren an der Tagesordnung

Doch ohne das ein oder andere Psychospielchen kam das Duo nicht aus. Zahlreiche Streiche ließen sich beide füreinander einfallen.

Senna hatte 1990 den Sohn eines Spediteurs mit einem Glas Wasser nassgemacht. Die Rache bekam nicht nur der Brasilianer, sondern auch sein Hotelzimmer zu spüren.

„Mit einem Schlauch bastelten wir eine Verlängerung eines Feuerlöschers, und die führten wir ihm um drei Uhr früh unter der Tür ein. Wir hatten noch ein paar Zuschauer eingeladen und drückten dann ab. Dem war das unglaublich peinlich. Mit seinen knapp 30 Jahren war er schon ein sehr, sehr ernsthafter Mensch, der sich richtig schwergetan hat, ein bisschen nachzulassen. Er hat einfach nie einen Blödsinn gemacht, sehr im Gegenteil zu mir. Später habe ich ihn ganz gut zum Auftauen gebracht.“

Beide ließen sich in diesem Jahr noch zahlreiche Streiche einfallen, doch Senna stellte primär mit einem ganz besonderen Manöver die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe. Beim Rennen in Suzuka schenkte der Brasilianer dem Österreicher den Sieg, indem er ihn überholen ließ. Eine eigentlich nette Geste – doch Berger wusste, was dahintersteckte.

„Innerlich war ich angefressen. So hat er der ganzen Welt gezeigt, wer der Herr im Haus ist, und dass er sich’s vom Stand der WM auch leisten kann, dem kleinen Berger etwas zukommen zu lassen. Unsere Freundschaft hat darunter aber nicht gelitten.“

Ihre Freundschaft war eine besondere, doch sie hatte ein trauriges und tragisches Ende. Gerhard Berger wird das Rennwochenende in Monza 1994 niemals vergessen. Denn er verlor nicht nur einen Kollegen – sondern einen Freund.

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David Heermann
David Heermann verbindet sportliche Leidenschaft mit journalistischem Anspruch. Bereits während seines Medienwissenschaftsstudiums stand für ihn fest, dass er seinen beruflichen Weg im Sportjournalismus gehen möchte. Die Formel 1 begleitet ihn seit seiner Kindheit – heute interessiert ihn jedoch weit mehr als das reine Renngeschehen. Strategische Entwicklungen, teaminterne Dynamiken und die Geschichten abseits der Strecke prägen seinen Blick auf die Königsklasse. Seit 2026 ist er Teil von CHAMP1. Für CHAMP1.NEWS verfasst er regelmäßig News-Artikel, Hintergrundberichte und Analysen. Darüber hinaus präsentiert er Formate auf den Social-Media-Kanälen der Plattform und ordnet in den Sendungen Qualifyings, Sprints und Rennen ein – mit Fokus auf die entscheidenden Szenen, strategischen Wendepunkte und sportlichen Entwicklungen. Sein Anspruch: komplexe Themen klar einordnen, Hintergründe verständlich aufbereiten und die wichtigsten Ereignisse aus der Welt der Formel 1 präzise und professionell vermitteln.
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