CHAMP1 NEWS – Ausgabe #774 vom Mittwoch, 10. Juni 2026
Der Monaco-GP ist zwar Geschichte, die Nachwirkungen beschäftigen die Formel 1 aber weiterhin. Alpine kämpft um Pierre Gaslys verlorenen Podestplatz, Ferrari sucht nach einer Lösung für die Bremsenprobleme von Charles Leclerc, Max Verstappen hadert mit einem besonders schmerzhaften Nuller und bei Mercedes wächst der Druck auf George Russell. Gleichzeitig rückt in Barcelona die nächste Generation der Formel 1 ins Rampenlicht.
Alpine kämpft weiter um Gaslys Podestplatz
Für Alpine ist der Monaco-GP noch nicht abgeschlossen. Der Rennstall hat offiziell ein sogenanntes „Right of Review“ beantragt und versucht, die beiden Fünf-Sekunden-Strafen gegen Pierre Gasly nachträglich aufheben zu lassen.
Der Franzose hatte die Ziellinie ursprünglich auf Podestkurs überquert, fiel durch die Strafsekunden aber auf Rang sieben zurück. Alpine argumentiert, dass die spezielle Streckenführung der Monaco-Boxengasse die Geschwindigkeitsmessung verfälscht haben könnte. Gasly selbst betonte nach dem Rennen, sein Fahrzeug habe das Tempolimit von 60 km/h nach seinen Informationen nie überschritten.
Ob die FIA den Fall tatsächlich neu bewertet, hängt nun davon ab, ob Alpine relevante neue Beweise vorlegen kann. Sollte das gelingen, könnte Gasly seinen dritten Platz am Grünen Tisch zurückerhalten.
©XPB ImagesBoxengassen-Wirbel und neue Ferrari-Sorgen
Die Diskussionen um die Monaco-Strafen beschränken sich nicht nur auf Alpine. Auch Lewis Hamilton, George Russell, Oscar Piastri und weitere Fahrer wurden wegen minimaler Überschreitungen des Tempolimits belangt.
Vor allem Hamilton äußerte Zweifel an der Messmethode in der ungewöhnlich verlaufenden Monaco-Boxengasse. Die Vielzahl der Strafen hat die Debatte zusätzlich angeheizt.
Parallel dazu wächst bei Ferrari der Druck an anderer Stelle. Charles Leclerc machte nach seinem Rennen kein Geheimnis daraus, dass er massive Probleme mit seiner Bremsanlage hatte. Der Monegasse sprach sogar davon, dass drei seiner vier Bremsen nicht richtig funktioniert hätten.
Besonders brisant: Leclerc will künftig offenbar auf eine ähnliche Bremsen-Konfiguration wechseln, wie sie Lewis Hamilton inzwischen nutzt. Damit steht Ferrari vor einer technischen Baustelle, die schnell gelöst werden muss – gerade vor den kommenden europäischen Rennen.
©Getty Images / Red BullVerstappen verliert wichtige Punkte – und eine große Chance
Für Max Verstappen entwickelte sich Monaco zu einem der bittersten Wochenenden der bisherigen Saison.
Noch bevor das Rennen richtig begonnen hatte, sorgte ein technischer Defekt für das vorzeitige Aus des Niederländers. Besonders schmerzhaft ist das deshalb, weil Red Bull im Fürstentum überraschend konkurrenzfähig wirkte und Verstappen zu den stärksten Fahrern des Wochenendes gehörte.
Teamchef Laurent Mekies erklärte inzwischen, dass die Ursache identifiziert worden sei. Das Problem habe sich bereits während der Aufwärmrunde entwickelt, sodass weder Team noch Fahrer noch hätten eingreifen können.
Die verlorenen Punkte wiegen schwer. Verstappen liegt mittlerweile deutlich hinter den Spitzenplätzen der Fahrerwertung und musste erneut zusehen, wie die Konkurrenz davonzog. Gerade deshalb bleibt Monaco aus Red-Bull-Sicht ein Wochenende voller Frust – nicht wegen fehlender Pace, sondern wegen einer verpassten Gelegenheit.
©IMAGO / Jan HuebnerRussell braucht dringend ein Erfolgserlebnis
Während Kimi Antonelli bei Mercedes weiter für Schlagzeilen sorgt, gerät George Russell zunehmend in die Defensive.
Nach zwei Nullnummern in Folge beträgt der Rückstand auf seinen Teamkollegen inzwischen 66 Punkte. Toto Wolff versucht zwar öffentlich, den Druck von Russell zu nehmen und verweist auf technische Probleme sowie unglückliche Rennverläufe. Die Zahlen sprechen jedoch eine deutliche Sprache.
Antonelli sammelt Siege, führt die WM an und wird inzwischen als neuer Superstar der Formel 1 gehandelt. Russell dagegen sucht nach dem Wochenende, das die Wende bringt.
Für Mercedes wird Barcelona deshalb auch mental wichtig. Gelingt Russell dort ein Befreiungsschlag, könnte sich die Dynamik schnell wieder verändern. Bleibt der Erfolg aus, dürfte die Diskussion um die interne Hierarchie bei den Silberpfeilen weiter an Fahrt aufnehmen.
Die Zukunft fährt in Barcelona vor
Neben den großen WM-Geschichten richtet sich der Blick in Spanien auch auf die nächste Fahrergeneration.
Gleich vier Nachwuchspiloten erhalten im ersten Freien Training die Gelegenheit, Formel-1-Luft zu schnuppern: Luke Browning bei Williams, Leonardo Fornaroli bei McLaren, Colton Herta bei Cadillac und Fred Vesti bei Mercedes.
Für die Teams sind diese Einsätze Teil der Rookie-Verpflichtung der FIA. Für die Fahrer selbst sind sie jedoch weit mehr als eine Pflichtübung. Jede Runde bietet die Chance, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen und wertvolle Erfahrungen mit den aktuellen Autos zu sammeln.
Gerade auf einer Strecke wie Barcelona, die Teams und Fahrer bestens kennen, bietet sich dafür eine ideale Gelegenheit.
Weitere Themen der Sendung
Außerdem sprechen wir in Ausgabe #774 über die unterschiedlichen Einschätzungen von Marc Surer und Niels Wittich zur Alpine-Berufung, die anhaltenden Diskussionen um die Monaco-Boxengassenmessung sowie die Frage, ob Max Verstappen in Monaco tatsächlich um den Sieg hätte kämpfen können.




































