Heute vor 44 Jahren absolvierte Gilles Villeneuve seinen letzten Grand Prix in Belgien. Nach einem Unfall mit Jochen Mass starb er am Abend des 8. Mai 1982 und sorgte für viel Trauer in der Formel-1-Gemeinde.
Er galt als einer der talentiertesten Fahrer aller Zeiten. Seine Konkurrenten hatten Respekt und Ehrfurcht vor der Qualität des Kanadiers. Bis heute gehört er zu den größten Ferrari-Legenden. Enzo hatte eine ganz besondere Beziehung zu ihm.
Eine Weltmeisterschaft war ihm trotz seines unfassbaren Talents nie vergönnt. Doch dann kam sein Sohn Jacques.
Jacques Villeneuve wurde 1997 Weltmeister. © Photo4 / XPB ImagesDer „überbewertete“ Villeneuve wird Weltmeister
Im Jahr 1996 debütierte der Sohn von Gilles Villeneuve in der Formel 1, doch im Kosmos der Königsklasse des Motorsports erreichte er nie den Ruf seines Vaters.
Daran änderte auch sein Weltmeistertitel von 1997, den er sich in einem packenden Fight mit Michael Schumacher sicherte, nichts. Jacques war deutlich extravaganter als sein Vater, er polarisierte nicht auf, sondern neben der Strecke.
Bis heute gibt es viele Fans, die den ehemaligen Weltmeister als überbewertet bezeichnen. Doch eigentlich sollte man großen Respekt vor den Leistungen des Kanadiers haben – denn immerhin verlor er nicht nur seinen Vater, er wurde auch immer wieder mit ihm verglichen.
Der Tod von Gilles Villeneuve erschütterte die Formel 1. © Photo4 / XPB ImagesTod des Vaters änderte für Jacques alles
Zum Todeszeitpunkt war Jacques Villeneuve elf Jahre alt und erzählte in der CNN‑Sendung „The Circuit“, dass er ab diesem Zeitpunkt „die Rolle des Mannes im Haus“ übernommen habe.
Dieser Umstand und die Kraft, die der Kanadier aufbringen musste, haben ihn zu dem Rennfahrer gemacht, der er später einmal wurde.
Er verriet außerdem, dass ein Familienleben bei den Villeneuves gewissermaßen nonexistent war.
„Ich hatte ihn damals schon etwa zwei Jahre lang nicht mehr zu Gesicht bekommen. In dieser Zeit war er faktisch kein Vater. Es herrschte damals kein Familienleben mehr bei uns, er verschwand jeweils für zwei Monate. Und wenn er zurückkehrte, war er auch nicht wirklich da, denn er kam nach Hause, um auf seinem Boot zu spielen.“
Trotzdem sei sein Vater ein Held für ihn gewesen, zu dem er immer aufgeschaut habe. Er gab zu, dass er von seinem Vater nie viel Liebe erhalten habe, doch gerade deshalb hätte er ihn immer beeindrucken wollen. Seinen Weltmeistertitel konnte sein Vater allerdings nicht miterleben.
Jacques Villeneuve hatte Probleme mit dem Erbe seines Vaters. © IMAGO / ABACAPRESSJacques Villeneuve wollte lange nicht über seinen Vater sprechen
Doch Villeneuve hatte auch lange ein Problem damit, überhaupt über Gilles zu sprechen. Denn er hatte Angst vor der Erwartungshaltung der Menschen, wie er in einem Interview mit „Globe and Mail“ verriet.
„Die Leute wären von meiner Antwort enttäuscht gewesen, denn ich habe die Dinge ganz anders gesehen – ich war ja sein Sohn. Ich war dort, habe das jeden Tag gelebt, ich war kein Fan. Er war mein Held, aber es war anders.“
Auch habe er ein Problem damit gehabt, dass er immer wieder mit seinem Vater verglichen wurde. Jacques wollte seinen eigenen Weg gehen.
„Ich wollte nicht als Villeneuve Champion werden, sondern wegen meiner selbst.“
Er sei nicht gefahren, um das Erbe seines Vaters fortzusetzen, sondern weil er es selbst geliebt habe. Er hatte immer Angst davor, etwas Falsches zu sagen, wenn er über seinen Vater sprach.
Trotzdem sei er stolz auf das Vermächtnis seines Vaters gewesen, doch Jacques sei „keiner, der die Leute glücklich machen“ wolle. Nie bekam er die Anerkennung oder den Status seines Vaters, doch man muss Jacques Villeneuve viel Respekt dafür zollen, dass er sich durchgekämpft hat.
Stellenweise wird im Motorsport vergessen, dass ein Mensch im Cockpit sitzt. Der Kanadier musste viele Hürden meistern, um Weltmeister zu werden – vielleicht hätte er es verdient gehabt, etwas fairer bewertet zu werden.




































