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Was wurde aus dem unbeliebtesten Rennfahrer der jüngsten F1-Vergangenheit?

Er war laut, polarisierend und selten schnell genug: Nikita Mazepin galt als einer der unbeliebtesten Fahrer der jüngeren Formel-1-Geschichte. Drei Jahre nach seinem abrupten Aus steht fest: Verschwunden ist er nicht. Aber neu erfunden?

©IMAGO / Russian Look

Nikita Mazepin und der lange Schatten einer kurzen Formel-1-Karriere.

Ein Einstieg mit Ansage und gleichzeitig Gegenwind

Es gibt Karrieren, die starten leise. Und es gibt die von Nikita Mazepin.

Sein Formel-1-Debüt 2021 bei Haas war kein sportlicher Aufbruch, es war eher ein PR-Sturm. Der Russe stand vom ersten Tag an unter Beobachtung, allerdings nicht wegen spektakulärer Rundenzeiten, sondern wegen seiner Herkunft, seiner Finanzierung und seines Auftretens. Die Kritik war laut. Und intern offenbar noch lauter.

In der Netflix-Dokumentation „Drive to Survive“ wird eine Szene öffentlich, die sinnbildlich für Mazepins Standing steht. Nach dem Grand Prix in Barcelona platzte Teamchef Günther Steiner der Kragen:

„Verdammte Sch****. Deswegen hassen dich die Leute!“

Mazepin fiel also nicht nur durch fehlende Pace auf, sondern auch durch seinen Umgangston. Immer wieder geriet er mit seinem Renningenieur aneinander, beschwerte sich am Funk über das Auto, über die Situation, einfach über alles. Daher Steiners klare Ansage:

„Sei nicht so aggressiv, wenn du am Funk sprichst. Damit erreichst du nichts.“

Und noch härter:

„Sie haben Angst vor dir. Ich sage nicht, dass du geliebt werden musst. Ich sage nur, sei neutral.“

Autsch.

Archivbild 2022: Beide aus gutem Elternhaus, doch mit unterschiedlicher Sympathie. | ©IMAGO / eu-images

Zwischen Selbstbild und Realität

Auch rein sportlich war die Lage eindeutig und brutal. Teamkollege Mick Schumacher dominierte Mazepin über die Saison hinweg deutlich und kam in 15 von 21 Rennen vor ihm ins Ziel.

Für Mazepin selbst und auch für sein Umfeld jedoch ein Reizthema. Seine Wahrnehmung: Ungleichbehandlung. Die Realität: ein Rookie, der schlicht nicht mithalten konnte. Dass sein Vater Dmitry Mazepin als Geldgeber im Hintergrund stand, machte die Situation nicht einfacher. Im Gegenteil. Der Vorwurf, Mazepin sitze nur wegen Sponsorengeldern im Cockpit, klebte an ihm wie Gummiabrieb am Reifen. Und die Spannungen gingen so weit, dass die Familie laut der Dokumentation sogar mit einem Rückzug aus der Formel 1 drohte. Rund um also ein toxisches Gesamtpaket.

Archivbild 2021: Gleich doppelte Trennung: Vom Sponsor und vom Fahrer. | ©IMAGO / Kolvenbach

Das abrupte Ende und ein bitterer Nachgeschmack

Doch das eigentliche Ende kam nicht auf der Strecke. Denn 2022, kurz vor Beginn seiner zweiten Saison, zog Haas die Reißleine.

Hintergrund war, zumindest ganz offiziell, die russische Invasion in die Ukraine. Das Team trennte sich daher nicht nur von Mazepin, sondern auch vom Hauptsponsor Uralkali. Das offizielle Statement: Man sei „geschockt und betroffen“ und hoffe auf ein friedliches Ende des Konflikts.

Dem jungen Fahrer selbst traf die Entscheidung hart und kalt. Er erfuhr von seiner Entlassung nicht einmal persönlich, sondern über die Pressemitteilung. Sein Vorwurf daher an Steiner: mangelnde Aufrichtigkeit. Man habe sich zuvor „zu 110 Prozent“ auf ihn verlassen können. Bis zu diesem Moment. Ein sauberer Cut sieht wirklich anders aus.

Steht jedoch auch die Frage im Raum, ob es eine rein politische Entscheidung war oder nicht auch die ganzen persönlichen Unstimmigkeiten den Schubser in Richtung Rauswurf gegeben haben.

Archivbild 2023: Nikita „nur“ zu Besuch beim GP von Abu Dhabi. | © Coates / XPB Images

Neustart oder Neudefinition?

Drei Jahre später ist der Russe zurück… zumindest irgendwie.

2025 erklärte er, seine Karriere als Vollzeit-Rennfahrer zu beenden. Eine Aussage, welche dann doch weniger überrascht als alles, was danach kommen sollte.

Denn Mazepin nannte sich jetzt ein „Hybrid Athlet“. Was das bedeutet? Eine Mischung aus allem, was nach Adrenalin klingt. Fünf Wettkämpfe in verschiedenen Sportarten waren geplant.

Darunter: ein Boxkampf im Herbst, Motorradrennen Einsätze in der russischen Buggy-Meisterschaft, Starts im Triathlon. Aber dennoch: auch vereinzelte Renneinsätze schließt er nicht aus. Seine eigene Einordnung klingt fast wie ein Neustart auf Reset: „In diesem Jahr plane ich, an fünf Wettkämpfen in verschiedenen Sportarten teilzunehmen.“

Vom Formel-1-Piloten zum Multi-Sportler. Oder anders gesagt: vom gescheiterten Spezialisten zum suchenden Generalisten.

Was bleibt?

Nikitas Formel-1-Karriere war kurz. Und sie war, nennen wir es freundlich, unerquicklich. Er kam, polarisierte und verschwand schneller, als viele es erwartet hätten.

Doch seine Geschichte ist mehr als nur ein gescheitertes Kapitel. Sie ist ein Lehrstück darüber, was passiert, wenn Talent, Timing und Umfeld nicht zusammenpassen. Wenn Erwartung und Realität auseinanderdriften und wenn man sich in einem System wiederfindet, das keine Geduld hat.

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Lara Wettengel
Lara Wettengel verbindet Motorsport-Leidenschaft mit psychologischer Expertise. Für sie ist die Formel 1 nicht nur ein sportlicher Wettbewerb, sondern ein Hochleistungsraum für mentale Stärke, Präzision und emotionale Kontrolle. Mit ihrem Hintergrund in Psychologie sowie Akkreditierungen im Bereich Stressmanagement und Emotionaler Intelligenz (EQ) bringt sie eine Perspektive ein, die im Motorsport oft unterschätzt wird: die mentale Dimension von Performance. Seit 2026 verstärkt sie die Redaktion von CHAMP1. Für CHAMP1.NEWS verfasst sie News-Artikel, Hintergrundberichte und Analysen zu den zentralen Themen der Formel 1. Perspektivisch bringt sie ihre Expertise zudem in Social-Media-Formate und On-Air-Einordnungen ein. Ihre besondere Stärke liegt darin, sportliche Entwicklungen auch aus psychologischer Sicht zu beleuchten – und verständlich zu machen, was im Kopf der Fahrerinnen und Fahrer über Erfolg oder Niederlage entscheiden kann. Ihr Anspruch: Motorsport in seiner ganzen Intensität auf und neben der Strecke greifbar zu machen – analytisch, fundiert und mit Blick auf die mentale Performance.
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