Der WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg im Jahr 2016 war für den neutralen Formel-1-Fan ein absoluter Traum.
Die beiden früheren besten Freunde wurden immer mehr zu erbitterten Rivalen, bis der „Krieg der Sterne“ in Barcelona eskalierte. Bereits in der ersten Runde kollidierten Hamilton und Rosberg miteinander, das Rennen war für beide gelaufen.
Während die Fans über die unglaubliche Szene staunten, gab es vor allem einen Mann, dem endgültig der Kragen platzte: Toto Wolff.
Nico Rosberg und Lewis Hamilton wurden während ihrer Mercedes-Zeit zu Feinden. © Moy / XPB ImagesWolff ließ Hamilton und Rosberg „feuern“
In einem Interview mit „The Athletic“ verriet der Erfolgs-Teamchef, was nach dem Rennen passierte.
„Ich habe meinen Vorstandsvorsitzenden, Dieter Zetsche, angerufen und gesagt: ‚Hör mal, du musst da was unterschreiben.‘ Und er hat mich zurückgerufen und gefragt: ‚Du entlässt beide Fahrer?‘ Und ich sagte: ‚Ja, denn sonst verstehen sie nicht, wie wichtig es ist, die Interessen der Marke und des Teams über ihre eigenen zu stellen.‘“
„Es war ihre persönliche Rivalität, die die Oberhand gewann. Aus einem gesunden Wettbewerb wurde eine Rivalität, die schließlich in Feindseligkeit umschlug. Und das ist etwas, was ich in der Organisation einfach nicht zulassen würde“, fügte Wolff an und verriet, dass man beiden Fahrern eine E-Mail geschickt und ihnen klargemacht habe, dass sie im Moment „kein Teil des Teams“ seien.
„Am Mittwoch haben wir sie angerufen und gesagt: ‚Kommt morgen vorbei.‘ Und ich sagte: ‚Mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wessen Schuld es war.‘ Denn es ist eine Nuance. Wie alles im Leben ist es nie zu 100 Prozent falsch. Es könnte 50:50 sein. Es könnte 51:49 sein. Es könnte 70:30 sein. Und ich kann das nicht beurteilen. Also habe ich ihnen gesagt: Wenn das noch einmal passiert, muss einer gehen, und vielleicht mache ich dabei einen Fehler. Vielleicht schicke ich den Falschen weg.“
Er machte den Fahrern klar, dass es Leute gäbe, die ihre „Hypotheken abbezahlen müssen und in den Fabriken arbeiten“. Er machte ihnen klar, dass ihr überharter Kampf „Auswirkungen auf das Leben von zweieinhalbtausend Menschen“ habe.
Nico Rosberg krönte sich 2016 zum Weltmeister. © Batchelor / XPB ImagesRosberg wird Weltmeister – und nimmt seinem Teamchef eine Entscheidung ab
Nach dem Spanien‑GP war die Stimmung im Mercedes‑Team so kühl wie nie zuvor. Doch Hamilton und Rosberg hatten die Lektion von Toto Wolff anscheinend verstanden.
Und Rosberg avancierte zum ersten und bislang einzigen Teamkollegen, der Lewis Hamilton in einem Weltmeisterauto schlagen könnte. Nach seinem größten Triumph entschied sich der Deutsche, seine Karriere zu beenden – wohl auch, weil der „Krieg der Sterne“ eine unglaubliche mentale Belastung war.
Hamilton hingegen bekam mit Bottas den perfekten Teamkollegen, mit dem er bis heute befreundet ist. Zusammen konnten beide die Mercedes-Dominanz weiterführen – allerdings deutlich harmonischer.
Auch der Blutdruck von Toto Wolff ist in diesen Jahren wohl deutlich niedriger gewesen. Er wird heute froh sein, dass Hamilton geblieben ist. Vier weitere Fahrer- und fünf weitere Konstrukteurs-Weltmeisterschaften sicherte er dem Team.
Mittlerweile ist der Streit zwischen Rosberg und Hamilton übrigens aus der Welt – beste Freunde werden sie in diesem Leben allerdings wohl nicht mehr.

























