Bleib in Kontakt

Wonach willst du suchen?

Formel 1 News

Kanada-Chaos: Antonelli siegt beim großen Favoritensterben

Formel-1-Chaos in Kanada! Kimi Antonelli siegt beim Favoritensterben vor Hamilton und Verstappen. Alle Highlights zum Mercedes-Drama und McLaren-Debakel.

©IMAGO / Every Second Media

Das erwartete Regenchaos blieb beim großen Preis von Kanada zwar aus, und trotzdem beschreibt heute nur ein einziges Wort den Sonntag auf dem Circuit Gilles-Villeneuve: Chaos. Das Rennen war geprägt von Crash, technischen Ausfällen und einer ganzen Flut an Fahrer-Vergehen. Am Ende siegte Kimi Antonelli vor einem starken Lewis Hamilton und Max Verstappen.

Antonelli siegte nun zum vierten Mal in Folge. | ©IMAGO / MAXPPP

Das Mercedes-Drama geht weiter: Russell hat Pech, Antonelli profitiert

Mercedes machte es von Anfang an spannend: Trotz der noch leicht feuchten Strecke entschied sich das Team, beide Fahrer auf weichen Reifen (Softs) ins Rennen zu schicken. Doch noch bevor die roten Ampeln erloschen, sorgte Antonelli für einen Schreckmoment: Er legte einen Fehlstart hin. Ex-Formel-1-Rennleiter und RACE CONTROL-Experte Niels Wittich klärte bei Sky jedoch direkt auf: Die roten Lichter waren seiner Auffassung nach viel zu lange an, was den verfrühten Start von Antonelli auslöste. Die Konsequenz: Die Rennleitung ordnete eine neue und schließlich sogar noch eine dritte Einführungsrunde (Formation Lap) an.

Der eigentliche Start lief für die beiden Mercedes-Piloten trotz der Soft-Reifen schlecht. Pole-Stetter George Russell und Antonelli hatten massiven Wheelspin und kamen kaum von der Stelle. Das spielte Lando Norris in die Karten, der von Startplatz drei gleich in Kurve 1 an den Silberpfeilen vorbeischoss und die Führung übernahm.

Nachdem Norris in Runde 2 die Box ansteuerte, holte sich Russell die Führung zurück. Danach folgten rund 28 Runden pures Racing. Russell und Antonelli kämpften hart, aber fair. Es gab mehrere Führungswechsel, bis Antonelli seinen Teamkollegen in Runde 6 fast abräumte: Russell schob sich an Antonelli vorbei und machte die Tür zu. Kimi Antonelli fuhr Russell daraufhin fast ins Heck – ein Crash hätte vermutlich das Rennen für beide Silberpfeile beendet.

In Runde 30 fand das teaminterne Duell ein abruptes Ende: Der in Führung liegende Russell rollte plötzlich aus und blieb auf der Strecke stehen. Seiner Wut ließ er freien Lauf: Frustriert ward er seine Kopfstütze (Headrest) aus dem Auto auf die Strecke und schlug wütend auf das Lenkrad. Russell, der in Kanada in der Fahrer-WM erstmals wieder wertvolle Punkte auf Antonelli hätte gutmachen können, ging komplett leer aus. Die Ursache für den Ausfall ist noch etwas schwammig – sein Auto schaltete sich einfach ab. Laut SkyUK-Reporter Ted Kravitz sorgte ein Batterieproblem für den Ausfall von George Russell.

Zudem steht er nun unter Beobachtung der Stewards, weil er die Kopfstütze auf die Strecke geworfen hat. Fahrer müssen ihr Auto bei einem Ausfall komplett hinterlassen, um den Streckenposten (Marshalls), die sich mit der Technik oft nicht auskennen, die Bergung zu erleichtern.

Damit war der spannende Mercedes-Kampf vorbei und der Weg frei für Kimi Antonelli. Mit über zehn Sekunden Vorsprung fuhr er vor dem Zweitplatzierten Lewis Hamilton einen ungefährdeten Sieg nach Hause.

Schwarzer Sonntag für McLaren

Ein eigentlich solides Wochenende fand für McLaren am Sonntag ein jähes Ende. Lando Norris konnte sowohl im Sprint als auch im Qualifying problemlos mit den Mercedes mithalten, während sich Oscar Piastri das gesamte Wochenende über schwertat.

Den Sonntag vermasselte sich McLaren in erster Linie selbst: Das Team entschied, beide Fahrer trotz nur minimalen Restregens auf Intermediate-Reifen ins Rennen zu schicken. Während der drei Einführungsrunden bettelte Oscar Piastri schon fast darum, in die Box kommen zu dürfen, um auf Slicks zu wechseln – doch das Team hört nicht auf ihn. So kam es beim Start, wie es kommen musste: Für Piastri ging es direkt rückwärts, sodass ihn das Team nach nur einer Runde zum Wechsel auf Medium-Reifen hereinholte. Lando Norris gewann zwar den Start, wurde aber nach zwei Runden von den Mercedes-Piloten eingeholt und musst ebenfalls in die Box, um die Regenreifen loszuwerden.

Nach zwei Runden gab McLaren die Intemediate-Strategie auf. | ©F1/X

Damit landeten beide McLaren am Ende des Feldes und mussten sich mühsam nach vorne kämpfen – der Super-GAU für die Strategieabteilung. Auch alle anderen Fahrer, die auf Intermediates gestartet waren, kamen nach Runde 2 an die Box. Interessant war dazu die Aussage von Teamchef Andrea Stella: Er war der Meinung, dass die Strategie aufgegangen wäre, wenn der Start beim ersten Versuch direkt geklappt hätte.

Das Elend riss jedoch nicht ab. Während sich Norris in wenigen Runden wieder in Richtung der Punkteränge vorkämpfte, fand Oscar Piastri überhaupt nicht zurück ins Rennen. In Runde 14 lief Piastri auf Alexander Albon auf. Er setze in der Sptzkehre zum Überholmanöver an, verschätzte sich jedoch völlig und krachte frontal in Albons Williams. Für Albon war das Rennen an Ort und Stelle beendet. Piastei beschädigte sich den Frontflügel, musste erneut zum Wechsel an die Box und fiel wieder ans Ende des Feldes zurück. Für das Verursachen der Kollision brummten ihm die Stewards zudem eine 10-Sekunden-Strafe auf, die er am Ende des Rennens absaß. Mehr als Platz 11 war für den Australier nicht mehr drin – die Punkte blieben außer Reichweite.

Noch bitterer erwischte es den amtierenden Weltmeister Lando Norris. Nach einer rasanten Aufholjagd holte ihn das Team wegen Reifenproblemen erneut an die Box, wodurch er auf Platz 14 zurückfiel. Norris startete eine weitere Jagd durch das Mittelfeld, bis in Runde 40 das Getriebe seines McLarens den Geist aufgab. Damit beendete McLaren das nach schweren eigenen Fehlern mit einer bitteren Nullrunde.

Ferrari und Red Bull profitieren von Ausfällen

Die Ausfälle von Lando Norris und George Russell sowie das verkorkste Rennen von Oscar Piastri spielten vor allem Lewis Hamilton und Max Verstappen in die Karten.

Hamilton, der sich schon sehr früh im Rennen auf Platz drei abgesetzt hatte, fuhr lange Zeit ein einsames Rennen – genau wie Verstappen. Zwischenzeitlich schaffte es der Red-Bull-Pilot zwar, an Hamilton vorbeizugehen, doch der Brite gab nicht auf. Rund zehn Runden vor Schluss lieferten sich über mehrere Runden ein packendes Duell um Platz 2. In Runde 62 gelang Hamilton schließlich das entscheidende Manöver. Er ließ Verstappen hinter sich und brachte den zweiten Platz ins Ziel.

Hamilton und Verstappen lieferten sich einen spannenden Kampf um Platz 2. | ©Moy / XPB Images

Das Podium ist für Hamilton die bisher beste Platzierung in seiner noch jungen Ferrari-Ära. Für Max Verstappen ist der dritte ebenfalls das bisherige Highlight in einer für ihn bislang schwierigen Saison.

Große Überraschungen in den Punkterängen

Neben den Top-Teams gab es im Mittelfeld weitere große Profiteure des Favoritensterbens. Franco Colapinto erreichte mit einem starken 6. Platz erneut sein bestes Karriereergebnis. Sein Teamkollege Pierre Gasly beendete seine kleine Durststrecke und fuhr auf den 8. Platz – ein riesiger Erfolg für das Alpine-Team.

Franco Colapinto befindet sich zur Zeit ins Top-Form. | ©Batchelor / XPB Images

Auch Liam Lawson überraschte mit einem starken 7. Platz und sicherte wertvolle Punkte für die Racing Bulls, die das gesamte Wochenende über eine starke Performance zeigten. Carlos Sainz kam auf Platz 9 ins Ziel, sicherte damit zwei weitere Zähler für das Williams-Team und baute seine teaminterne Führung gegen Alexander Albon weiter aus – auch wenn Albon das Rennen heute völlig unverschuldet vorzeitig beenden musste.

Selbst für das eigentlich schwächelnde Haas-Team zahlten sich die vielen Ausfälle an der Front aus: Oliver Bearman rettete sich auf Platz 10 ins Ziel und staube den letzten WM-Punkt ab.

Technische Defekte wirbeln das Feld durcheinander

Neben Lando Norris und George Russell wurden noch zahlreiche weitere Fahrer vom Technik-Pech heimgesucht.

Schon vor dem eigentlichen Start machte das erste Auto schlapp: Nach der ersten Einführungsrunde und dem Startabbruch rollte das Feld in die zweite Formation Lap. Doch Rookie Arvid Lindblad blieb stehen und funkte verzweifelt an die Box, dass er keinen Gang mehr einlegen könne. Für ihn war das Rennen vorbei, bevor es überhaupt begonnen hatte. Da die Marshalls seine Boliden über die halbe Start.Ziel-Gerade zurück in die Boxengasse schieben mussten, ordnete die Rennleitung die bereits erwähnte dritte Einführungsrunde an. Das Team schaffte es nicht mehr, das Auto rechtzeitig fahrbereit zu bekommen.

Für Fernando Alonso war Kanada ebenfalls ein erneutes Wochenende zum Vergessen. Nachdem er bereits den Sprint am Samstag vorzeitig aufgeben musste, war für den Spanier heute nach nur 27 Runden Schluss. Probleme mit seinem Rennsitz machten eine Weiterfahrt unmöglich. Dem Aston-Martin-Piloten droht zudem noch Ärger: Wegen des mutmaßlichen Ignorieren einer gelben Flagge steht eine Entscheidung der Stewards noch aus.

Auch für Cadillac lief der Sonntag alles andere als optimal. In Runde 43 befand sich Sergio Pérez gerade auf dem Weg an die Box, als ihm plötzlich die vordere Radaufhängung wegbrach. Das Team erklärte kurz darauf in einem offiziellen Statement, dass die Aufhängung zuvor keinen Schaden erlitten hatte und schlichtweg aus dem Nichts gebrochen war. Pérez schleppte sich zwar noch an die Box, dort war das Rennen für ihn jedoch vorbei. Valtteri Bottas erlebte derweil ein komplett unauffälliges Rennen am Ende des Feldes. Offenbar hatte es der Finne dennoch eilig: Er wurde mit überhöhter Geschwindigkeit in der Boxengasse geblitzt und kassierte eine 5-Sekunden-Strafe, die an seiner ohnehin abgeschlagenen Platzierung aber nichts mehr änderte.

Isack Hadjar ist der Glückspilz des Rennens

Red Bull-Pilot Isack Hadjar erlebte trotz eines starken 5. Platzes eines extrem wildes Renne. Zwischenzeitlich auf Rang vier liegend, wurde der Franzose von Charles Leclerc attackiert. Hadjar war die Tür gleich doppelt zu und wechselte vor dem heranstürmenden Ferrari regelwidrig mehrfach in die Richtung, um das Überholmanöver zu verhindern. Die Stewards bestraften diese gefährliche Fahrweise prompt mit einer 10-Sekunden-Strafe.

Hadjar kam nochmal mit einem blauen Auge davon. | ©Price / XPB Images

Damit nicht genug: Hadjar missachtete später auch noch eine gelbe Flagge und handelte sich damit eine der härtesten Strafen im Motorsport ein – eine Stop-and-Go-Strafe. Doch wie durch ein Wunder blieben beide Strafen für den Franzosen ohne sportliche Konsequenzen. Da sein Vorsprung auf den Hintermann Franco Colapinto komfortable 50 Sekunden betrug, kam hadjar selbst nach dem Absitzen beider Strafen noch mit über zehn Sekunden Vorsprung vor dem Argentinier ins Ziel. Glück im Unglück.

Hülkenberg erneut punktlos

Für den deutschen Nico Hülkenberg lief der Große Preis von Kanada ebenfalls enttäuschend. Dabei verlief der Start dieses Mal ausnahmsweise gut und er verlor keine Positionen. Doch schon kurz nach dem Start gab es die erste Meldung der Stewards: Hülkenberg und Lawson wird vorgeworfen, sich bei der Startaufstellung außerhalb der sogenannten Safety-Line positioniert zu haben – dafür bekam Nico Hülkenberg eine verpflichtende Stop-and-Go-Strafe, die bis zum Saisonende auf Bewährung ausgesetzt wurde. Unabhängig davon kam Hülkenberg nicht ungeschoren davon: Auch er war in der Boxengasse zu schnell unterwegs und fing sich eine 5-Sekunden-Strafe ein- Das Rennen endete für ihn auf dem enttäuschenden 12. Platz.

Sein Teamkollege Gabriel Bortoleto steht ebenfalls doppelt im Fokus der Stewards: Ihm wurde zum einem das Verlassen der Strecke mit dem Erlangen eines Vorteils in Kurve 13 vorgeworfen, zum anderen bekam er eine 5-Sekunden Strafe wegen Nicht-Einhaltung der Delta-Zeit während einer virtuellen Safety-Car-Phase.

Das Rennergebnis im Überblick (nach Strafen)

FahrerTeamAbstand
Kimi AntonelliMercedes1:28:15.758
Lewis HamiltonFerrari+10.768
Max VerstappenRed Bull+11.276
Charles LeclercFerrari+44.151
Isack Hadjar Red Bull+1 Runde
Franco ColapintoAlpine+1 Runde
Liam LawsonRacing Bulls+1 Runde
Pierre GaslyAlpine+1 Runde
Carlos SainzWilliams+1 Runde
Oliver BearmanHaas+1 Runde
Oscar Piastri McLaren+2 Runden
Nico HülkenbergAudi+2 Runden
Gabriel BortoletoAudi+2 Runden
Esteban OconHaas+2 Runden
Lance StrollAston Martin+4 Runden
Valtteri BottasCadillac+4 Runden
Segio Pérez CadillacDNF
Lando NorrisMcLarenDNF
George RussellMercedesDNF
Fernando AlonsoAston MartinDNF
Alexander AlbonWilliams DNF
Arvid Lindblad Racing BullsDNS

Quelle: Formula 1

author avatar
Chantal Reinhard
Chantal Reinhard ist Redakteurin und Interviewerin bei CHAMP1. Sie studiert Journalismus und Public Relations und berichtet für CHAMP1 NEWS über aktuelle Entwicklungen in der Formel 1. Ihr Fokus liegt auf Recherche, internationaler Presseschau und der journalistischen Aufbereitung komplexer Themen – präzise, verständlich und faktenbasiert.
Werbung

Mai, 2026

Neueste Champ1 News Folgen

©IMAGO / PsnewZ

Champ1 News (Video)

Riesen-Überraschung beim F1-Qualifying in Kanada: George Russell schnappt sich die Pole vor Kimi Antonelli. Dahinter lauern die McLaren.

©IMAGO / Every Second Media / Ferrari / XPB Images

Champ1 News (Video)

Lewis Hamilton beendet in Montreal die Rücktritts-Gerüchte mit einer klaren Ansage, Max Verstappen kündigt nach dem Nürburgring-Drama seine Rückkehr auf die Nordschleife an und...

©IMAGO / ZUMA Press Wire / HochZwei / Depositphotos

Champ1 News (Video)

Sieben Jahre nach seinem Tod erinnert sich die Formel 1 weiter an Niki Lauda – als Weltmeister, Überlebenden, Mercedes-Macher und vielleicht größten Charakter des...

©IMAGO / speedshot / PsnewZ / Getty Images / Red Bull

Champ1 News (Video)

Max Verstappen stand beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring kurz vor dem Gesamtsieg – doch ein technischer Defekt zerstörte den Traum wenige Stunden vor Schluss....

©IMAGO / PsnewZ / XPB Images

Champ1 News (Video)

Fernando Alonso will seine Formel-1-Zukunft erst im Sommer entscheiden – und plötzlich klingt ein Verbleib über 2026 hinaus wieder realistischer. Gleichzeitig endet bei Sebastian...

Weitere Artikel

Wochenrückblick

In dieser Woche wurden in der Formel 1 vor allem Personalfragen diskutiert. Zwei tragische Verluste prägen außerdem die Schlagzeilen.

Champ1 News (Video)

Riesen-Überraschung beim F1-Qualifying in Kanada: George Russell schnappt sich die Pole vor Kimi Antonelli. Dahinter lauern die McLaren.

Formel 1 News

Russell gewinnt den Sprint – doch der Haussegen bei Mercedes hängt schief. Norris profitiert vom teaminternen Streit. Alles zum Sprint in Kanada.

Formel 1 News

Murmeltier-Crash, Boxengassen-Drama und eine Überraschung an der Spitze! In Kanada ging es drunter und drüber.