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„Absolutes No-Go“: Wittich zerlegt FIA wegen Ferrari-Strafe

Ex-Rennleiter Niels Wittich stellt seinen ehemaligen Arbeitgeber wegen der Ferrari-Strafe an den Pranger. Ist Sicherheit in der heutigen Formel 1 käuflich?

©IMAGO / Beautiful Sports / XPB Images

Lewis Hamilton fuhr bei seinem Boxenstopp in Spa einen seiner Mechaniker an. Glücklicherweise blieb der Mechaniker unverletzt. Die Stewards entschieden sich nach reichlicher Überlegungszeit gegen eine Strafe für den Fahrer, aber für eine Bestrafung des Team. Ex-Rennleiter Niels Wittich wettert in Race Control gegen die Entscheidung seines alten Arbeitgebers.

Hintergrund der Strafe

In der ersten Runde des Rennens kollidierte Hamilton mit seinem ehemaligen Teamkollegen George Russell und schickte ihn mit der Berührung ins Kiesbett. Die Stewards werteten dies nicht als ‘First Lap Incident’ und brummten dem Ferraripiloten eine Fünf-Sekunden-Strafe auf. Im Verlauf des Rennens entschied sich Ferrari beide Autos gleichzeitig zu einem Double Stack-Boxenstopp reinzuholen. Leclerc kam zuerst, dann Hamilton. Nachdem die Strafe abgesessen wurde und die Reifen gewechselt waren, passierte es: Aufgrund einer Misskommunikation innerhalb des Teams fuhr Hamilton schon los, obwohl ein Mechaniker noch nicht bereit war.

Nach dem Rennen untersuchte man zunächst Hamilton wegen eines Unsafe Release. Jedoch entschieden die Stewards von einer Strafe gegen den Fahrer abzusehen und straften im Gegenzug das Team mit einer Geldstrafe. Ferrari muss 30,000€ zahlen, davon sind 10,000€ zur Bewährung ausgesetzt unter der Voraussetzung, dass ein solcher Unfall in den nächsten 12 Monaten nicht nochmal passiert. Zusätzlich muss Ferrari binnen 14 Tagen einen Bericht vorlegen, der belegt, dass sie die Sicherheitsbedingungen der Mechaniker während eines Boxenstopps verbessert haben. Für Niels Wittich stößt diese Entscheidung auf absolutes Unverständnis.

Wittich: Sicherheit darf nicht käuflich sein

Für den ehemaligen Rennleiter ist die Sache ganz klar: Die FIA traf hier eine Fehlentscheidung. Seine Begründung fällt ebenso deutlich aus: „Wenn man Sicherheit für Geld kaufen kann im Rennen, dann ist irgendwas schief gelaufen im Sport.“

Beide Autos innerhalb eines Boxenstopps abzufertigen braucht viel Übung und Konzentration. Wenn der Double Stack funktioniert – super; aber durch zu viel Stress in der Situation kann es zu Fehlern kommen, erklärte Wittich. Bei solchen Fehlern schadet man dem Team mehr, wenn man den Fahrer bestraft anstelle einer allgemeinen Geldstrafe auszusprechen.

Ferrari hat sich dazu entschieden, beide Fahrzeuge gleichzeitig abzufertigen, das ist eine Teamentscheidung, das müssen die ausmachen. Und wenn es klappt, oder wenn das in zu viel Stress für das Team ausartet, dann ist es eine Entscheidung, die das Team getroffen hat. Und wenn es dann schiefgeht, kann man nur den Fahrer bestrafen, um dem Team quasi eine Strafe zuzufügen.

Für Wittich ist es hier Auslegungssache. Man könne die Sache aus so sehen: Wenn Teams wissen, dass es für solche Unfälle im Rennen nur eine Geldstrafe gibt, könnte man diese als sportlichen Vorteil nutzen und am Ende immer noch Weltmeister werden. Im Qualifying sähe das wieder anders aus, da hätte man keinen Vorteil daraus ziehen können, behauptete der Ex-Rennleiter.

Das Team hat dort einen Fehler gemacht und es ist absolut falsch, das mit einer Geldstrafe zu bewerten, weil, wenn ich jetzt mal ganz ehrlich sage, wenn ein Team dadurch einen Vorteil hätte und würde jedes Rennen 30.000 € Strafe zahlen, ist aber am Ende Weltmeister, dann würde das Team das machen, weil es ein sportlicher Vorteil ist.

Wäre es anders gekommen, wenn es diese Kollision nicht gegeben hätte? | © IMAGO / Beautiful Sports

Niels Wittich zog ein hartes Fazit:

Das ist für mich ein absolutes No-Go. Ein sportlicher Sicherheitsverstoß kann nicht mit einer Geldstrafe geahndet werden, nicht im Rennen.

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Laura Schanz
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