Heftiger Regen, eine abgebrochene Startprozedur, ein folgenschwerer Softwarefehler der FIA und ein Rennen voller Strategie- und Safety-Car-Chaos: Der Große Preis von Bahrain in Malaysia hatte nahezu alles zu bieten. Max Verstappen feiert am Ende seinen ersten Saisonsieg und den ersten Erfolg von Red Bull Ford, während Mercedes mit einem gescheiterten Update und George Russells Ausfall einen schweren Rückschlag erlebt. Marc Surer analysiert in RACE CONTROL die wichtigsten Themen eines außergewöhnlichen Sonntags in Sepang.
Schon bevor überhaupt um Positionen gekämpft wurde, entwickelte sich der Sonntag in Malaysia zu einem der ungewöhnlichsten Rennereignisse des Jahres. Ein heftiges Gewitter sorgte zunächst für eine lange Verzögerung, anschließend legte ein Softwareproblem mehrere Autos lahm und zwang die Rennleitung zum Abbruch der Startprozedur.
Als das Rennen schließlich begann, folgten Reifenpoker, Safety-Car-Phasen, technische Defekte und einige spektakuläre Zweikämpfe. Am Ende stand Max Verstappen ganz oben – zum ersten Mal in dieser Saison.
FIA-Software legt Autos lahm – Surer spricht von „Armutszeugnis“
Rund 40 Minuten vor dem ursprünglich geplanten Start setzte in Sepang heftiger Regen ein. Die Strecke stand innerhalb kürzester Zeit unter Wasser, begleitet von starkem Wind, Donner und Blitzen.
Marc Surer hält es grundsätzlich für richtig, dass unter diesen Bedingungen zunächst nicht gefahren wurde. Die Gischt habe praktisch keine Sicht zugelassen. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Rennleitung möglicherweise etwas zu lange wartete, bevor es schließlich weiterging.
Das eigentliche Chaos begann jedoch erst danach.
Während der Einführungsrunde verloren mehrere Autos plötzlich massiv Leistung. Verstappen meldete, nicht mehr beschleunigen zu können, auch Hamilton und mehrere Fahrzeuge mit Ferrari-Antrieb wurden extrem langsam. Die Reihenfolge zerfiel komplett, schließlich wurde die Startprozedur mit der roten Flagge abgebrochen.
Die Ursache: ein Fehler in einer von der FIA vorgegebenen Software für das Energiemanagement bei nasser Strecke. Diese reduziert im Regen unter anderem die elektrische Leistung. Unter bestimmten Bedingungen schalteten die Autos jedoch unbeabsichtigt in einen Notlaufmodus.
Die FIA veröffentlichte anschließend ein Software-Update, das noch vor dem Rennstart an die Teams verteilt wurde.
Surer fand dafür deutliche Worte:
„Es ist ein Armutszeugnis. Die Formel 1 ist einfach zu kompliziert mit dem jetzigen Reglement.“
Grundsätzlich sieht der frühere Formel-1-Pilot die aktuelle technische Ausrichtung kritisch. Für ihn ist die Königsklasse inzwischen zu stark von Batterie- und Softwaremanagement abhängig. Die Fahrer müssten wieder stärker selbst bestimmen können, wann und wie sie Leistung einsetzen.
©XPB ImagesFerrari verzockt sich bei der Reifenwahl
Als das Rennen endlich begann, wurde die Reifenwahl zur nächsten großen Lotterie.
Verstappen, Russell und Hadjar setzten auf Intermediate-Reifen. McLaren versuchte es zunächst mit Slicks, korrigierte die Entscheidung bei Oscar Piastri aber noch kurzfristig. Ferrari ging dagegen maximal ins Risiko und schickte sowohl Lewis Hamilton als auch Charles Leclerc auf Soft-Reifen ins Rennen.
Das ging zunächst gründlich schief.
Leclerc musste bereits in Runde vier auf Intermediates wechseln und fiel weit zurück. Hamilton blieb länger auf den Slicks und rutschte zwischenzeitlich bis auf Rang 17 ab.
Surer sieht vor allem einen grundlegenden strategischen Fehler: Ferrari hätte zumindest die Strategien beider Fahrer aufteilen müssen. Zudem habe das Team die extrem hohe Luftfeuchtigkeit in Malaysia unterschätzt. Dadurch trocknete die Strecke deutlich langsamer, als Ferrari offenbar erwartet hatte.
Hamilton kämpfte sich später dennoch eindrucksvoll zurück und wurde Dritter. Besonders beeindruckt zeigte sich Surer davon, wie lange der Brite auf Slicks auf der noch feuchten Strecke konkurrenzfähig blieb.
Seiner Einschätzung nach wäre für Hamilton mit einer besseren Anfangsstrategie sogar Platz zwei möglich gewesen. Verstappen sei an diesem Tag allerdings kaum zu schlagen gewesen.
©Getty Images / Red BullVerstappen feiert ersten Saisonsieg – Red Bull Ford schreibt Geschichte
Max Verstappen musste zu Rennbeginn zunächst Positionen abgeben, arbeitete sich anschließend aber wieder nach vorne.
Zu den Höhepunkten gehörte sein Überholmanöver gegen Kimi Antonelli. Verstappen setzte sich außen neben den Mercedes und brachte sich dadurch für die folgende Linkskurve auf die bessere Linie.
Surer lobte die Vorbereitung ausdrücklich:
„Gut geplant, clever gemacht, Hut ab!“
Am Ende gewann Verstappen den Grand Prix und feierte damit seinen ersten Saisonsieg 2026 sowie seinen 72. Karriereerfolg.
Gleichzeitig war es der erste Formel-1-Sieg von Red Bull Ford. Der vorherige Sieg eines Ford-betriebenen Autos lag mehr als zwei Jahrzehnte zurück.
Für Surer ist der Erfolg ein deutliches Signal, dass Red Bull sportlich wieder auf dem richtigen Weg ist.
„Red Bull ist wieder vorne dabei, Max Verstappen gewinnt wieder, die Formel 1 ist wieder in Ordnung.“
Einen großen Anteil schreibt er Teamchef Laurent Mekies zu. Anders als Christian Horner komme Mekies aus dem technischen Bereich und könne deshalb die verschiedenen Entwicklungsideen der Ingenieure besser bewerten und zusammenführen.
Surer glaubt, dass genau diese technische Führung entscheidend dazu beigetragen habe, Red Bull wieder zu einem Siegerteam zu machen.
©XPB ImagesMercedes-Update floppt – Russell fällt aus
Für Mercedes verlief das Wochenende dagegen enttäuschend.
Das Team brachte ein umfangreiches Update mit sieben überarbeiteten Komponenten nach Malaysia. Toto Wolff hatte bereits nach dem Qualifying erklärt, dass die Neuerungen eigentlich mehrere Zehntelsekunden bringen sollten – tatsächlich sei das Auto jedoch eher langsamer geworden.
Im Rennen kam der nächste Rückschlag: George Russell musste seinen Mercedes während einer Safety-Car-Phase mit einem technischen Defekt abstellen. Sein Rückstand auf WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli wuchs dadurch auf 84 Punkte.
Für Surer ist der WM-Kampf Russells damit faktisch beendet.
Gleichzeitig relativiert er die Kritik am Update etwas. Mercedes habe das Auto aus seiner Sicht nicht zwingend verschlechtert – der erhoffte Fortschritt sei lediglich ausgeblieben. Red Bull habe dagegen einen echten Schritt gemacht.
Vor dem Sprint-Wochenende in Singapur steht Mercedes nun vor einer schwierigen Entscheidung. Nur ein Freies Training bleibt, um das Auto abzustimmen.
Surer würde deshalb für Singapur eher auf das bewährte Paket zurückgehen, statt ein schwer einschätzbares Update weiterzuentwickeln.
©Sky Sport F1Norris entgeht beinahe der nächsten Kontroverse
Eine Woche nach seiner heftigen Kritik an Franco Colapinto geriet Lando Norris selbst in eine brenzlige Situation.
Während der Safety-Car-Phase wärmte Norris seine Reifen auf, verlor dabei den Anschluss und beschleunigte anschließend wieder. Dabei übersah er offenbar, dass die Autos vor ihm deutlich langsamer fuhren.
Um nicht auf seinen eigenen Teamkollegen aufzufahren, musste Norris nach links ausweichen und durch das Kiesbett fahren.
Surer bezeichnete die Szene als „peinliche Geschichte“ und stellte klar:
„Das darf einfach nicht vorkommen.“
Die FIA sprach allerdings lediglich eine Verwarnung aus. Eine Zeit- oder Startplatzstrafe gab es nicht.
©XPB ImagesAntonelli erneut stark – mögliche Mercedes-Teamorder?
Kimi Antonelli wurde am Ende Zweiter und baute damit seine WM-Führung weiter aus.
Während des Rennens kam es dabei zu einer interessanten Situation mit George Russell. Nachdem Antonelli schneller geworden war, fragte Russells Renningenieur auffällig früh nach dem Zustand seiner Reifen. Kurz darauf ging Antonelli an seinem Teamkollegen vorbei.
Surer hält es durchaus für möglich, dass es sich dabei um einen internen Mercedes-Code handelte – eine elegante Form der Teamorder, ohne ausdrücklich zu funken, Russell solle Antonelli vorbeilassen.
Antonelli liegt nach Malaysia inzwischen 84 Punkte vor Russell und sogar 106 Zähler vor Hamilton.
Alonso überrascht – Aston Martin plötzlich konkurrenzfähig
Auch Fernando Alonso gehörte zu den positiven Überraschungen.
Der Spanier wurde Achter und erzielte damit sein bestes Saisonergebnis. Besonders sein Überholmanöver gegen Arvid Lindblad beeindruckte Surer.
Gleichzeitig wirft die Leistung neue Fragen auf. Noch in Baku war Aston Martin auf den Geraden extrem langsam, nur eine Woche später konnte Alonso plötzlich einen Racing Bull überholen.
Für Surer ist deshalb entscheidend, ob Aston Martin überhaupt selbst verstanden hat, warum das Auto in Malaysia plötzlich besser funktionierte. Genau daran hat er Zweifel.
Alonso hatte erst wenige Tage zuvor seinen Vertrag verlängert. Surer sieht darin grundsätzlich die logischste Lösung, glaubt aber weiterhin, dass Aston Martin technisch noch längst nicht alle Probleme im Griff hat.
©XPB ImagesOcon-Aus bei Haas: Surer wenig überrascht
Auch Esteban Ocons Zukunft war erneut Thema.
Haas hat inzwischen offiziell bestätigt, dass der Franzose das Team nach Saisonende verlassen wird. Ocon selbst betont weiterhin, dass er in der Formel 1 bleiben möchte und seine Leistung nicht der Grund für die Trennung gewesen sei.
Surer zeigt sich vom Haas-Aus allerdings kaum überrascht.
Seiner Einschätzung nach lag Ocon über längere Zeit regelmäßig hinter seinem Teamkollegen und sei deshalb sportlich meist nur die zweite Wahl gewesen.
Ganz abgeschrieben sieht er ihn dennoch nicht. Sollte kurzfristig irgendwo ein Fahrer benötigt werden, könne Ocon als erfahrener und aktuell aktiver Ersatzmann durchaus wieder eine Chance bekommen.
Auch Cadillac bezeichnete Surer als grundsätzlich denkbare Option – sollte dort tatsächlich ein Cockpit frei werden.
Ausblick auf Singapur: Surer setzt auf Russell
Nach Malaysia geht es direkt weiter nach Singapur – und erneut könnte Regen eine Rolle spielen.
Surer setzt im CHAMP1-Tippspiel diesmal auf George Russell. Seine Begründung: Die vielen 90-Grad-Kurven des Stadtkurses könnten dem Mercedes-Piloten entgegenkommen.
Für Red Bull sieht er dagegen genau dort eine mögliche Schwäche. Schon in Baku habe Verstappen in den engen 90-Grad-Passagen teilweise Zeit verloren.
Zusätzlich erwartet Surer in Singapur wieder jede Menge Zwischenfälle:
„Wer einen Fehler macht, hat ein Rad ab.“
Alle Analysen zum FIA-Software-Chaos, Verstappens historischem Sieg, Ferraris Reifen-Poker, Mercedes’ gescheitertem Update, Norris’ Beinahe-Crash und den weiteren Themen des Bahrain-GP in Malaysia gibt es in der vollständigen Ausgabe von RACE CONTROL mit Marc Surer.
Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt.































