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RACE CONTROL

Surer nach nächster FIA-Panne: „Big Brother im extremsten Ausmaß“ – Verstappen siegt, Norris räumt Piastri ab

Nach dem Software-Chaos von Malaysia leistet sich die FIA in Singapur die nächsten Fehler – für Marc Surer ist die elektronische Einflussnahme inzwischen „Big Brother im extremsten Ausmaß“. Dazu analysiert der CHAMP1-Experte Verstappens historischen Sieg, den McLaren-Crash zwischen Norris und Piastri, Russells nächste Pleite und Hamiltons folgenschweren Ferrari-Fehler.

©IMAGO / Getty Images / Red Bull / Ferrari / FIA

Nur eine Woche nach dem Software-Chaos von Malaysia leistet sich die FIA in Singapur die nächsten folgenschweren Fehler. Marc Surer kritisiert in RACE CONTROL die zunehmende elektronische Einflussnahme der Rennleitung scharf. Sportlich feiert Max Verstappen bei seinem 250. Grand Prix einen historischen Sieg, während Lando Norris mit Oscar Piastri kollidiert, George Russell erneut ein Wochenende zum Vergessen erlebt und Lewis Hamilton Ferrari ein mögliches Doppelpodium kostet.

Nach Malaysia sollte in Singapur eigentlich wieder der Sport im Mittelpunkt stehen. Stattdessen sorgten bereits im Sprintqualifying fehlerhafte Zeitdaten und ein falsch gesteuerter Overtake Mode für neue Diskussionen über die FIA.

Auf der Strecke lieferte Max Verstappen anschließend eines seiner stärksten Wochenenden der Saison: Sprintpole, Sprintsieg, Poleposition und schließlich der erste Singapur-Sieg seiner Karriere. Dahinter hinterließen gleich mehrere Konkurrenten reichlich Gesprächsstoff.

Surer zerlegt FIA nach nächstem Software-Chaos

Schon im ersten Abschnitt des Sprintqualifyings ging einiges schief. Gabriel Bortoleto wurde zunächst nur auf Rang 18 geführt, später aber im offiziellen Klassement auf Platz elf korrigiert.

Noch gravierender war die Situation nach der Roten Flagge wegen Sergio Perez. Beim Neustart wurde der Overtake Mode zunächst nicht aktiviert. Als die FIA den Fehler bemerkte, schaltete sie die zusätzliche Leistung gerade einmal für 27 Sekunden frei – mit der Folge, dass ein Teil des Feldes zeitweise über mehr Leistung verfügte als andere Fahrer. Die FIA räumte später einen menschlichen Fehler ein. 

Für Marc Surer ist damit die sportliche Chancengleichheit unmittelbar betroffen.

Der CHAMP1-Experte kritisierte vor allem grundsätzlich, dass Teams die Einstellungen ihrer Autos während der Fahrt nicht aus der Box heraus verändern dürfen, die FIA aber sehr wohl direkten Einfluss auf bestimmte elektronische Funktionen nehmen kann.

Surer wurde dabei ungewöhnlich deutlich:

„Das heißt, es ist Big Brother im extremsten Ausmaß.“ 

Die heutige Formel 1 sei aus seiner Sicht schlicht zu kompliziert geworden. Dass nach dem Malaysia-Debakel nur wenige Tage später erneut derartige Fehler auftreten, hält er angesichts der Milliardenbudgets und der minimalen Zeitabstände zwischen den Teams für kaum akzeptabel.

Sein Fazit nach den vergangenen Wochen fiel entsprechend knapp aus: „Drei Rennen hintereinander tun der FIA nicht gut.“ 

©Mercedes AMG F1

Antonelli ohne Strafe – Surer fordert mehr Konstanz

Auch die Entscheidungen der Stewards sorgten für Diskussionen.

Kimi Antonelli verließ während des Rennens insgesamt viermal die Strecke. Normalerweise wäre beim vierten Verstoß eine Fünf-Sekunden-Strafe fällig gewesen. Die Rennleitung verzichtete darauf, weil der entscheidende Verstoß auf Bremsprobleme zurückgeführt wurde und Antonelli keinen Vorteil daraus gezogen habe.

Surer sieht darin vor allem ein Problem der fehlenden Konstanz. In Silverstone war Antonelli trotz ebenfalls klar erkennbarer technischer Probleme für seine Track-Limit-Verstöße noch bestraft worden.

Für Surer wäre deshalb eine permanentere Besetzung der Stewards eine mögliche Lösung. Besonders kritisch sieht er, dass die aktuelle Entscheidung einen Präzedenzfall schaffen könnte: Künftig könnten Fahrer bei Track-Limit-Verstößen schlicht technische Probleme geltend machen.  

©Sky Sport F1

Norris räumt Piastri ab – trotzdem keine Strafe

Die wohl emotionalste Szene des Wochenendes lieferte McLaren.

In der letzten Runde des Sprints attackierte Lando Norris seinen Teamkollegen Oscar Piastri. Beide kollidierten, Piastri schied aus, Norris konnte weiterfahren und holte noch einen Punkt.

Die Stewards sahen keinen Fahrer als eindeutig hauptverantwortlich an und verzichteten auf eine Strafe.

Ausgerechnet Norris hatte nach Franco Colapintos Unfall in Baku noch besonders harte Sanktionen gefordert und erklärt, manche Fahrer hätten in der Formel 1 nichts verloren.

Surer hält Norris‘ Angriff deshalb zwar für „unnötig“ und „nicht Norris-like“, stimmt der Entscheidung der Stewards aber dennoch zu. Norris sei beim Anbremsen zumindest teilweise auf gleicher Höhe gewesen. Piastri hätte ihm deshalb mehr Platz lassen müssen. Als Norris über den Randstein auswich, verlor er die Kontrolle und traf seinen Teamkollegen doch noch. 

Der entscheidende Unterschied zu Colapintos Baku-Crash liege für Surer darin, dass Colapinto mit blockierenden Rädern und deutlich zu hoher Geschwindigkeit praktisch die Kontrolle verloren habe. In Singapur sei dagegen aus einem echten Zweikampf eine Kollision entstanden. 

McLaren-Teamchef Andrea Stella bezeichnete den Zwischenfall dennoch als absolut inakzeptabel. Surer erwartet, dass die Situation intern deutlich aufgearbeitet wird.

©Getty Images / Red Bull

Verstappen gewinnt erstmals in Singapur

Sportlich gehörte das Wochenende einmal mehr Max Verstappen.

Der Red-Bull-Pilot holte die Sprintpole, gewann den Sprint, sicherte sich anschließend die Poleposition für den Grand Prix und fuhr am Sonntag einen souveränen Start-Ziel-Sieg ein.

Besonders: Es war sein 250. Formel-1-Grand-Prix – und gleichzeitig sein erster Sieg überhaupt in Singapur. 

Surer glaubt allerdings nicht, dass Red Bull inzwischen zwangsläufig das klar beste Auto besitzt.

Für ihn liegt Red Bull mittlerweile ungefähr auf einem Niveau mit Mercedes und Ferrari – den entscheidenden Unterschied mache Verstappen selbst.

„Für mich macht der Max den Unterschied.“ 

Wäre Red Bull schon zu Saisonbeginn auf diesem Niveau unterwegs gewesen, hätte Verstappen nach Surers Einschätzung sehr wahrscheinlich um seinen fünften WM-Titel gekämpft.

Besonders beeindruckend sei, wie schnell das Team unter Laurent Mekies die Probleme des neuen Autos und des erstmals eigenen Antriebsprojekts in den Griff bekommen habe. 

Eine Verstappen-Dominanz bis zum Saisonende erwartet Surer dennoch nicht. Ferrari, Mercedes und Red Bull seien inzwischen alle siegfähig – je nach Strecke mit unterschiedlichen Vorteilen.

©Mercedes AMG F1

Russell endgültig raus aus dem WM-Kampf

Für George Russell ging die schwierige Saison dagegen in Singapur weiter.

Im Sprint erwischte er zunächst einen starken Start und übernahm sogar die Führung. Kurz darauf kam er im Nassen auf die weiße Linie, verlor das Auto und schlug ein.

Für Surer war der Fehler unter den schwierigen Bedingungen zwar nachvollziehbar – passieren dürfe er in Russells Situation trotzdem nicht. 

Nach der Motorstrafe startete Russell am Sonntag ohnehin von ganz hinten. Insgesamt sammelte er durch weitere Komponentenwechsel sogar 60 Strafplätze.

Damit ist für Surer endgültig klar: Der WM-Kampf ist für Russell vorbei.

Zusätzlich glaubt er, dass die zahlreichen Rückschläge inzwischen auch mental Spuren hinterlassen. Im Rennen habe Russell teilweise so gewirkt, als fahre er „mit angezogener Handbremse“, um nicht noch einen weiteren Fehler zu produzieren. 

©Audi F1 Team

Hülkenberg mit „nicht zu übertreffender“ Leistung

Einer der Gewinner des Wochenendes war dagegen Nico Hülkenberg.

Der Deutsche brachte seinen Audi auf Rang acht ins Ziel und hielt Russell über lange Zeit hinter sich.

Surer war davon derart beeindruckt, dass Hülkenberg neben Verstappen als einziger Fahrer seine persönliche Bestnote erhielt:

„Die Leistung war nicht zu übertreffen. Das hat er super gemacht.“ 

Besonders clever habe Hülkenberg seine elektrische Energie genau an den Stellen eingesetzt, an denen Russell tatsächlich hätte angreifen können.

©XPB Images

Hamilton ignoriert Boxenruf – Ferrari verliert Doppelpodium

Auch bei Ferrari blieb am Ende wieder das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre.

Während einer Virtual-Safety-Car-Phase rief Ferrari beide Fahrer an die Box. Charles Leclerc kam – Lewis Hamilton dagegen nicht.

Nach Darstellung von Fred Vasseur hatte Hamilton die klare Anweisung zum Stopp erhalten, verpasste beziehungsweise ignorierte aber die Boxeneinfahrt. Seine alten Softreifen brachen anschließend ein, Hamilton fiel bis auf Rang sechs zurück.

Vasseur erklärte ungewöhnlich offen, Ferrari hätte ohne diese Entscheidung wohl die Plätze zwei und drei erreicht.

Surer hält den verpassten Stopp ebenfalls für schwer nachvollziehbar. Gerade unter VSC-Bedingungen hätte Hamilton die Chance zwingend nutzen müssen.

„Er hat die Chance verpasst […] er hat sich selber bestraft.“ 

Warum Hamilton tatsächlich draußen blieb, könne letztlich nur der siebenmalige Weltmeister selbst beantworten.

©Imago / PsnewZ

Surer zu Kühlwesten: Freiwillig ja – Pflicht nein

Zum Abschluss ging es auch um die zuletzt viel diskutierten Kühlwesten.

Bei offiziell ausgerufener Hitzegefahr können Fahrer diese tragen oder alternativ zusätzliches Gewicht mitführen. Während Fahrer wie Charles Leclerc, Carlos Sainz und Esteban Ocon Vorteile sehen, halten Verstappen und Isack Hadjar wenig davon.

Surer würde die Entscheidung jedem Fahrer selbst überlassen.

Für ihn dürfen die Westen helfen, wenn ein Fahrer sie benötigt – verpflichtend sollten sie aber keinesfalls werden. Gleichzeitig hält er es für sinnvoll, wenn die FIA selbst ein einheitliches System entwickelt, statt die Teams innerhalb des Cost Caps Ressourcen dafür aufwenden zu lassen.  

Ausblick auf Austin: Surer setzt auf Russell

Nach einem Formel-1-freien Wochenende geht es in Austin weiter.

Surer setzt dort überraschend auf George Russell. Der Mercedes-Pilot habe nun einen neuen Motor und müsse die letzten Rennen nutzen, um noch einmal sportlich zurückzuschlagen.

Für Austin erwartet Surer aufgrund der langen Geraden und schnellen Passagen erneut Mercedes, Ferrari und Red Bull an der Spitze. McLaren traut er auf diesem Streckentyp dagegen weniger zu. 

Alle Analysen zu den erneuten FIA-Pannen, dem McLaren-Crash zwischen Norris und Piastri, Verstappens historischem Singapur-Sieg, Russells nächstem Rückschlag, Hülkenbergs starker Vorstellung und Hamiltons folgenschwerer Ferrari-Entscheidung gibt es in der vollständigen Ausgabe von RACE CONTROL mit Marc Surer.

Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt.

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