Wer sich an das dramatische Saisonfinale in Abu Dhabi 2021 erinnert, der erinnert sich sicherlich sofort auch an den Auslöser des Dramas: Nicholas Latifi. Sportlich galt der Kanadier in der Königsklasse als unterdurchschnittlich und stand konstant im Schatten seiner Teamkollegen – dennoch hielt er sich drei Jahre lang in der Formel 1. Was macht Nicholas Latifi heute?

Latifis Weg in die Formel 1
Latifi wurde im Jahr 1995 in Montreal geboren und begann seine Motorsportkarriere erst im Jahr 2009 im Alter von 13 Jahren. Wie viele andere Rennfahrer startete er im Kartsport, in dem er bis zum Jahr 2012 aktiv blieb. Im Anschluss folgte der Wechsel in den Formelsport. Über die italienische, britische und europäische Formel-3-Meisterschaft sowie die Formel Renault 3.5 arbeitete er sich schrittweise nach oben.
Nach ersten Einsätzen in der GP2-Serie wechselte Latifi 2016 fest zum Team DAMS, für das er bis 2019 in der Serie (später Formel 2) fuhr. Nach vier vollen Saisons gelang Latifi endlich der Durchbruch und er krönte sich nach vier Saisonsiegen hinter Nyck de Vries zum Vizeweltmeister.
Latifi bei seinem Sieg in Russland | ©Photo4 / XPB Images
2020 gelang ihm schließlich der Sprung in die Formel 1: Bei Williams, wo er zuvor bereits als Test- und Ersatzfahrer tätig war, übernahm er den Rennsitz von Robert Kubica an der Seite von George Russell.
Formel-1-Karriere und das Drama von Abu Dhabi
Aufgrund der COVID-Pandemie verzögerte sich der Saisonstart 2020 bis Juli, wo Latifi in Österreich sein Debüt geben durfte. Mit Platz elf schrammte er nur knapp an den Punkten vorbei. Durch den deutlich unterlegenen Williams blieb dies auch sein bestes Ergebnis der Saison.
Latifi bei seinem Debüt in Österreich 2020. | ©Charniaux / XPB Images
In der Saison 2021 durfte Latifi beim Großen Preis von Ungarn als Siebter seine ersten WM-Punkte feiern und schloss die Saison auf dem 17. Rang in der Fahrerwertung ab. Weltweite Berühmtheit erlangte er jedoch durch das bis heute kontroverse Saisonfinale in Abu Dhabi: Nur fünf Runden vor Schluss verlor Latifi die Kontrolle und schlug in die Streckenbegrenzung ein. Die darauffolgende Safety-Car-Phase mischte das Duell um die WM noch einmal auf und ermöglichte es Max Verstappen, Lewis Hamilton in der letzten Runde noch im Kampf um den Titel abzufangen. Daraufhin sah sich der Kanadier in den sozialen Medien einer extremen Welle von Hasskommentaren und sogar Morddrohungen ausgesetzt.
Latifis Crash spielte eine maßgebliche Rolle im Kampf um die WM. | ©IMAGO / Panoramic by PsnewZ
Mit Alexander Albon erhielt Latifi 2022 einen neuen Teamkollegen. Gegen Albon zog er jedoch konstant den Kürzeren, beendete die Saison auf Platz 20 und erhielt keinen neuen Vertrag mehr bei Williams. Im Juli 2023 verkündete er im Alter von 28 Jahren offiziell sein Karriereende als Rennfahrer.
Das neue Leben nach der Formel 1
Im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen Fahrern kehrte Latifi dem Motorsport komplett den Rücken und schlug in Großbritannien einen völlig neuen Weg ein. Zwischen 2023 und 2025 absolvierte der Kanadier ein Masterstudium (MBA) an der hoch angesehenen London Business School.
Das erworbene Wissen setzte er zudem zügig in die Praxis um: Seit 2025 ist Latifi Mitgründer des Londoner Start-ups „Leve Agave Spirit“. Mit seinem Unternehmen verkauft er eine im mexikanischen Jalisco handgefertigte Spirituose aus 100 Prozent Blauer-Weber-Agave, die mit einem reduzierten Alkoholgehalt von 22 Prozent als leichtere Alternative zu klassischem Tequila konzipiert ist.
Auch wenn es im Motorsport nie für den großen Erfolg gereicht hat, hat Nicholas Latifi seinen Weg gefunden – und den passenden Drink um darauf anzustoßen – hat er auch.































