Bleib in Kontakt

Wonach willst du suchen?

RACE CONTROL

Surer über Colapinto-Crash: „Das würde ich ihm nicht verzeihen“ – Briatore kündigt Maßnahmen an, Hasswelle gegen Norris

Nach Colapintos Crash gegen Gasly und Norris wird Marc Surer deutlich: Den Verbremser könne man verzeihen, den Angriff auf den eigenen Teamkollegen nicht. Dazu kündigt Briatore interne Maßnahmen an, während eine massive Hasswelle gegen Norris für Aufsehen sorgt. Außerdem im Fokus: Russells Grand Slam, Red Bulls starke Form und die Krisen bei Ferrari und Aston Martin.

©IMAGO / PsnewZ / Jay Hirano

Franco Colapintos Restart-Crash gegen Pierre Gasly und Lando Norris sorgt nach dem Großen Preis von Aserbaidschan weiter für heftige Diskussionen. Flavio Briatore kündigt interne Maßnahmen an, nach Norris’ Kritik folgt eine massive Hasswelle in den sozialen Netzwerken. Marc Surer ordnet den Baku-Eklat ein – und analysiert außerdem Russells Grand Slam, Red Bulls starke Vorstellung, Ferraris Probleme und Aston Martins nächste Krise.

Der Große Preis von Aserbaidschan hatte sportlich und abseits der Strecke reichlich Nachwirkungen. Im Mittelpunkt steht vor allem Franco Colapintos folgenschwerer Fehler beim Restart, der nicht nur Pierre Gasly und Lando Norris aus dem Rennen riss, sondern inzwischen auch eine Debatte über interne Konsequenzen bei Alpine und den Umgang mit Hass in sozialen Netzwerken ausgelöst hat.

In RACE CONTROL ordnete CHAMP1-Experte Marc Surer die wichtigsten Szenen und Entwicklungen des Baku-Wochenendes ein.

Surer über Colapinto: „Das würde ich ihm nicht verzeihen“

Beim Restart verschätzte sich Franco Colapinto in Kurve eins, traf seinen eigenen Teamkollegen Pierre Gasly und schob diesen wiederum in Lando Norris. Für alle drei war das Rennen anschließend beendet.

Colapinto übernahm später die Verantwortung. Die Stewards verhängten eine Zehn-Sekunden-Strafe, die wegen seines Ausfalls in eine Startplatzstrafe von fünf Positionen für Malaysia umgewandelt wurde.

Marc Surer hält die Sanktion für angemessen. Den eigentlichen Verbremser könne man als Fahrfehler erklären, gerade weil Colapinto auf der schmutzigen Seite der Strecke praktisch sofort Grip verlor. Deutlich kritischer sieht Surer allerdings den Auslöser der Situation: Colapinto wollte beim Restart ausgerechnet seinen eigenen Teamkollegen austricksen.

Genau das sei aus seiner Sicht der Punkt, den Flavio Briatore intern nicht einfach übergehen könne.

Surer formulierte deutlich:

„Der Verbremser würde ich ihm verzeihen. […] Aber natürlich nicht, dass er seinen Teamkollegen noch kurz austricksen wollte beim Restart. Das würde ich ihm nicht verzeihen.“

Briatore kündigt interne Maßnahmen an

Auch Alpine reagierte scharf. Flavio Briatore bezeichnete Colapintos Manöver für einen Fahrer mit dessen Erfahrung als sehr schlecht und kündigte an, sich Zeit für mögliche interne Konsequenzen zu nehmen. Zugleich entschuldigte er sich öffentlich bei Pierre Gasly sowie bei Lando Norris und McLaren.

Surer hält einen kompletten Rauswurf Colapintos allerdings nicht zwingend für sinnvoll. Sportlich habe sich der Argentinier zuletzt klar gesteigert und könne Alpine weiterhin wichtige Punkte bringen.

Als mögliche Konsequenz brachte Surer stattdessen eine finanzielle Sanktion ins Spiel. Gerade weil durch den Crash nicht nur zwei eigene Autos beziehungsweise Punktchancen verloren gingen, sondern sich die Konstrukteurswertung direkt auf die Einnahmen des Teams auswirkt, könne eine solche Strafe durchaus Wirkung zeigen.

©McLaren

Norris fordert Sperre – danach folgt die Hasswelle

Lando Norris reagierte unmittelbar nach dem Rennen ausgesprochen wütend. Der McLaren-Pilot forderte mindestens eine Rennsperre und sagte, manche Fahrer hätten seiner Meinung nach nichts in der Formel 1 verloren.

Surer kann die Reaktion emotional nachvollziehen, hält sie aber vor allem für eine Momentaufnahme nach einem zerstörten Rennen. Er geht davon aus, dass Norris beim kommenden Grand Prix deutlich nüchterner auf die Situation blicken dürfte.

Die Diskussion eskalierte anschließend allerdings in den sozialen Netzwerken. Unter Norris’ Beiträgen tauchten massenhaft Beschimpfungen auf, darunter sexualisierte und homophobe Beleidigungen. Alpine sah sich daraufhin zu einem öffentlichen Statement veranlasst und erklärte, Hass und Missbrauch gegen Fahrer, Medienvertreter oder andere Mitglieder der Formel-1-Gemeinschaft seien nicht akzeptabel.

Surer sieht darin ein grundsätzliches Problem sozialer Medien. Anonymität senke die Hemmschwelle und mache es leichter, Grenzen zu überschreiten.

Auch die Einmischung des argentinischen Außenministers sorgte für Diskussionen. Dieser hatte Norris’ Aussagen öffentlich mit einer älteren Kollision verglichen. Surer hielt den sachlichen Vergleich grundsätzlich für legitim, kritisierte aber später den politischen Kontext und betonte, ein Außenminister müsse eigentlich diplomatisch handeln.

Russell feiert ersten Grand Slam seiner Karriere

Sportlich gehörte das Wochenende George Russell.

Der Mercedes-Pilot holte die Poleposition, gewann das Rennen, fuhr die schnellste Runde und führte jede Rennrunde – der erste Grand Slam seiner Karriere. Gleichzeitig verkürzte Russell seinen Rückstand auf WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli auf 66 Punkte.

Russell erklärte anschließend, seinen Fahrstil inzwischen besser an das neue Auto angepasst zu haben. Marc Surer bleibt allerdings vorsichtig. Für ihn muss Russell erst auf anderen Streckentypen bestätigen, dass Baku tatsächlich den Durchbruch markiert und nicht lediglich besonders gut zu seinem Fahrstil gepasst hat.

Ein weiterer Faktor könnte aus Surers Sicht der geringere Druck sein. Nachdem Russell seine WM-Chancen selbst bereits deutlich relativiert hatte, könne er nun freier fahren und sich stärker darauf konzentrieren, einzelne Rennen zu gewinnen.

©Getty Images / Red Bull

Verstappen beinahe noch am Sieg dran

Max Verstappen startete nur von Position acht, kämpfte sich aber bis auf Rang zwei nach vorne.

In der Schlussphase kam er nach Valtteri Bottas’ Unfall noch einmal überraschend nahe an Russell heran. Surer glaubt, dass Verstappen bei einer zusätzlichen Rennrunde tatsächlich eine realistische Siegchance gehabt hätte.

Auch Red Bulls generelle Entwicklung bewertet Surer positiv. Das Team habe zuletzt weiter an Details gearbeitet, insbesondere an den Problemen der Hinterachse, über die Verstappen mehrfach geklagt hatte.

Für Surer sind es inzwischen weniger die großen Umbauten als vielmehr die kleinen Fortschritte, die Red Bull wieder konkurrenzfähiger machen.

Hadjar überzeugt beim Comeback

Auch Isack Hadjar überzeugte nach drei verletzungsbedingt verpassten Rennen direkt bei seiner Rückkehr.

Kurz vor dem Baku-Wochenende hatte Red Bull zudem seinen Vertrag für 2027 verlängert. Surer hält diese Entscheidung für nachvollziehbar. Besonders wichtig sei, dass Hadjar einen ähnlichen Fahrstil wie Verstappen habe.

Das helfe dem Team bei der Entwicklung des Autos, weil Erkenntnisse aus der Abstimmung zwischen beiden Fahrzeugen leichter übertragen werden könnten.

Auch Hadjars Verhalten im Rennen lobte Surer. Der Franzose habe selbstbewusst agiert, Verstappen zwar unter Druck gesetzt, aber keine unnötigen Risiken genommen.

Sein Podium in Baku bewertet Surer deshalb auch höher als Rang drei in Monaco, den Hadjar erst nachträglich durch Strafen anderer Fahrer zugesprochen bekommen hatte.

©IMAGO / HochZwei

Ferrari stagniert – Horner-Gerüchte werden lauter

Ferrari blieb erneut hinter den Erwartungen.

Charles Leclerc wurde Vierter, Lewis Hamilton kam nur auf Rang sechs ins Ziel. Hamilton sprach anschließend von einem schlechten Rennen und beklagte unter anderem Schwierigkeiten mit den Reifen sowie Probleme bei der Energieversorgung.

Surer sieht das größere Problem allerdings in der Entwicklung des Autos. Ferrari sei grundsätzlich schnell, habe sich zuletzt aber weniger stark verbessert als Red Bull oder McLaren.

Damit wächst auch der Druck auf Teamchef Fred Vasseur. Parallel halten sich die Gerüchte um Christian Horner als möglichen Nachfolger.

Surer würde einen Wechsel grundsätzlich nicht ausschließen, warnt allerdings: Sollte Horner tatsächlich nach Maranello gehen, müsste er eine eigene Struktur und vertraute Mitarbeiter um sich herum aufbauen.

Der letzte wirklich nachhaltige Erfolg bei Ferrari sei auch deshalb gelungen, weil Ross Brawn damals ein starkes eigenes Umfeld mitgebracht habe.

©IMAGO / IPA Sport

Aston Martin mit nächstem Doppelausfall

Auch Aston Martin erlebte ein weiteres ernüchterndes Rennwochenende.

Fernando Alonso schied bereits in Q1 aus, im Rennen folgte dann der nächste Doppelausfall. Lance Stroll musste wegen eines Wasserdruckproblems aufgeben, später stellte auch Alonso seinen Wagen ab.

Surer warnt allerdings davor, sämtliche Probleme ausschließlich Honda anzulasten.

Zwar fehle dem Motor eindeutig Leistung, gleichzeitig müsse berücksichtigt werden, dass auch ein sehr hoher Abtrieb des Autos den Topspeed auf den Geraden beeinflussen könne. 

Für die weitere Entwicklung fordert Surer deshalb vor allem Zusammenarbeit. Aston Martin und Honda müssten gemeinsam Lösungen finden, statt sich gegenseitig die Verantwortung für Probleme zuzuschieben. 

Surer zu kürzeren Rennen und Monaco-Sprint

Auch die für 2027 beschlossenen Regeländerungen waren Thema.

Die reguläre Grand-Prix-Distanz wird von rund 305 auf etwa 290 Kilometer reduziert. Surer hält zwei bis drei Runden weniger grundsätzlich für verkraftbar.

In Baku hätte die Verkürzung allerdings tatsächlich einen Unterschied gemacht: Die spektakuläre Schlussphase nach Bottas’ Unfall hätte es in dieser Form vermutlich nicht gegeben.

Wenig begeistert ist Surer dagegen vom Sprint in Monaco.

Seine klare Einschätzung: „Ein Witz.“

Immerhin sieht er einen positiven Aspekt: Durch Sprint-Qualifying und reguläres Qualifying gebe es künftig gleich zwei Sessions, die auf dem engen Stadtkurs tatsächlich Spannung versprechen.

©SRF

Kritik am Madring – und Vorfreude auf Malaysia

Auch die Premiere auf dem Madring wurde noch einmal aufgearbeitet.

Surer hält die Strecke fahrerisch zwar für anspruchsvoll, kritisiert aber insbesondere die Schikane vor der Autobahnunterführung. Dort hätte man seiner Ansicht nach eine deutlich bessere Überholmöglichkeit schaffen können.

Für die kommende Saison fordert er deshalb Veränderungen am Layout und mehr Stellen, an denen echte Zweikämpfe möglich sind. 

Zum Abschluss richtete sich der Blick auf Malaysia.

Marc Surer setzt im CHAMP1-Tippspiel für Sepang auf Max Verstappen. Red Bull habe zuletzt sowohl in Monza als auch in Baku bei Hitze und langen Geraden gut funktioniert – Bedingungen, die auch in Malaysia zu erwarten sind.

Sepang selbst bezeichnet Surer als fahrerisch ausgesprochen anspruchsvolle Strecke mit schnellen und langsamen Kurven, langen Geraden und echten Überholmöglichkeiten.

Einen ähnlich zähen Rennverlauf wie zuletzt auf dem Madring erwartet er ausdrücklich nicht. 

Alle Analysen zum Colapinto-Eklat, den möglichen Alpine-Konsequenzen, der Hasswelle gegen Norris, Russells Grand Slam, Red Bulls Comeback, Ferraris Problemen und Aston Martins Krise gibt es in der vollständigen Ausgabe von RACE CONTROL mit Marc Surer.

Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt.

author avatar
CHAMP1 Redaktion
Die CHAMP1 Redaktion steht für die gemeinsame journalistische Arbeit des CHAMP1-Teams. Unter diesem Autorenprofil erscheinen Meldungen, Breaking News, Übersichten und redaktionelle Inhalte, die gemeinschaftlich erstellt, bearbeitet oder aktualisiert werden. Alle Beiträge folgen klaren journalistischen Standards und trennen transparent zwischen Nachricht, Einordnung und Meinung.
Werbung

Neueste „Race Control“-Folge

©IMAGO / PsnewZ / Jay Hirano

RACE CONTROL

Nach Colapintos Crash gegen Gasly und Norris wird Marc Surer deutlich: Den Verbremser könne man verzeihen, den Angriff auf den eigenen Teamkollegen nicht. Dazu...

Mehr Formel 1-News

© IMAGO / PsnewZ

Formel 1 News

Nach dem Colapinto-Crash gab es in Baku große Diskussionen und verschiedenste Forderungen. Auch Marc Surer hat eine klare Meinung zum Vorfall.

© IMAGO / Michael Potts / Sky Sport

Formel 1 News

McLaren verlässt ein Rennwochenende zum dritten Mal dieses Jahr mit 0 Punkten im Gepäck. Teamchef Andrea Stella resümiert ein frustrierendes Wochenende in Baku.

© Coates / XPB Images / IMAGO / NurPhoto

Formel 1 News

Christian Horner schießt in einem Interview gegen sein Ex-Team Red Bull. Auch ein alter Weggefährte muss einen Seitenhieb hinnehmen.

© Bearne / XPB Images

Formel 1 News

Die Zukunft von Esteban Ocon in der Formel 1 hängt am seidenen Faden. Der Franzose überrascht in Baku mit einer deutlichen Kampfansage.

© Rew / XPB Images / IMAGO / PsnewZ

Formel 1 News

Der Zwischenfall der Racing-Bulls-Piloten sorgte in Baku für einige Diskussionen. Arvid Lindblad hat nun einen Übeltäter gefunden.

September, 2026

Neueste Champ1 News Folgen

© Bearne / XPB Images

Champ1 News (Video)

George Russell gewinnt den Großen Preis von Baku in einer dominanten Weise. Ferrari enttäuscht in Baku.

©IMAGO / Eibner / PsnewZ / Haas F1 Team / KI-unterstützt

Champ1 News (Video)

Red Bull bestätigt Isack Hadjar auch für 2027, während Esteban Ocon bei Haas vor dem Aus stehen soll. Ralf Schumacher fordert Aston Martin zum...

©XPB Images / McLaren / Formula 1

Champ1 News (Video)

Die Formel 1 verkürzt ab 2027 die Grand-Prix-Distanz und passt weitere Regeln an. Isack Hadjar feiert nach drei verpassten Rennen in Baku sein Comeback...

Weitere Artikel

Formel 1 News

Nach dem Colapinto-Crash gab es in Baku große Diskussionen und verschiedenste Forderungen. Auch Marc Surer hat eine klare Meinung zum Vorfall.

Formel 1 News

McLaren verlässt ein Rennwochenende zum dritten Mal dieses Jahr mit 0 Punkten im Gepäck. Teamchef Andrea Stella resümiert ein frustrierendes Wochenende in Baku.

Formel 1 News

Christian Horner schießt in einem Interview gegen sein Ex-Team Red Bull. Auch ein alter Weggefährte muss einen Seitenhieb hinnehmen.

Formel 1 News

Die Zukunft von Esteban Ocon in der Formel 1 hängt am seidenen Faden. Der Franzose überrascht in Baku mit einer deutlichen Kampfansage.