Kimi Räikkönen war nie ein Rennfahrer wie jeder andere. Im glamourösen und hochprofessionellen Fahrerlage der Königsklasse stach der Finne heraus: wortkarg, kompromisslos authentisch und vollkommen immun gegenüber dem Glanz der Formel 1. Mit seiner Art stieg er nicht nur zu einer Ikone des Motorsports auf, sondern schrieb sich 2007 auch in die Geschichtsbücher: Als bis heute letzter Fahrer-Weltmeister der Scuderia Ferrari. Ende 2021 beendete der „Iceman“ nach 20 Jahren seine F1-Karriere. Doch was macht Räikkönen heute?
Der Weg in die Formel 1: Nach nur 23 Rennen
Räikkönens Motorsport-Karriere begann bereits im Jahr 1988 – als vor fast 40 Jahren. Nach zehn Jahren im Kartsport wechselte der Finne 1998 in die Formula Renault und damit in die erste Open-Wheel-Rennserie für ihn. Dort sollte er nur für 23 Rennen verbleiben.
Trotz Bedenken der FIA aufgrund von Räikkönens Risikobereitschaft setzte Teamchef Peter Sauber auf den jungen Finnen. Am 04. März 2001 gab Räikkönen schließlich bei Saisonstart in Australien sein Debüt in der Formel 1 und holte seinen ersten WM-Punkt.
Räikkönen in seiner Debütsaison. | ©IMAGO / Sven SimonFormel 1 – Der Weg zum Weltmeistertitel
Nach nur einer einzigen Saison kaufte McLaren Räikkönen aus seinem Sauber-Vertrag heraus, um ihn als Nachfolger von Mika Häkkinen einzusetzen. 2003 feierte Räikkönen in Malaysia seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Trotz guter fahrerischer Leistungen verhinderten wiederholte technische Ausfälle größere Erfolge.
Für die Saison 2007 folgte der Wechsel zu Ferrari – als Nachfolger des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher. Die Erwartungen waren hoch, doch Räikkönen behielt die Nerven. Im Dreikampf gegen Fernando Alonso und Lewis Hamilton rechnete vor dem Saisonfinale kaum noch jemand mit ihm. Doch mit einem perfekten Rennen und Hilfe seines Teamkollegen Felipe Massa krönte er sich mit nur einem Punkt Vorsprung zum Weltmeister. Seitdem konnte kein Pilot mehr einen Fahrertitel für Ferrari gewinnen.
Nach fast 20 Jahren ist Räikkönen noch immer der letzte Ferrari-Weltmeister. | ©IMAGO / BildbyranNach zwei weiteren Saisons trennten sich die Wege 2009. Räikkönen versuchte sich in der Rallye-Weltmeisterschaft, ehe er 2012 mit Lotus sein Comeback feierte. Nach einer zweiten Ferrari-Ära von 2014 bis 2018. gekrönt durch seinen letzten F1-Sieg in Austin 2018, ließ er seine Karriere bei Alfa Romeo Sauber ausklingen, wo sich 2021 nach 21 der Kreis schloss.
Am 12. Dezember 2021 bestritt Räikkönen sein letztes Rennen in der Formel 1. | ©IMAGO / Action PlusMehr als nur Kälte: Die Entstehung des „Iceman“
Eine Eigenschaft begleitete Räikkönen durch seine gesamte Karriere: seine absolute Unnahbarkeit. Der Finne verabscheute Medien-Events, PR oder politische Spielchen. Ihn interessierte einzig das Fahren. Funksprüche wie „Leave me alone, I know what to do“ in Abu Dhabi 2012 oder die Szene, in der er nach einem DNF in Monaco direkt von der Strecke auf seine Yacht begab, machten ihn zur Legende. Der Spitzname „Iceman“ stand für einen Finnen, der einfach keinerlei Emotion zeigte.
Das Leben nach der Formel 1: Vollzeit-Papa
Wer dachte, Räikkönen würde nach seinem F1-Abschied die Hände in den Schoß legen, liegt falsch. Neben Gaststarts im NASCAR-CUP 2022 und 2023 fungiert er als Teamchef im Motorcross für das Kawasaki Racing Team MXGP.
Doch seine wahre Leidenschaft abseits des Motorsports findet Kimi im Familienleben. Auf den Social-Media-Kanälen der Familie zeigt sich ein heute völlig ungewohntes Bild eines sonst so frostigen Finnen: Kimi als lachender, engagierter Vollzeit-Papa seiner drei Kinder.
Räikkönen mit seiner Familie im Jahr 2025. | ©Kimimatiasraikkonen/InstagramVor allem sein ältester Sohn Robin (11) teilt die Rennsport Gene. An den Kartstrecken Europas sieht man den Ex-Weltmeister nicht als VIP in der Boxenlounge, sondern mit Werkzeugkasten in der Hand, der eigenhändig am Kart seines Sohnes schraubt und als Renningeneur fungiert. Wie groß das Talent des Räikkönen-Nachwuchses ist, zeigt eine Pressemitteilung der vergangenen Tage: Robin wurde offiziell in das Red Bull Junior Team aufgenommen.
Wird Robin in die Fußstapfen seines Vaters treten? | ©Getty Images / Red Bull Content PoolOb Robin in die Fußstapfen seines Vaters treten und den Weg bis in die Königsklasse meistern wird, muss die Zukunft zeigen. Eines steht aber fest: Seine Formel-1-Trophäen und den ewigen Titel als „Iceman“ kann Kimi Räikkönen niemand mehr nehmen.































