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Verstappen-Crash im FIA-Check: Wittich analysiert das Zandvoort-Chaos aus Rennleiter-Sicht

Max Verstappens Crash, der chaotische Restart und mehrere umstrittene FIA-Entscheidungen standen im Mittelpunkt von RACE CONTROL – Der CHAMP1 Formel 1-Experten-Analyse am Montagabend. Ex-Rennleiter Niels Wittich analysierte das Zandvoort-Wochenende aus Sicht der Rennleitung – bevor am Dienstag Marc Surer die Fahrer- und Expertenperspektive übernimmt.

©IMAGO / Orange Pictures / Sky Sport F1 / CHAMP1

Das letzte Formel-1-Rennen in Zandvoort lieferte nicht nur sportlich reichlich Gesprächsstoff. Nach dem schweren Unfall von Max Verstappen folgten eine rote Flagge, ein ungewöhnlicher Restart, mehrere Strafen unter Gelb und einige Entscheidungen, die auch nach dem Rennen noch Fragen aufwarfen.

In der ersten von zwei RACE-CONTROL-Ausgaben zum Niederlande-Grand-Prix hat der frühere Formel-1-Rennleiter Niels Wittich am Montagabend (24.08.2026) das Wochenende deshalb aus Sicht der Race Control analysiert. Am Dienstag, 25. August, folgt Ausgabe Nr. 14 mit Marc Surer und damit die sportliche Einordnung aus der Perspektive eines ehemaligen Formel-1-Fahrers und Experten.

Verstappen-Crash: Rote Flagge laut Wittich die richtige Entscheidung

Max Verstappens letztes Heimrennen in Zandvoort endete bereits kurz nach dem Start. Auf der noch teilweise feuchten Strecke geriet der Red-Bull-Pilot im letzten Sektor auf eine nasse Stelle, verlor die Kontrolle und schlug heftig in die Streckenbegrenzung ein.

Wittich bezeichnete Verstappens Fehler als ungewöhnlich und sprach von einem „dummen Fehler“, den der Niederländer vermutlich selbst am meisten bedauern werde. Die Entscheidung der Rennleitung, das Rennen anschließend mit Rot zu unterbrechen, hält der frühere Race Director dagegen für eindeutig richtig.

Durch die zahlreichen Trümmerteile und die notwendige Bergung hätte eine lange Safety-Car-Phase gedroht. Gleichzeitig bestand das Risiko, dass weitere Fahrzeuge mehrfach durch den verschmutzten Streckenabschnitt fahren und sich dabei Reifenschäden einfangen.

Auch die Formation Lap hinter dem Safety Car vor dem ursprünglichen Start konnte Wittich nicht nachvollziehen. Eine einzelne Runde hinter dem Safety Car habe in dieser Situation aus seiner Sicht keinen erkennbaren Mehrwert gehabt. Die Fahrer hätten die Bedingungen in Zandvoort auch ohne diese Maßnahme bewältigen können.

©XPB Images

Rätsel um die rote Ampel beim Restart

Für besonders viel Gesprächsstoff sorgte die Restart-Prozedur nach der Unterbrechung. Während sich ein Teil des Feldes bereits weit auf der Runde befand, sprang die Ampel am Ende der Boxengasse plötzlich auf Rot.

Oliver Bearman und Gabriel Bortoleto fuhren trotzdem hinaus und wurden nach dem Rennen verwarnt. Warum die Ampel überhaupt auf Rot geschaltet wurde, blieb in den FIA-Dokumenten unbeantwortet.

Auch Wittich hatte dafür keine eindeutige Erklärung. Das System werde über einen physischen Schalter am Starterpodest gesteuert. Ohne einen nachvollziehbaren Grund für die Sperrung könne entweder eine technische Fehlfunktion oder menschliches Versagen dahinterstecken.

Die Verwarnungen gegen die beiden Fahrer hält Wittich dennoch für nachvollziehbar: Eine rote Ampel müsse unabhängig davon respektiert werden, ob sie möglicherweise irrtümlich gezeigt worden sei. Kritischer bewertete er dagegen die fehlende Transparenz über die Ursache. Zu seiner eigenen Zeit als Rennleiter habe er Wert darauf gelegt, Fehler offen zu erklären.

©XPB Images

Colapinto und Lindblad: Durchfahrtsstrafen trotz Chaos gerechtfertigt

Nach Verstappens Unfall gerieten auch Franco Colapinto und Arvid Lindblad in den Fokus der Stewards. Beide machten unter Doppelgelb eine Position gut und erhielten jeweils eine Durchfahrtsstrafe.

Colapinto hatte argumentiert, dass die gelben Signale sehr spät erschienen seien und er vor allem versucht habe, Trümmern und einem herumliegenden Rad auszuweichen. Wittich verwies jedoch darauf, dass das gelbe Signal auch auf dem Lenkrad angezeigt wird und für die Fahrer verbindlich ist.

Aus seiner Sicht hätten beide Fahrer die Situation nach dem Positionsgewinn noch korrigieren können. Sie hätten die Plätze wieder zurückgeben können und damit möglicherweise eine Strafe verhindert.

Die Durchfahrtsstrafen hält Wittich deshalb für gerechtfertigt. Unter Doppelgelb zu überholen sei ein schwerwiegender Verstoß. Die FIA habe wegen der unübersichtlichen Situation bereits mildernde Umstände berücksichtigt – ansonsten wäre sogar eine Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe möglich gewesen.

©Sky Sport F1 / Sky Deutschland

Hülkenberg entgeht schwerem Unfall mit Bortoleto

Nur wenige Sekunden nach Verstappens Einschlag entwickelte sich eine weitere gefährliche Situation. Gabriel Bortoleto drehte sich auf der noch feuchten Strecke und stand zeitweise quer zur Fahrtrichtung.

Nico Hülkenberg kam mit hoher Geschwindigkeit heran und konnte im letzten Moment ausweichen. Nach dem Rennen hatte der Deutsche die Szene als „gruselig“ bezeichnet.

Wittich sprach ebenfalls von einer „super gefährlichen Situation“ und davon, dass Hülkenberg sehr viel Glück gehabt habe. Gleichzeitig habe der Audi-Pilot instinktiv die richtige Seite gewählt. Ein seitlicher Einschlag hätte deutlich schwerwiegender ausgehen können.

Die modernen Crashstrukturen und der Halo bieten inzwischen zwar ein sehr hohes Sicherheitsniveau, einen solchen Unfall wolle man dennoch keinesfalls sehen.

Lawsons Strafe unter Gelb laut Wittich eindeutig

Auch Liam Lawson erhielt in Zandvoort eine Strafe. Der Racing-Bulls-Pilot hatte unter einer einfachen gelben Flagge nicht ausreichend verlangsamt und bekam dafür zehn Sekunden sowie einen Strafpunkt.

Wittich sieht die Entscheidung als klaren Standardfall. Die FIA vergleicht dafür die sogenannten Mikrosektoren vor und während der Gelbphase. Ist keine ausreichende Geschwindigkeitsreduzierung erkennbar, folgt die entsprechende Sanktion.

Auch die unterschiedliche Härte gegenüber Colapinto und Lindblad hält Wittich für logisch: Lawson verlangsamte unter Einfachgelb nicht ausreichend, während die beiden anderen Fahrer unter Doppelgelb sogar Positionen gewannen.

©XPB Images

Sainz-Strafe nach Williams-Kollision eindeutig

Kurz vor Rennende kollidierten ausgerechnet die beiden Williams-Piloten Carlos Sainz und Alex Albon miteinander.

Sainz griff seinen Teamkollegen in Kurve eins innen an, blockierte beim Bremsen und traf Albon. Die Stewards stuften den Spanier als vollständig verantwortlich ein und verhängten die Standardstrafe von zehn Sekunden.

Wittich sah auch hier wenig Interpretationsspielraum. Sainz habe viel zu spät gebremst und einen Einlenkpunkt gewählt, mit dem die Kurve kaum noch zu schaffen gewesen sei. Der Unfall sei deshalb klar auf sein Manöver zurückzuführen gewesen.

Deutlich kritischer äußerte sich Wittich dagegen zu einer weiteren Sainz-Entscheidung aus dem Sprint. Der Spanier musste aus der Boxengasse starten und fuhr auf dem Weg dorthin an Valtteri Bottas vorbei.

Die Stewards werteten dies formal als Überholmanöver und sprachen eine Verwarnung aus. Wittich hält insbesondere die Begründung, Sainz habe sich dadurch einen Vorteil verschafft, für schwer nachvollziehbar.

Aufgrund der Streckenführung in Zandvoort sei es praktisch unvermeidbar, auf dem Weg zur Boxeneinfahrt an Fahrzeugen vorbeizufahren, die sich noch in Richtung Startaufstellung bewegen. Einen tatsächlichen Vorteil für Sainz konnte Wittich nicht erkennen.

Die komplette RACE-CONTROL-Ausgabe mit Niels Wittich gibt es im Video.

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