Christian Horner rechnet umfassend mit seiner Vergangenheit bei Red Bull ab. Der frühere Teamchef erhebt schwere persönliche Vorwürfe gegen Helmut Marko, räumt erstmals offen ein, wie Red Bull beim umstrittenen WM-Finale 2021 Druck auf Rennleiter Michael Masi ausübte, und enthüllt neue Hintergründe zum Abschied von Adrian Newey. Zudem spricht Horner über die Mitarbeiterinnen-Affäre und kritisiert die frühere Fahrerpolitik rund um Max Verstappen. Die Themen der CHAMP1 NEWS vom Montag.
Mehr als ein Jahr nach seinem Abschied von Red Bull spricht Christian Horner so offen wie selten über die Konflikte, Machtkämpfe und Entscheidungen seiner mehr als 20 Jahre an der Spitze des Rennstalls.
In mehreren ausführlichen Interviews blickt der Brite auf Helmut Marko, das kontroverse WM-Finale von Abu Dhabi 2021, Adrian Neweys Abschied und die frühere Nachwuchsstrategie zurück. Dabei spart Horner weder mit Selbstkritik noch mit deutlichen Vorwürfen gegen frühere Weggefährten.
Horner erhebt schwere Vorwürfe gegen Helmut Marko
Besonders persönlich wird Horner beim Verhältnis zu Helmut Marko.
Auf die Frage, wie ihr Kontakt heute aussehe, antwortete er knapp: „Wir haben keins.“ Seit seinem Rauswurf im Juli 2025 hätten beide nicht mehr miteinander gesprochen.
Noch schwerer wiegt allerdings Horners Vorwurf, Marko habe aktiv an seiner Entlassung gearbeitet, während Horner gleichzeitig einen persönlichen Verlust verkraften musste. Seine frühere Partnerin und die Mutter seiner Tochter war kurz zuvor verstorben.
Horner beklagt, Marko habe ihm damals nicht einmal sein Beileid ausgesprochen.
„Es hat mich getroffen, dass er so an meinem Rausschmiss gearbeitet hat, während meine Ex-Partnerin und die Mutter meiner Tochter kurz zuvor verstorben war.“
Gleichzeitig erkennt Horner weiterhin an, wie wichtig Marko zu Beginn seiner Red-Bull-Karriere war. Der entscheidende Bruch kam aus seiner Sicht nach dem Tod von Dietrich Mateschitz im Oktober 2022.
Danach hätten sich Machtverhältnisse und Entscheidungswege im Konzern verändert. Zusätzlich kritisiert Horner Markos Umgang mit Nachwuchsfahrern sowie den aus seiner Sicht zu offenen Umgang mit internen Informationen gegenüber Medien.
©XPB ImagesAbu Dhabi 2021: Horner räumt Druck auf Masi ein
Fast fünf Jahre nach dem umstrittenen WM-Finale von Abu Dhabi liefert Horner auch dazu neue Einblicke.
Er bestätigt offen, dass Red Bull während der Saison 2021 zunehmend direkten Druck auf Rennleiter Michael Masi ausübte.
Auslöser sei für ihn gewesen, dass er zuvor beobachtet habe, wie Mercedes-Teamchef Toto Wolff unmittelbar mit Masi kommunizieren konnte. Daraufhin habe Horner auch für Red Bull einen direkten Kommunikationsweg einrichten lassen.
Beim Finale selbst lag Lewis Hamilton lange klar vorne. Horner räumt heute sogar ein, dass Mercedes an diesem Tag das schnellere Auto hatte.
Erst der Unfall von Nicholas Latifi und die anschließende Safety-Car-Phase eröffneten Verstappen eine letzte Chance.
Red Bull drängte darauf, das Rennen nicht hinter dem Safety Car enden zu lassen. Horner bestreitet nicht, dass sein Team dabei Druck machte – betont allerdings, die finale Entscheidung habe allein Michael Masi getroffen.
Gleichzeitig kritisiert er rückblickend die anschließende Öffentlichkeitsarbeit von Mercedes und spricht von einer regelrechten „Medienmaschinerie“.
Bemerkenswert: Hamilton selbst lobt Horner ausdrücklich. Dessen Verhalten unmittelbar nach der verlorenen Weltmeisterschaft habe seinen Respekt noch einmal deutlich gesteigert.
©Getty Images / Red BullNewey-Abschied: Fünf Mitarbeiter drohten offenbar mit Kündigung
Auch über Adrian Neweys Abschied spricht Horner ausführlich.
Nach seiner Darstellung erfuhr er nicht einmal direkt von Newey selbst, dass dieser Red Bull verlassen wollte. Stattdessen wurde Horner telefonisch darüber informiert – obwohl Newey nur wenige Meter entfernt in seinem Büro saß.
Als Horner ihn darauf ansprach, verwies Newey auf seinen Vertreter: den inzwischen verstorbenen Eddie Jordan.
Noch brisanter ist allerdings Horners Schilderung der internen Situation.
Demnach sollen fünf wichtige Mitarbeiter damit gedroht haben, Red Bull zu verlassen, wenn sich an Arbeitsweise und Aufgabenverteilung rund um Newey nichts ändere.
Der Stardesigner war neben dem Formel-1-Projekt auch bei Red Bull Advanced Technologies eingebunden. Innerhalb des Teams habe es zunehmend den Wunsch gegeben, dass Newey stärker delegiere und Verantwortung abgebe.
Horner befand sich damit nach eigener Darstellung zwischen seinem langjährigen Freund Newey und seiner Verantwortung als CEO für die gesamte Organisation.
Trotz des schwierigen Endes bezeichnet er Newey weiterhin als den erfolgreichsten Konstrukteur der Formel-1-Geschichte.
©IMAGO / Beautiful SportsHorner spricht über Mitarbeiterinnen-Affäre
Auch die Affäre um eine frühere Red-Bull-Mitarbeiterin thematisiert Horner erneut.
2024 waren Vorwürfe unangemessenen Verhaltens gegen ihn erhoben worden. Horner bestritt diese; eine interne Untersuchung und die spätere Berufung der Mitarbeiterin führten nicht zu weiteren Maßnahmen gegen ihn. Eine öffentliche gerichtliche Klärung der konkreten Vorwürfe gab es allerdings nicht.
Horner selbst konzentriert sich in seinen neuen Aussagen vor allem auf die Auswirkungen der damaligen öffentlichen Debatte.
Es sei eine äußerst schwierige und intensive Phase für ihn und seine Familie gewesen. Besonders hebt er die Unterstützung seiner Ehefrau Geri hervor, die während der Affäre öffentlich an seiner Seite blieb.
Neue Einzelheiten zu den eigentlichen Anschuldigungen nennt Horner nicht.
Ob die Affäre später eine Rolle bei seiner Entlassung spielte, bleibt ebenfalls offen. Red Bull hatte die Gründe für die Trennung nie konkret öffentlich gemacht.
©Getty Images / Red BullHorner kritisiert Red Bulls frühere Fahrerpolitik
Deutlich wird Horner auch bei der Nachwuchsstrategie.
Pierre Gasly, Alex Albon und Liam Lawson seien seiner Meinung nach allesamt zu früh ins Red-Bull-A-Team befördert worden.
Die jungen Fahrer hätten teilweise weniger als eine volle Formel-1-Saison Erfahrung gehabt und seien anschließend unmittelbar gegen Max Verstappen angetreten – in einem Auto, das ohnehin besonders anspruchsvoll zu fahren gewesen sei.
Die Verantwortung sieht Horner vor allem bei der damaligen Philosophie von Helmut Marko. Der habe Fahrer aus dem eigenen Juniorprogramm möglichst schnell nach oben bringen wollen.
Gleichzeitig bestätigt Horner etwas, das bei Red Bull über Jahre immer wieder diskutiert wurde: Die Fahrzeugentwicklung orientierte sich zunehmend an Verstappens Fahrstil.
Der Niederländer verlangt ein äußerst präzises Vorderende und kann gleichzeitig ein instabileres Heck kontrollieren als viele Teamkollegen. Weil Verstappen mit dieser Charakteristik die besten Ergebnisse erzielte, wurde die Entwicklung zwangsläufig stärker auf seine Wünsche zugeschnitten.
Horner hält das sportlich für nachvollziehbar – räumt aber ein, dass die Kombination aus Verstappen, einem anspruchsvollen Auto und enormem Erwartungsdruck für unerfahrene Teamkollegen beinahe die denkbar schwierigste Aufgabe war.
©IMAGO / Gruppe C PhotographyBearman, Verstappen und mögliches Imola-Finale
In den Kurzmeldungen zeichnet sich bei Haas unterdessen eine Vertragsverlängerung mit Oliver Bearman ab. Teamchef Ayao Komatsu will mit dem Briten unbedingt weitermachen; offiziell fehlen offenbar nur noch letzte Details.
Max Verstappen beendete sein GT3-Wochenende in Portimão nach einer Aufholjagd auf Rang neun. Anschließend stellte er sich deutlich gegen Hassattacken auf seinen Teamkollegen Chris Lulham.
Und auch das Formel-1-Saisonfinale bleibt ein Thema: Während Katar und Abu Dhabi weiterhin offiziell vorgesehen sind, soll sich Imola für einen möglichen Ersatztermin am 6. Dezember bereithalten. Eine Verlegung ist bislang allerdings nicht beschlossen.
Alle Aussagen Christian Horners zu Helmut Marko, Abu Dhabi 2021, Adrian Neweys Abschied, der Mitarbeiterinnen-Affäre und Red Bulls früherer Fahrerpolitik sowie die Kurzmeldungen des Tages gibt es in der vollständigen Ausgabe der CHAMP1 NEWS im Video.
Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt.































