Max Verstappen sorgt noch vor dem ersten freien Training zum GP von Japan für ein Beben im Fahrerlager: Während die FIA-Pressekonferenz im Zeichen technischer Regeländerungen und der Jagd auf Mercedes stand, setzte der Weltmeister bei seinem eigenen Pressetermin ein knallhartes Statement: Ein Journalist musste den Raum verlassen, bevor Verstappen auch nur daran dachte ein Wort über die Lippen zu bringen.
Damit überschattet der Niederländer die Ereignisse der eigentlichen Pressekonferenz.
Der Eklat: Verstappen zieht die Reißleine
Geplant war eine routinemäßige Medienrunde in der Red Bull Hospitality, doch Max Verstappen hatte kurzerhand eigene Pläne. Mit im Raum war nämlich auch Giles Richards, Formel-1-Korrespondent des The Guardian. Als Verstappen ihn entdeckte, verweigerte er jede Aussage: „Ich werde nicht sprechen, bevor der den Raum verlassen hat“, stelle Verstappen klar.
Der vierfache Weltmeister sorgte heute erneut für einen Schockmoment. | ©IMAGO / DeFodi ImagesHintergrund ist sein Groll aus der vergangenen Saison. Richards fragte Verstappen nach dem Finale von Abu Dhabi 2025, ob er die Kollision mit George Russell in Barcelona bereue. Mathematisch kostete Max Verstappen das die entscheidenden Punkte im Titelkampf mit Lando Norris. Das stieß Max Verstappen wohl böse auf und er entschied sich, Richards aus dem Raum zu werfen. Erst als er den Raum verlassen hatte, begann Verstappen seine Session.
Teil 1 der FIA-Pressekonferenz: Zwischen Tradition und Technik-Frust
Im ersten Teil der FIA-Pressekonferenz stellten sich Franco Colapinto (Alpine), Lance Stroll (Aston Martin) und Charles Leclerc (Ferrari) den Fragen der Journalisten.
Ferrari: Realismus statt Euphorie
Charles Leclerc gibt ein ernüchterndes Urteil über die aktuelle Hackordnung ab:
„Ich denke nicht, dass es so eng ist, wie die Leute glauben. Sobald man mit diesen Autos suboptimal unterwegs ist, verliert man massiv Zeit. Unsere einzige Chance, mit Mercedes mitzuhalten ist, sie in den ersten Runden zu ärgern. Aber sobald sie freie Fahrt haben, zeigen sie ihre wahre Pace. Wir sprechen hier immer noch von einem Vorsprung von vier bis fünf Zehnteln.“
Ganz zufrieden ist Charles Leclerc mit dem neuen Auto noch nicht. | ©IMAGO / Action PlusAuf die Frage nach den technischen Updates für Suzuka blieb der Monegasse vorsichtig:
„Dieses Jahr geht es nur um Entwicklung. Wir sind an einem akzeptablen Punkt, aber wir sind nicht hier, um nur Podien zu sammeln. Die Leute in der Fabrik arbeiten extrem hart, aber ich bin mir sicher, die anderen sind auch nicht im Urlaub.“
Heim-Desaster für Aston Martin?
Lance Stroll kämpft wiederum bei Aston Martin mit ganz anderen Problemen – physischen Schmerzen durch die extremen Vibrationen des Autos:
„Es ist sehr unangenehm. Wir können etwa die Hälfte des Rennens absolvieren, aber dann kommen Zuverlässigkeitsthemen dazu. Am schmerzhaftesten für uns alle ist es jedoch, dass wir nicht so wettbewerbsfähig sind, wie wir es sein wollen. Wir wollen an die Spitze.“
Lance Stroll wertet es als Erfolg, wenn das Team es bis ins Ziel schafft. | ©IMAGO / Action PlusAn die Spitze geht es für Aston Martin diese Woche sicherlich nicht. Aktuell würde es schon als Erfolg gelten, wenn das Team es über die Ziellinie schafft. Ein Debakel für das Team, dass dieses Wochenende eines seiner Heimrennen erleben wird.
Teil 2: Das „Mario-Kart“-Dilemma und die Entzauberung von Suzuka
Im zweiten Teil der Pressekonferenz sprachen Lando Norris (McLaren), Liam Lawson (Racing Bulls) und Oliver Bearman (Haas). Hier wurde die Kritik an dem neuen Reglement laut, dass die Fahrer dazu drängt, mehr auf die Displays als auf die Strecke zu schauen:
Oliver Bearman beschreibt ein bizarres Phänomen, bei dem „schneller Fahren“ zu einer langsameren Rundenzeit führt:
„In China bin ich meine beste Kurve gefahren, war aber am Ende zwei Zehntel langsamer. Wenn man zu früh am Gas ist verwirrt man die Energie-Rückgewinnung des Autos. Manchmal lupft man das Gas nur zu drei Prozent und die gesamte Runde ist ruiniert, weil einem am Ende der Geraden die Batterie leer geht. Das ist extrem frustrierend.“
Oliver Bearman hat noch Schwierigkeiten mit dem neuen Reglement. | ©IMAGO / Action PlusLando Norris stimmte zu und zog den Vergleich, der im Fahrerlager für Wirbel sorgt:
„Einige nennen es ‚Mario Kart‘. Wenn man in einer Kurve wie der Spoon nicht mehr voll attackieren kann, sondern lupfen muss, um Energie für die Gerade zu sparen, geht der Reiz verloren. Letztes Jahr sind wir da mit vollem Adrenalin durchgeschossen – jetzt ist es ein taktisches Rechenspiel. Das nimmt der Strecke ein Stück ihrer Seele.“
Der amtierende Weltmeister ist kritisch gegenüber dem Energiemanagement. | ©Bearne / XPB ImagesLiam Lawson bestätigte, dass sich die Arbeit im Cockpit radikal verändert hat:
Lawson zeigte bisher noch keine allzu großen Schwierigkeiten mit den Autos, ist aber dennoch kritisch. | ©IMAGO / Action Plus„Früher haben wir das ganze Wochenende damit verbracht, die Balance des Autos zu optimieren. Heute verbringen wir fast die gesamte Zeit mit Energie-Management. Es ist eine völlig andere Art zu fahren, bei der man sehr leicht über das Ziel hinausschießen kann.“









