Die Diskussion um das neue Formel-1-Reglement geht nach dem Crash von Oliver Bearman weiter. Zahlreiche Fahrer wie Max Verstappen oder Lando Norris beklagten sich über die Bedingungen und vor allem über das Batteriemanagement.
Auch Carlos Sainz sieht deutlichen Verbesserungsbedarf und fordert die FIA auf, schon bis Miami an den Regeln zu schrauben. Die Meinung im Fahrerlager ist eindeutig: Sie hätten schon immer gesagt, dass so etwas passieren könnte.
Max Verstappen (l.) und Carlos Sainz (r.) können mit dem neuen Reglement wenig anfangen. © Moy / XPB ImagesEx-Rennleiter hatte ähnliche Situationen zu bewältigen
Auch in unserer großen Champ1-Analyseshow Race Control wurde über dieses Thema ausführlich diskutiert. Der ehemalige Rennleiter der Formel 1, Niels Wittich, kann die Klagen der Fahrer nicht ganz ernstnehmen.
„Ich bin immer etwas skeptisch, wenn die Fahrer sagen, und ich habe das ja selbst erleben dürfen: ‚Das haben wir dir gesagt, dass das passieren wird‘. In Frankreich gibt es einen schönen Ausdruck: ‚Da ist es immer leicht, heute das Wetter von gestern vorherzusagen.‘“
Er könne die Sorgen der Fahrer zwar verstehen, doch auch in früheren Formel-1-Zeiten hätte es ähnliche Situationen gegeben.
„Damals haben die Fahrer viele Sachen gemacht. Zum Beispiel sind sie im Qualifying superlangsam gefahren, um die Batterie aufzuladen oder den perfekten Slot zu finden, wo sie dann quasi ihre schnelle Runde anfangen. Da hatten wir Geschwindigkeitsunterschiede von über 200 km/h zwischen den Autos. Und das war komischerweise kein Thema, bis ich es angesprochen und verboten habe, weil ich einfach gesagt habe: ‚Leute, da warten wir nicht auf den großen Knall.‘“
Wittich fordert von Fahrern und Teams nicht nur Kritik, sondern auch Lösungsansätze.
„Es müsste eigentlich mehr Zusammenarbeit geben. Was bringen die Teams aus der Simulation und aus dem ganzen Backoffice mit? Was kommt da an Informationen rein? Was für Informationen geben die Teams raus? Aber natürlich will keiner einen Vorteil, den er hat, verlieren. Das ist ein sehr, sehr komplexes Thema.“
Auch Lando Norris zählt zu den großen Kritikern des neuen Reglements © IMAGO / NurPhotoWittich fordert konstruktive Zusammenarbeit zwischen Fahrern, Teams und der FIA
Ganz konkret nimmt der ehemalige Renndirektor die Fahrer in die Pflicht.
„Es muss ein Fahrer nicht nur sagen, er finde das blöd, das mache keinen Spaß mehr, sondern man muss sagen, was man ändern könnte, damit es Besserung mit sich bringt. Und das ist etwas, was mit Sicherheit heute auch noch fehlt. Die konstruktive Kritik reinzubringen, dass man sagt, man will etwas machen, man will die Formel 1 weiterentwickeln, man will auch die Formel 1 vor sich selbst schützen.“
Wittich ist zuversichtlich, dass man in den kommenden Wochen einen Schritt nach vorn macht.
„Ich bin mir relativ sicher, jetzt in dieser Zwangspause, die sie jetzt haben, wird es sehr viele Simulationen geben, sowohl bei Team als auch bei FIA, um dann mit einem verbesserten Set-up zu kommen. Sie haben 3 Rennen plus Sprint in den Büchern. Sie haben also Liveerfahrung, mit der sie schauen können, welche Ecken sie angreifen müssen, um den Sport spannend zu machen und vielleicht die Geschwindigkeitsunterschiede in den Griff zu bekommen.“
In den kommenden Wochen haben die Fahrer und die FIA eigentlich die Zeit, um mögliche Regeländerungen zu diskutieren. Bislang steht allerdings noch in den Sternen, wer welche Lösungsansätze parat hat.










