Dienstag, 10. Februar – Nur wenige Wochen vor dem Saisonauftakt 2026 zeigt sich: Die Formel 1 geht mit enormer Spannung, internen Machtkämpfen und politischen Brandherden in den größten Umbruch seit Jahren. Während Aston Martin intern wankt, präsentiert sich McLaren demonstrativ stabil. Ferrari steht unter Erfolgsdruck – und hinter den Kulissen kämpft die FIA gegen einen Motoren-Zoff, der das Kräfteverhältnis früh verzerren könnte.
Newey übernimmt – Cowell vor dem Aus: Aston Martin in der Zerreißprobe
Bei Aston Martin spitzt sich der Machtkampf weiter zu. Nach Informationen von PlanetF1 wird Andy Cowell den Rennstall spätestens im Juni 2026 verlassen. Offiziell ist von einer strategischen Neuausrichtung die Rede – tatsächlich soll es massive Differenzen mit Adrian Newey gegeben haben.
Cowell war im Oktober 2024 als CEO von Lawrence Stroll verpflichtet worden, setzte Teamchef Mike Krack ab und übernahm selbst. Doch nur wenige Monate später verlor er diesen Posten wieder an Newey, der als Anteilseigner das letzte Wort hatte. In Design- und Strukturfragen lagen beide über Kreuz – der Ausgang war absehbar: Newey setzte sich durch.
Nach außen wollte Aston Martin bei der Lackierungspräsentation in Saudi-Arabien Geschlossenheit demonstrieren. British Racing Green, große Bühne, Hans-Zimmer-Soundtrack – doch der Livestream brach zusammen, Spott folgte. Ein unfreiwilliges Symbol für ein Projekt mit riesigen Ambitionen, aber sichtbaren Rissen.
Sportlich bleibt die Lage angespannt. Aston Martin absolvierte die wenigsten Testkilometer, Newey selbst spricht von vier Monaten Entwicklungsrückstand. Der AMR26 ist radikal gedacht, spät fertig und technisch auffällig. Fernando Alonso glaubt an den Neubeginn, Newey warnt vor voreiligen Urteilen. Klar ist: Mit Honda, neuer Fabrik und Newey als Teamchef gibt es 2026 keine Ausreden mehr.
©McLarenPapaya bleibt – McLaren sendet eine klare Titelansage
Ganz anders die Stimmung bei McLaren. Am Bahrain International Circuit präsentierten die Weltmeister am Montag ihre echte Rennlackierung für 2026. Viel Papaya, schwarze Akzente, keine Design-Experimente. Die Botschaft: Kontinuität statt Revolution.
Lando Norris und Oscar Piastri zeigten sich begeistert, CEO Zak Brown betonte die Bedeutung von Stabilität im Team. Der Anspruch ist klar formuliert: der dritte Konstrukteurs-Titel in Folge, insgesamt Nummer elf. Gleichzeitig warnt Teamchef Andrea Stella davor, sich auf Erfolgen auszuruhen. Beim Saisonauftakt starte jeder wieder bei null.
Auch die Fahrer spüren den Umbruch. Das neue Reglement verlangt mehr Energie-Management, neue Fahrweisen, neue Denkprozesse im Cockpit. McLaren wirkt vorbereitet – und vor allem geschlossen.
Ein Dauerbrenner bleibt die Diskussion um angebliche Bevorzugung von Norris. Zak Brown reagierte ungewohnt scharf und sprach von „lächerlichen Vorwürfen“. McLaren, so der Eindruck, lässt sich davon nicht ablenken.
©FerrariFerrari unter Druck: Wie lange wartet Leclerc noch?
Für Ferrari wird 2026 zur Schicksalssaison – auch für Charles Leclerc. Der Monegasse geht in sein achtes Jahr mit der Scuderia. Siege, Pole Positions, aber nur eine Vize-Weltmeisterschaft: zu wenig für einen Fahrer dieses Formats.
Laut der Schweizer Zeitung Blick soll sich Leclerc bereits seit Monaten im Paddock nach Alternativen umsehen – mit Blick auf 2027. Die Botschaft ist eindeutig: Bleibt Ferrari auch 2026 nicht konkurrenzfähig, könnte Leclerc gehen.
Doch der Markt ist eng. McLaren ist langfristig besetzt, Mercedes und Red Bull nur theoretisch offen. Aston Martin, Alpine oder Williams wären Optionen – sportlich jedoch ein Risiko. Sicher ist nur: Ferrari muss liefern, sonst droht der nächste Superstar-Abgang.
©Formula1.comVerdichtungs-Trick sorgt für Unruhe: FIA unter Zeitdruck
Abseits der Fahrer- und Teamdramen brodelt der technische Streit. Mercedes und Red Bull Powertrains/Ford stehen wegen eines Verdichtungs-Tricks im Fokus, der formal regelkonform ist, politisch aber hoch explosiv. Durch thermische Effekte im Fahrbetrieb soll sich die Verdichtung deutlich erhöhen – mit spürbaren Leistungs- und Effizienzvorteilen.
Ferrari, Honda und Audi haben protestiert. FIA-Technikchef Nikolas Tombazis bestätigte, dass der Weltverband bis zum Saisonstart in Melbourne eine Lösung finden will, um eine Protest-Saison zu verhindern. Gleichzeitig sollen clevere Regelauslegungen nicht nachträglich bestraft werden.
Zak Brown ordnet die Debatte nüchtern ein: Der Motor sei legal, politische Machtspiele gehörten zur Formel 1. Eine Disqualifikation zum Saisonauftakt hält er für ausgeschlossen. Doch der Druck bleibt – nicht zuletzt, weil Mercedes und Red Bull Powertrains/Ford sechs Teams beliefern.
Für zusätzliche Schlagzeilen sorgte am Wochenende ein Verkehrsunfall von Mercedes-Youngster Kimi Antonelli. Der Italiener blieb unverletzt und kann an den Tests teilnehmen – sportlich ohne Folgen, medial mit Wirkung.
Fazit
Die Formel 1 startet in ihre neue Ära mit offenen Machtkämpfen, klaren Titelansagen, wachsenden Wechselgedanken und einem politischen Motoren-Pulverfass.
Aston Martin setzt alles auf Adrian Newey.
McLaren wirkt stabiler denn je.
Ferrari steht unter massivem Erfolgsdruck.
Und die FIA balanciert zwischen Fairness und Eskalation.
Die Antworten gibt es nicht auf Präsentationsbühnen – sondern ab Bahrain, ab Melbourne, auf der Strecke.





