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Energie-Schock in Bahrain! Verstappen setzt die Benchmark – doch Norris schlägt zurück, Wolff wankt im Motoren-Krieg

Der erste offizielle Testtag der neuen Formel-1-Ära hat gehalten, was er versprochen hat: Hitze, Wind, technische Grenzgänge – und eine Zeitenliste, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet.

Donnerstag, 12. Februar – Ausgabe Nr. 717.
Der erste offizielle Testtag der neuen Formel-1-Ära hat gehalten, was er versprochen hat: Hitze, Wind, technische Grenzgänge – und eine Zeitenliste, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Weltmeister Lando Norris steht ganz oben. Doch im Fahrerlager spricht fast jeder über Max Verstappen. Und parallel dazu eskaliert im Hintergrund der Motoren-Streit – mit ungewohnt defensiven Tönen von Toto Wolff.

©Getty Images / Red Bull

Tag 1 in Bahrain: Norris auf P1 – Verstappen setzt das Ausrufezeichen

Acht Stunden Testbetrieb auf dem Bahrain International Circuit in Sakhir – am Ende sicherte sich Lando Norris im McLaren MCL40 mit einer 1:34,669 Minuten die Bestzeit. Rund eine Zehntel schneller als Max Verstappen im Red Bull RB22.

Doch wer nur auf die nackte Tabelle blickt, greift zu kurz.

Verstappen drehte 136 Runden – fast zweieinhalb Renndistanzen – und war damit der Marathon-Mann des Tages. Longruns, aggressive Energienutzung, konstante Pace: Red Bull sendete eine klare Botschaft.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff wurde ungewöhnlich deutlich:

„Sie sind in der Lage, mehr Energie auf der Geraden einzusetzen als alle anderen. Wir reden da von einer Sekunde pro Runde – über mehrere Runden in Folge.“

Und weiter:

„Ich würde sagen, dass sie heute die Benchmark gesetzt haben.“

Ein bemerkenswert offenes Eingeständnis – vor allem nach den Winter-Spekulationen über eine angebliche Mercedes-Motor-Überlegenheit.

Entlang der Strecke war zu hören, dass Verstappen mit höherer Drehzahl und aggressiverem Herunterschalten Energie zurückgewinnt. Das Auto wirkt nervöser – doch der Niederländer kontrolliert es.

Verstappen selbst blieb betont sachlich:

„Rundenzeiten und Platzierungen sind unwichtig. Wir wollen das Auto und die Reifen verstehen.“

Carlos Sainz zeigte sich gegenüber SPEEDWEEK.com beeindruckt:

„Red Bull-Ford ist mit Max allen einen deutlichen Schritt voraus. Hut ab.“

©IMAGO / HochZwei/Syndication

Hamilton spricht von „F2-Gefühl“ – Ferrari bleibt trotzdem ruhig

Am Vormittag eröffnete Lewis Hamilton den Ferrari-Testtag. 52 Runden, Longruns, ein Dreher ohne Folgen – danach folgte eine überraschend ehrliche Einschätzung.

Die neuen 2026er-Autos seien „spaßig“, aber mit deutlich weniger Downforce. Es fühle sich „langsamer an als ein F2-Auto“, teilweise „wie Rallyefahren“.

Die Stoppuhr relativiert jedoch. Verstappens Vormittagszeit lag klar unter der F2-Pole-Zeit des Vorjahres. Hamilton selbst verwies auf Hitze, Wind und Setup-Arbeit.

Am Nachmittag übernahm Charles Leclerc – und lieferte.
80 Runden, solide Longruns, Rang drei.

„Die Daten stimmen weitgehend mit dem überein, was wir aus unseren Simulationen erwartet haben – das ist ermutigend.“

Ferrari sammelte 132 Runden – stabil, ohne größere Zwischenfälle. Kein Feuerwerk, aber Substanz.

©Mercedes

Mercedes mit Fragezeichen – Antonelli kämpft, Russell bleibt im Schatten

George Russell spulte 56 Runden ab, bewegte sich im oberen Mittelfeld. Kimi Antonelli hingegen verlor durch eine längere Zwangspause wertvolle Zeit – nur 30 Runden standen am Ende zu Buche.

Ralf Schumacher spekulierte bei Sky, Mercedes könne bewusst noch nicht alles zeigen – auch um die Motoren-Debatte nicht weiter anzuheizen.

Fest steht: Die erhoffte Mercedes-Dominanz war am Mittwoch nicht zu sehen.

©Audi F1 Team

Audi mutig, Aston Martin mit Alarm – Haas überrascht

Audi sorgte mit modifizierten Seitenkästen für optische Aufmerksamkeit. Technische Details blieben unter Verschluss. Nico Hülkenberg stoppte nach einem Zwischenfall kurzzeitig auf der Strecke, setzte den Test später fort – Rang neun.

Aston Martin meldete hingegen eine „Anomalie“ am Motor. Lance Stroll blieb deutlich zurück, der Testtag wurde vorzeitig beendet. Fernando Alonso übernimmt am Donnerstag.

Williams nutzte Bahrain für Grundlagenarbeit nach dem verpassten Barcelona-Test. 77 Runden für Carlos Sainz, 68 für Alex Albon. Teamchef James Vowles:

„Die Stimmung hat sich aufgehellt. Wir haben einen Plan entwickelt, um möglichst viel aufzuholen.“

Eine kleine Überraschung lieferte Haas: Esteban Ocon absolvierte 115 Runden und fuhr die viertschnellste Zeit.

©IMAGO / HochZwei/Syndication

Motoren-Beben: Wolff schließt Regeländerung nicht mehr aus

Während auf der Strecke Daten gesammelt werden, brodelt es politisch.

Im Zentrum: das Verdichtungsverhältnis der neuen Power Units.
Mercedes steht im Fokus der Debatte, weil sich im heißen Rennbetrieb eine höhere Verdichtung ergeben soll, als die statische 16:1-Messung vorgibt.

Bislang verteidigte Toto Wolff die Legalität kompromisslos. Nun klingt er anders:

„Es verwirrt mich ein bisschen, wie wir plötzlich an diesen Punkt gekommen sind. Bis letzten Freitag wurde mir der Eindruck vermittelt, dass sich nichts ändern würde.“

Und weiter:

„Wenn dieses Gremium für eine Änderung der Motorenvorschriften stimmt, muss man das akzeptieren.“

Ein klarer Tonwechsel.

Wolff versucht, den Performance-Gewinn kleinzureden:

„Der Gewinn liegt nur bei zwei oder drei PS.“

Gleichzeitig räumt er ein, dass eine kurzfristige Anpassung strukturell deutlich schmerzhafter wäre als der eigentliche Leistungsgewinn.

Juristische Schritte schließt er aus:

„Es gibt kein Szenario, in dem wir jemanden verklagen würden.“

Für eine kurzfristige Regeländerung wäre eine Super-Mehrheit nötig. Ohne FIA-Zustimmung geht ohnehin nichts. Die Frage ist nicht mehr, ob diskutiert wird – sondern wie weit der Eingriff geht.

Zwischen Bestzeit und Benchmark

Top 3 nach Tag eins:

  1. Norris – 1:34,669 (58 Runden)
  2. Verstappen – 1:34,798 (136 Runden)
  3. Leclerc – 1:35,959 (80 Runden)

Doch Tests bleiben Tests. Spritmengen, Motor-Modi, Programme – vieles bleibt verborgen.

Was bleibt, ist ein klares Bild:

Norris hat die Bestzeit.
Verstappen hat die Benchmark.
Und Toto Wolff klingt plötzlich nicht mehr unerschütterlich.

Die neue Formel-1-Ära wirbelt mehr Staub auf, als viele erwartet haben – sportlich wie politisch.

Und das letzte Wort vor Melbourne ist noch lange nicht gesprochen.

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