Mercedes unter Betrugsverdacht – Wolff schießt scharf zurück
„Ich sage nur: Macht einfach eure Arbeit“
© Mercedes F1-TeamNoch bevor in der Formel 1 auch nur eine einzige Runde der Saison 2026 gefahren ist, eskaliert bereits der erste große Streit. Im Zentrum der Diskussionen: der neue Mercedes-Motor. Rivalen stellen die Legalität der Antriebseinheit offen infrage – Mercedes-Teamchef Toto Wolff reagiert mit ungewohnt deutlichen Worten.
„Ich sage nur: Macht einfach eure Arbeit“, konterte der Österreicher süffisant in Richtung der Kritiker, die den Antrieb im neuen W17 für illegal halten. Für Wolff sind die Vorwürfe nichts weiter als Ausflüchte. „Vielleicht suchen sie nach Ausreden“, erklärte der Mercedes-Boss bereits zuvor und stellte klar: Der Motor sei „zu 100 Prozent legal“.
© IMAGO / HochZweiVerdacht noch vor den Testfahrten
Brisant: Der WM-Kampf hat noch gar nicht begonnen. Dennoch kochen die Emotionen bereits vor den offiziellen Testfahrten in Bahrain (11.–13. sowie 18.–20. Februar) hoch. Auslöser ist das umfassend reformierte Reglement für 2026, das sowohl die Antriebseinheiten als auch die Chassis grundlegend verändert.
Mehrere Teams vermuten, Mercedes habe einen Weg gefunden, zusätzliche Leistung aus dem Verbrennungsmotor zu generieren. Konkret geht es um das Verdichtungsverhältnis, dessen Grenzwert bei 16:1 liegt und laut Reglement nicht überschritten werden darf.
Wolff bleibt gelassen – und bekommt Rückendeckung
Wolff zeigt sich davon unbeeindruckt. „Man muss nicht immer verstehen, was die Mitbewerber machen“, erklärte er. Mercedes konzentriere sich darauf, „das Bestmögliche aus unserem Paket zu machen“, statt sich ständig über andere zu beklagen.
Unerwartete Unterstützung kommt ausgerechnet von McLaren. Teamchef Zak Brown, dessen Fahrer Lando Norris und Oscar Piastri mit Mercedes-Motoren unterwegs sind, weist die Vorwürfe ebenfalls zurück. Es sei der „Job“ der Herausforderer, „aus jedem vermeintlichen Vorteil eine Story zu machen“, sagte Brown. Die Realität sei jedoch klar: „Der Motor ist völlig regelkonform und hat alle Tests bestanden.“ Schon bei nicht-öffentlichen Tests in Barcelona habe sich der neue Antrieb stark und zuverlässig präsentiert.
© IMAGO / Beautiful SportsFIA arbeitet an Lösung – Streit droht zu eskalieren
Wie lastwordonsports.com berichtet, arbeitet die FIA inzwischen intensiv an einer Lösung, um eine Eskalation noch vor dem ersten Rennen in Australien zu verhindern. Der Mercedes-Motor und dessen umstrittene Lösung beim Verdichtungsverhältnis dominieren demnach seit Wochen die Gespräche zwischen Herstellern und Weltverband.
Kern des Streits ist eine technische Lösung, die – mutmaßlich über thermische Ausdehnung – das Verdichtungsverhältnis erst bei laufendem, heißem Motor über den Grenzwert hinaus anhebt. Da die aktuellen FIA-Checks im Stillstand und bei Raumtemperatur erfolgen, besteht der Antrieb diese Prüfungen formal.
Andere Hersteller argumentieren jedoch, dass ein Überschreiten der 16:1-Grenze „auf der Strecke oder anderswo“ klar illegal sei.
© formula1.comNeue Prüfmethoden als möglicher Wendepunkt
Um den Konflikt zu entschärfen, erwägt die FIA laut Bericht eine Anpassung der Prüfmethoden. Künftig könnte das Verdichtungsverhältnis bei laufendem Motor in der Garage gemessen werden. Eine solche Änderung würde verhindern, dass thermische Effekte gezielt ausgenutzt werden.
Mercedes lehnt diesen Ansatz ab. Toto Wolff betont, dass die Antriebseinheit vollständig den bestehenden Regeln entspreche und man sich bei der Entwicklung ausdrücklich von der FIA habe bestätigen lassen, dass die Lösung zulässig sei.
© IMAGO / ABACAPRESSTombazis: „Wir wollen keine Kontroversen“
FIA-Einsitzer-Direktor Nikolas Tombazis machte zuletzt deutlich, wie ernst der Weltverband die Situation nimmt. „Diese Ingenieure sind sehr clever und suchen immer nach einem Vorteil“, erklärte Tombazis. Einige hätten Wege gefunden, das Verdichtungsverhältnis bei heißem Motor zu erhöhen – genau darüber werde nun diskutiert.
„Wir wollen keine Kontroversen. Wir wollen, dass auf der Strecke gekämpft wird – nicht im Gerichtssaal oder im Büro der Rennkommissare“, so Tombazis. Ziel sei es, die Angelegenheit vor dem Saisonstart verbindlich zu klären.
Machtverschiebung gegen Mercedes
Lange Zeit galt Red Bull als Bremser möglicher Maßnahmen, da auch der österreichische Rennstall an einer ähnlichen Lösung gearbeitet haben soll. Doch laut lastwordonsports.com hat sich die Lage inzwischen gedreht. Red Bull soll nun gemeinsam mit Ferrari, Honda und Audi auf ein Eingreifen der FIA drängen.
Mit vier von fünf Motorenherstellern auf einer Linie wächst der Druck auf Mercedes erheblich. Zwar würde eine Regelanpassung die Arbeit der Silberpfeile nicht vollständig zunichtemachen – doch es gilt als wahrscheinlich, dass der Mercedes-Motor für 2026 in irgendeiner Form angepasst werden muss.
Die entscheidende Frage scheint nicht mehr ob, sondern wann die FIA eingreift. Und damit steht schon jetzt fest: Der erste große Kampf der Saison 2026 läuft – noch bevor das erste Auto auf der Strecke war.





