Die Formel-1-Saison 2026 hat begonnen – und Sky spricht bereits von einem großen Erfolg. Der Pay-TV-Sender meldete nach dem Australien-Grand-Prix am Sonntag starke Marktanteile und bezeichnete den Auftakt sogar als Allzeit-Rekord in der Zielgruppe.
Doch ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt: Die Realität ist deutlich differenzierter.
Denn während die Marktanteile tatsächlich stark ausfallen, bleiben die absoluten Zuschauerzahlen weiterhin weit hinter früheren Werten zurück.
Um 5 Uhr deutscher Zeit sprangen die Ampeln in Australien auf Grün | © Dunbar / XPB ImagesSky meldet starken Marktanteil zum Australien-GP 2026
Das Rennen in Melbourne lockte am Sonntagmorgen durchschnittlich 390.000 Zuschauerinnen und Zuschauer vor die Bildschirme von Sky.
In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte die Übertragung laut Angaben des Medienmagazins DWDL.de im Schnitt 260.000 Zuschauer – was einem Marktanteil von 46,4 Prozent entspricht.
Damit verbuchte Sky tatsächlich einen außergewöhnlich hohen Zielgruppenanteil.
Auch der Gesamtmarktanteil lag mit 19,6 Prozent deutlich über dem Vorjahresniveau.
Die Nachberichterstattung zum Rennen kam anschließend noch auf 180.000 Zuschauer und 23,6 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe.
Sky Deutschland-Moderator Peter Hardenacke bei den Bahrain-Testfahrten im Februar | © IMAGO / EibnerZuschauerzahlen steigen – aber nur leicht
Der Blick auf die Gesamtzuschauer zeigt allerdings ein deutlich weniger spektakuläres Bild.
Mit 390.000 Zuschauern lag das Rennen zwar über dem Vorjahreswert, der beim Australien-Grand-Prix 2025 bei rund 321.000 reinen TV-Zuschauern gelegen hatte.
Archivbild von August 2025: Auch ohne Free-TV-Übertragung der Formel 1, bleibt der große Boom bei Sky weiterhin aus | © IMAGO / Jan HuebnerDer Zuwachs bleibt allerdings überschaubar.
Rechnet man 2025 auch das Streaming-Publikum hinzu, hatten damals insgesamt 406.000 Fans das Rennen über Sky verfolgt – ein Wert, den der Saisonauftakt 2026 sogar knapp verfehlt.
Noch deutlicher wird der Unterschied im längerfristigen Vergleich: Beim Saisonauftakt 2024 in Bahrain hatten über alle Sky-Plattformen hinweg noch rund 561.000 Zuschauer eingeschaltet.
Der Trend zeigt also: Trotz einzelner Ausreißer bei den Marktanteilen bleibt die Reichweite deutlich unter früheren Werten.
Marktanteile profitieren von der frühen Startzeit
Der ungewöhnlich hohe Marktanteil erklärt sich vor allem durch die Rahmenbedingungen.
Der Australien-Grand-Prix startete in Deutschland bereits um 5 Uhr morgens, wodurch das Konkurrenzprogramm im Fernsehen deutlich schwächer ausfiel als zu klassischen Sendezeiten.
Mit anderen Worten:
Weniger Konkurrenz im TV führt automatisch zu höheren Marktanteilen – selbst wenn die absolute Zuschauerzahl vergleichsweise moderat bleibt.
Die RTL-Sendezentrale in Köln-Deutz: Die Fragezeichen um die F1-Zukunft bleiben weiter | © IMAGO / Marc JohnRTL bleibt weiterhin ein großes Fragezeichen
Ein entscheidender Faktor für die Quotenentwicklung bleibt die unklare Rolle von RTL.
Während der Privatsender im Jahr 2025 zumindest einzelne Formel-1-Übertragungen zeigte – darunter das Qualifying zum Australien-Grand-Prix – blieb RTL beim Saisonauftakt 2026 komplett außen vor.
Weder Qualifying noch Rennen wurden im Free-TV ausgestrahlt.
Bis heute ist zudem weiterhin offen, ob und in welchem Umfang RTL die Formel-1-Saison 2026 überhaupt noch zeigen wird.
Archivbild von Juli 2025: RTL-Moderator Florian König mit Ex-Haas-Teamchef Günther Steiner | © IMAGO / EibnerDie aktuelle Rechte-Situation sorgt seit Monaten für Unsicherheit: Zwar besitzt Sky weiterhin die exklusiven Live-Rechte für Deutschland, doch die Kooperation mit RTL für einzelne Free-TV-Rennen aus den vergangenen Jahren ist bislang nicht neu bestätigt worden.
Für die Reichweite der Formel 1 im deutschen Fernsehen ist das eine entscheidende Frage.
Denn ohne Free-TV-Präsenz bleibt ein Großteil des potenziellen Publikums außen vor.
© IMAGO / DeFodi ImagesNeue Formel-1-Ära – aber noch kein Zuschauer-Boom
Dabei hätte der Saisonstart 2026 eigentlich ideale Voraussetzungen für einen Quoten-Boom geboten.
Mit neuen technischen Regeln, komplett überarbeiteten Autos und einer neuen Motorengeneration hat in der Formel 1 eine neue Ära begonnen.
Die Königsklasse wollte damit sportlich wie technologisch einen Neustart einläuten.
Die ersten TV-Zahlen zeigen jedoch: Der große Zuschauer-Schub bleibt bislang aus.
Sky kann zwar auf starke Marktanteile verweisen – doch bei der entscheidenden Kennzahl, der Gesamtzahl der Zuschauer, bewegt sich der Saisonauftakt weiterhin auf einem Niveau, das deutlich unter früheren Jahren liegt.
Verwendete Quellen: Motorsport.com, DWDL.de, AGF Videoforschung









