Das Formel-1-Jahr 2007 könnte man als ein Jahr des Umbruchs bezeichnen. Michael Schumacher trat vor der Saison zurück und wurde von Kimi Räikkönen ersetzt, Juan Pablo Montoya wechselte in den NASCAR Nextel Cup und Fernando Alonso wechselte als amtierender Weltmeister von Renault zu McLaren-Mercedes.
An seine Seite setzte Teamchef Ron Dennis einen Rookie, der jüngst die GP2-Serie gewonnen hatte: Lewis Hamilton. Das erste Rennen des Formel-1-Kalenders, der damals aus nur 17 Rennen bestand, fand wie auch in diesem Jahr in Melbourne statt.
Am 18. März 2007, also vor fast genau 19 Jahren, startete Hamilton nach einem guten ersten Qualifying von Platz vier – hinter Polesitter Raikkönen, seinem Teamkollegen Alonso und dem Deutschen Nick Heidfeld im BMW.
Lewis Hamilton schob sich schon nach dem Start an Fernando Alonso vorbei. © IMAGO / HochZweiHamilton mit tollem Start – Alonso mit Problemen
Der Start beim ersten Formel-1-Rennen der Karriere? Das könnte viele junge Fahrer aus dem Konzept bringen. Lewis Hamilton allerdings Ding.
Nachdem er die Startbox verlassen hatte, musste er sich kurz mit dem Fünftplatzierten Robert Kubica im BMW auseinandersetzen, doch dann überraschte er mit einem Außen-Maneuver nicht nur den Polen, sondern auch seinen Teamkollegen.
Fernando Alonso verlor gleich nach dem Start Platz zwei und hatte daraufhin keine Chance, die Kurve vernünftig zu nehmen. Also musste er nicht nur Heidfeld, sondern auch Hamilton hilflos passieren lassen. Der Brite lag also schon nach den ersten zwei Kurven auf Podiumskurs.
Die zweite Boxenstop-Phase kostete Hamilton wohl Platz zwei. © IMAGO / HochZweiErste Führungskilometer – und strategischer Fehler?
Anders als in der heutigen Zeit gab es damals noch eine weitere strategische Komponente, die es zu beachten galt. Denn, da das Tanken noch erlaubt war, starteten die Fahrer mit mehr oder weniger Sprit.
Da Hamilton anscheinend viel an Bord hatte, konnte er lange fahren und durfte so immer wieder Führungskilometer machen. Eine wirkliche Siegchance hatte er gegen den Ferrari von Kimi Räikkönen nicht.
Da Nick Heidfeld im Laufe des Rennens zurückfiel, ging es zwischen dem Briten und Fernando Alonso um Platz zwei. Der zweite Stopp entschied am Ende alles. Hamilton kam zuerst rein, hatte allerdings keine gute Runde und fiel hinter den Spanier, der eine Runde später einen guten Stop absolvierte, zurück. An diesem Ergebnis änderte sich bis zum Rennende nichts.
Zwischen Fernando Alonso (l.) und Lewis Hamilton (r.) entbrannte eine Rivalität. © IMAGO / Laci PerenyiÜberragende Rookie-Saison und nervenaufreibender WM-Kampf
Trotzdem konnte Hamilton am Ende völlig zufrieden mit seinem ersten Formel-1-Rennen und dem dritten Platz sein. Er war der erste Fahrer seit Jacques Villeneuve, der es bei seinem Debütrennen aufs Podium schaffte.
Was folgte, war eine denkwürdige Saison. Raikkönen, Hamilton und Alonso trennten am Ende ein Punkt. Der Ferrari-Fahrer hatte am Ende das Quäntchen Glück auf seiner Seite und wurde Weltmeister.
Teamintern gab es zwischen Hamilton und Alonso viel Zoff. Bis heute gelten die beiden nicht als beste Freunde. Der Spanier warf seinem eigenen Team vor, den britischen Fahrer zu bevorzugen.
Außerdem wurde das Jahr von der Spionage-Affäre überschattet. Durch Industriespionage soll McLaren an technische Informationen und Baupläne der Fahrzeuge von Ferrari gekommen sein. Daraufhin wurden dem Team alle Konstrukteurs-Punkte abgezogen. Was trotzdem bis heute bleibt, ist eine überragende Rookie-Saison von Lewis Hamilton. Seine Zeit folgte noch.
In China durfte Lewis Hamilton mit seinem Ex-Renningenieur „Bono“ (m.) feiern. © Moy / XPB ImagesIn China schloss sich für Hamilton bei Ferrari ein Kreis
Mittlerweile kennt sich Lewis Hamilton auf dem Podium aus. 203-mal durfte er einen der ersten drei Plätze nach einem Rennen bejubeln – das ist natürlich klarer Rekord.
Trotzdem war der dritte Platz in China für den Briten etwas Besonderes. Denn fast 19 Jahre nach seinem Formel-1-Debüt stand Hamilton zum ersten Mal für das Team auf dem Podium, das ihm den Fahrer-WM-Titel im Debüt-Jahr entriss – Ferrari.
Jetzt, wo er bei McLaren, Mercedes und Ferrari einen Podestplatz bejubeln konnte, hat die Formel-1-Legende wahrscheinlich nur noch ein Ziel – als Ferrari-Fahrer mindestens ihren 106. Sieg in der Königsklasse des Motorsports feiern. Wenn man es einem zutraut, dann ihm.









