Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten hat Helmut Marko einen Formel-1-Grand-Prix nicht im Fahrerlager erlebt. Der langjährige Red-Bull-Strippenzieher verfolgte den Saisonauftakt in Melbourne stattdessen aus seinem Haus in Graz – mit mehreren Bildschirmen, Datenzugängen und einem Blick, der ihm sofort verriet, wie es Max Verstappen wirklich ging.
Marko und Verstappen pflegen eine enge Verbindung miteinander | © Batchelor / XPB ImagesIn einem Exklusiv-Interview mit dem Online-Portal „GPblog.com“ schilderte der 82-Jährige, wie sich sein erstes Formel-1-Wochenende nach dem Ende seiner Red-Bull-Ära angefühlt hat.
Und seine Antwort überrascht.
„Ich habe es genossen – aber ich vermisse es nicht“
Mehr als 20 Jahre lang gehörte Helmut Marko zu den mächtigsten Figuren im Formel-1-Fahrerlager. Seit 2005 war der Österreicher zentraler Architekt des Red-Bull-Projekts, baute das Nachwuchsprogramm auf und förderte Stars wie Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo oder Max Verstappen.
Nun erlebt er die Königsklasse erstmals aus der Distanz.
Der Saisonauftakt in Melbourne am frühen Sonntagmorgen deutscher Zeit | © Moy / XPB ImagesVon seinem Zuhause in Graz aus verfolgte Marko den Australien-Grand-Prix auf mehreren Monitoren – inklusive Live-Daten und internen Teamberichten.
„Es war entspannend. Am Anfang spannend – und ja, ich habe es genossen“, sagte Marko im Gespräch mit GPblog und ergänzte: „Ich habe auch Formel 2 geschaut. Wie soll ich sagen? Ich habe es genossen, aber ich vermisse es nicht.“
Ganz losgelassen hat der langjährige Red-Bull-Berater den Sport allerdings nicht.
„Ich habe alle Daten und bekomme Berichte von unseren Teams. Also bin ich gut informiert – und ich genieße die Formel 1 jetzt wieder.“
Ein Software-Fehler sorgte am Samstag für einen heftigen Abflug in Q1 | © Charniaux / XPB ImagesEin Blick auf Verstappen – und Marko wusste Bescheid
Sportlich verlief der Saisonauftakt für Red Bull allerdings alles andere als ideal. Max Verstappen musste nach seinem Qualifying-Crash von Startplatz 19 ins Rennen gehen und kämpfte sich immerhin noch auf Rang sechs nach vorne.
Mit dem Niederländer gesprochen hat Marko danach zwar nicht – nötig war es offenbar auch nicht.
Der viermalige Weltmeister erlebte keinen guten Quali-Samstag | © Charniaux / XPB Images„Heute habe ich nicht mit ihm gesprochen, aber ich habe sein Gesicht gesehen“, sagte Marko und fügte hinzu: „Und er sah nicht sehr begeistert aus.“
Red Bulls schwieriger Start in die neue Saison
Tatsächlich begann das Wochenende für Red Bull schon mit Problemen.
Der Unfall im Qualifying brachte Verstappen in eine schwierige Ausgangsposition. Im Rennen kam noch weiteres Pech hinzu: Auch Red-Bull-Youngster Isack Hadjar schied mit einem Defekt aus.
„Es begann schon mit Max’ Qualifying-Crash“, erklärte Marko und fügte außerdem noch hinzu: „Im Rennen hat Hadjar einen guten Job gemacht – aber dann ist der Motor ausgefallen.“
Zum ersten Mal im Renneinsatz: Der Ford-Motor von Red Bull | © IMAGO / justpictures.chTrotzdem Lob für den neuen Red-Bull-Ford-Motor
Der Motor-Ausfall war besonders brisant, weil der Australien-Grand-Prix zugleich die Rennpremiere des neuen Red-Bull-Ford-Antriebs war.
Trotz des Defekts bleibt Marko gelassen.
„Zum Glück ist nur einer von vier Motoren ausgefallen. Insgesamt hat der Motor einen sehr guten Job gemacht.“
Für Red Bull bedeutet das: Der erste Härtetest der neuen Power-Unit ist zumindest teilweise gelungen – auch wenn Melbourne sportlich kein Traumstart war.
Archivbild von 2019: Marko und Mateschitz waren eine Einheit | © IMAGO / Eibner EuropaMarkos Red-Bull-Abschied: Das Ende einer Ära
Dass Helmut Marko den Saisonauftakt nun vor dem Fernseher verfolgt, ist kein Zufall – sondern das Ergebnis eines turbulenten letzten Jahres bei Red Bull.
Archivbild von Mai 2025: Zwischen Marko & Horner kam es mehrfach zum großen Knall | © IMAGO / DeFodi ImagesNach dem Tod von Red-Bull-Mitgründer Dietrich Mateschitz im Jahr 2022 kam es innerhalb der Führungsebene zunehmend zu Machtkämpfen. Besonders zwischen Teamchef Christian Horner und Marko entwickelte sich ein tiefes Zerwürfnis.
Im Juli 2025 folgte schließlich der Paukenschlag: Red Bull trennte sich überraschend von Horner nach zwei Jahrzehnten als Teamchef.
Archivbild von Juli 2025: Mintzlaff war mit vielen Entscheidungen Markos längst nicht mehr einverstanden | © IMAGO / Jan HuebnerDoch die internen Spannungen waren damit nicht beendet. Auch Marko geriet zunehmend in Konflikt mit der Konzernführung um Red-Bull-Manager Oliver Mintzlaff. Medienberichten zufolge sorgten mehrere öffentliche Aussagen und interne Entscheidungen für zusätzliche Spannungen innerhalb des Unternehmens.
Am Ende stand der Abschied des langjährigen Beraters – offiziell als Rücktritt kommuniziert, intern jedoch Teil eines umfassenden Umbruchs innerhalb des Red-Bull-Motorsportprojekts.
Damit endete eine der prägendsten Karrieren im modernen Formel-1-Fahrerlager.
Archivbild von November 2010: Marko und Vettel feiern den ersten WM-Erfolg | © IMAGO / Crash Media GroupDer Mann hinter Red Bulls Erfolgsära
Marko war nicht nur Berater – er war einer der Architekten der Red-Bull-Erfolgsgeschichte.
Gemeinsam mit Mateschitz baute er das Team ab 2005 auf, entwickelte das berühmte Nachwuchsprogramm und holte zahlreiche Weltmeister ins Cockpit. Unter seiner Ägide gewann Red Bull mehrere Fahrer- und Konstrukteurstitel.
Heute beobachtet er die Formel 1 aus der Distanz.
Und offenbar mit einer gewissen Gelassenheit.
„Ich genieße die Formel 1 jetzt wieder.“









