Neues Top-Qualifying, volles Starterfeld – und ein Hauch von Grand-Prix-Drama für den Nordschleifen-Klassiker.
Der Nürburgring war schon immer ein Ort der Extreme. Wetterkapriolen, fahrerische Grenzerfahrungen und ein Starterfeld, das vom Serienfahrzeug bis zum GT3-Biest reicht.
Doch 2026 kommt eine neue Dimension hinzu – nennen wir sie ruhig den „Verstappen-Faktor“. Denn seit der angekündigten Teilnahme von Max Verstappen platzt das traditionsreiche 24h-Rennen förmlich aus allen Nähten.
Erstmals seit Jahren ist das Teilnehmerlimit von 150 Fahrzeugen bereits Wochen vor Nennschluss erreicht. Der ADAC Nordrhein steht vor der heiklen Aufgabe, Teams abweisen zu müssen. Ein Luxusproblem, das nicht zuletzt dem niederländischen Superstar zu verdanken ist.
Doch nicht nur auf der Starterliste wird selektiert. Auch sportlich wird nachgeschärft. Und hier wird es… sagen wir: interessant.
Top-Qualifying: Drei Akte, ein Déjà-vu
Das Herzstück der Neuerungen ist das reformierte Top-Qualifying. Statt eines simplen Einzelzeitfahrens gibt es nun drei Segmente: Top Q1, Top Q2 und Top Q3. Klingt vertraut? Natürlich tut es das.Ganz zufällig erinnert dieses System an die Struktur der Formel 1 – jenem Mikrokosmos, in dem Verstappen seinen Namen gemacht hat. Drei Phasen, sukzessive Eliminierung, steigende Spannung. Man könnte fast meinen, jemand habe sich gedacht:
„Wenn er schon kommt, soll er sich auch wohlfühlen.“
Rennleiter Walter Hornung spricht diplomatisch von „mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit für die Fans“.
Ein nobles Ziel. Aber Hand aufs Herz: Ein dreiteiliges Qualifying ist weniger eine Revolution als vielmehr eine Hommage.
Im Detail bedeutet das: Zunächst kämpfen alle nicht vorqualifizierten Fahrzeuge in Top Q1 um den Einzug in die nächste Runde. Die besten 20 erreichen Top Q2, wo die finalen Plätze für das Einzelzeitfahren vergeben werden.
Im abschließenden Top Q3 duellieren sich maximal zwölf Fahrzeuge – einzeln, präzise, kompromisslos – um die Pole.
Zwischen Eifelnebel und LED-Zukunft
Neben dem sportlichen Format wird auch technologisch nachgerüstet. Neue Light Panels sollen die Sichtbarkeit von Flaggensignalen verbessern – und zwar nicht nur nachts, sondern auch bei typisch Eifeler Tagesbedingungen: Nebel, Regen, Chaos. Eine weitere Anpassung, um es den Niederländer, welcher sonst meist mit eher freundlichen Wetterbedingungen und Tag-Rennen konfrontiert ist, so angenehm wie möglich zu machen?28 dieser Anzeigen werden entlang der Nordschleife installiert, weitere acht auf dem GP-Kurs. Eine sinnvolle Ergänzung, die zeigt: Trotz aller Show bleibt Sicherheit oberste Priorität.
Noch ein eher ungewohntes Bild. Aber wird hier sein neues Zuhause entstehen? | ©IMAGO / DeFodi ImagesMehr als nur ein Rennen?
Mit acht großen Herstellern in der Top-Klasse, einem überfüllten Grid und einem Qualifying, das sich fast wie ein Grand Prix anfühlt, stellt sich eine leise, aber spannende Frage:Verändert sich hier gerade die DNA des 24h-Rennens? Oder ist es schlicht die natürliche Evolution eines Events, das seit 1970 Wandel als Prinzip versteht?
Vielleicht ist es am Ende genau das: eine Mischung aus Tradition und Anpassung. Und vielleicht – nur vielleicht – fühlt sich jemand im Cockpit eines GT3 plötzlich ein kleines bisschen mehr wie das bisherige „zu Hause“.






















