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Werksteam vs. Kundenteam: Gleicher Motor bedeutet nicht gleiches Wissen

Die FIA gewährleistet den Kundenteams, dass sie Zugang zur identischen Powerunit erhalten wie das Werksteam. Der Fall McLaren demonstriert, dass der Unterschied nicht mehr in der Hardware liegt.

© Dunbar / XPB Images

Ein Werksteam in der Formel 1 zu sein bringt meistens Vorteile mit sich. Dieser Vorteil steht nur den Teams zu, die Chassis und Motor selbst entwickeln. Früher gab es exklusive Sondervereinbarung zwischen manchen Werks- und Kundenteams. Doch zur Hybrid-Ära führte die FIA die Regelung ein, dass das Werksteam verpflichtet dem Kundenteam den selben Motor zu liefern. Dies soll Gleichbehandlung bei Hardware und Leistung sicherstellen.

Der Lieferant kann den Kunden bei technischen Fragen unterstützen, aber nicht bei der Leistungsoptimierung helfen. Beim Werksteam sieht das anders aus. McLaren ist momentan das aktuellste Beispiel dieses Prozesses geworden.

McLaren hat Rückstand zum Werksteam Mercedes

McLaren bezieht ihr Power Unit von Mercedes. Im letzten und vorletzten Jahr hat das papayafarbene Team die Silberpfeile klar dominiert. Doch im diesen Jahr wurde der Spieß herumgedreht. Nun hat Mercedes eine deutlich bessere Performance.

Beeinflusst wird die Performance durch die Wahl der Getriebeübersetzung. Diese Übersetzungen wurden allerdings im Winter letzten Jahres gewählt, basierend auf den Leistungscharakteristiken der verfügbaren Motorenspezifikationen. McLaren-Teamchef Andrea Stella glaubt, es stecke allerdings mehr dahinter.

In Silverstone erklärte der Italiener, dass McLarens Rückstand nicht alleine dem Auto zuzuschreiben sei. Er erklärte: „Das Maximum aus der Power Unit herauszuholen ist entscheidend. Es scheint, dass wir noch ein kleines Defizit dabei haben, das maximale Potenzial aus der HPP-Power Unit herauszuholen.“

Wir stehen vor einigen Herausforderungen, und wenn man sich die GPS-Overlays ansieht, wird ziemlich deutlich, dass wir den Dialog mit HPP fortsetzen müssen, weil es so aussieht, als würden wir etwas Performance liegen lassen.

Werksteam Mercedes ist aktuell deutlich schneller als das Kundenteam McLarenMercedes ist aktuell schneller als McLaren | © Dunbar / XPB Images

Überraschend für Stella war auch, dass die Telemetriedaten von Mercedes zeigten, dass beide Fahrer kurz vor der Ziellinie im Qualifying vom Gas gingen. „Das hat uns etwas überrascht“, gab er zu. „Wir hatten darüber nicht gesprochen, und ich bin mir nicht einmal sicher, ob uns so etwas aktuell zur Verfügung steht, da vermutlich zusätzliche Elemente nötig sind, um die Power Unit auf diese Weise zu betreiben“, meinte Stella.

Keine aktuelle Spezifikation in Silverstone

Des Weiteren betonte der McLaren-Teamchef, dass McLaren noch immer nicht die neueste Spezifikation des Motors von Mercedes erhalten habe. „Wir warten nun darauf, ob wir auf die neueste Spezifikation wechseln können und ob das in irgendeiner Weise zur Leistungssteigerung beiträgt“, teilte der 55-Jährige mit.

Es sollte eigentlich nur eine Verbesserung der Zuverlässigkeit sein, daher bin ich mir nicht sicher, ob das den Unterschied macht. Aber es gibt definitiv weitere Faktoren, die wir mit HPP besprechen müssen, denn wenn wir uns unsere Geschwindigkeit auf den Geraden ansehen, selbst unter Berücksichtigung der Möglichkeit, mit weniger Luftwiderstand zu fahren, bleiben einige Fragezeichen.

Im Gegensatz zu McLaren erhielten Alpine und zumindest ein Williams die neusten Spezifikationen des Power Units. Dies wurde auch durch das offizielle Dokument der FIA bestätigt.

McLarens CEO Zak Brown äußerte sich ebenfalls zu der PU-Situation. „Wir hätten gerne den aktuellen Mercedes-Motor“, machte er deutlich.

Wir sind das einzige Team ohne die neueste Power Unit, und natürlich hätten wir sie gerne zur Verfügung gehabt. Ich würde es nicht als Frustration bezeichnen, es ist einfach die Situation. Wenn man weiß, dass zusätzliche Performance verfügbar ist, sie aber noch nicht im Auto hat, möchte man sie so schnell wie möglich bekommen.

Gespräche mit HPP

Andrea Stella bestätigte, dass Gespräche mit HPP bereits stattgefunden hätten. „Wir verstehen die Gründe und vertrauen HPP, mit denen wir über Jahre eine hervorragende Beziehung hatten“, meinte er.

Sie haben eine grundlegende Rolle dabei gespielt, dass McLaren zwei Weltmeisterschaften gewonnen hat, und das ändert nichts an der Basis unserer Partnerschaft. Sie arbeiten unter Hochdruck daran, vier Teams zu beliefern, und die Umstände haben verhindert, dass sie McLaren die neueste Powerunit liefern konnten.

Bei McLaren hofft man, dass man die neuste Spezifikation vor dem nächsten Rennen in Belgien erhalten wird.

Die Regel sorgt zwar für Gleichberechtigung zwischen Werksteam und Kundenteam, aber sie kann nicht garantieren, dass das Kundenteam über das selbe Wissen verfügt wie das Werksteam. Der Vorteil setzt sich letztendlich nicht nur über das Know-How des Motors zusammen. Insgesamt liegt es eher am Fachwissen aus Entwicklung, Kalibrierung und das Management der komplexen Technologie.

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Laura Schanz
Laura Schanz ist seit Juni Teil des CHAMP1.NEWS-Teams. Ursprünglich kommt sie aus dem Bildungswesen, doch ihre Begeisterung für die Formel 1 entwickelte sich schnell von einem Hobby zu einer echten Leidenschaft. Heute verfolgt sie zwei klare Missionen: Zum einen möchte sie alle Strecken des aktuellen Formel-1-Kalenders persönlich besuchen — sechs davon konnte sie bereits abhaken. Zum anderen will sie mit dem hartnäckigen Vorurteil aufräumen, dass Frauen in der Formel 1 keinen Platz hätten. Für Laura ist die Königsklasse weit mehr als schnelle Autos, laute Motoren und der Geruch von verbranntem Gummi. Mit analytischem Blick begleitet sie Rennwochenenden, ordnet aktuelle F1-News und Entwicklungen ein und schreibt klare, verständliche Artikel rund um das Geschehen auf und neben der Strecke. Darüber hinaus ist sie als Social-Media-Host für CHAMP1 aktiv und gehört bei den Live-Sendungen an den Rennwochenenden neben Chantal und David zum On-Air-Team. Ihr Anspruch: die Formel 1 greifbarer, verständlicher und zugänglicher zu machen — für eingefleischte Fans genauso wie für alle, die gerade erst in diesen Sport eintauchen.
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