Donnerstag, 19.02.2026 – Ausgabe Nr. 721.
Die zweite Bahrain-Woche liefert nicht nur schnellere Runden – sie liefert Machtspiele. George Russell setzt die neue 2026er-Bestzeit, Norris und Verstappen duellieren sich früh am Morgen, und Ferrari erlebt mit Hamilton schon wieder Standzeit-Alarm. Gleichzeitig zündet die FIA die eigentliche Bombe: Der Kompressions-Streit wird nicht gelöst, sondern bis zum 1. August vertagt – inklusive neuer 130-Grad-Kontrolle. Und als wäre das nicht genug, brennt bei Aston Martin die Hütte, Bathurst schockt die Motorsport-Welt – und in Deutschland herrscht 15 Tage vor Melbourne beim TV-Thema weiter Funkstille.
©Mercedes AMG F11) Bahrain-Test im Rückblick: Russell setzt die Marke – Tag 5 startet sofort mit Norris vs. Verstappen & Hamilton-Alarm
Woche zwei dreht auf – sportlich und politisch.
Am Mittwoch (Testtag 4) setzte George Russell im Mercedes die bisher schnellste Zeit der 2026er-Generation: 1:33,459 Minuten auf C3, hauchdünn vor Oscar Piastri im McLaren. Ferrari war zwischenzeitlich mit Leclerc vorne, rutschte am Ende aber hinter die Mercedes-Motor-Autos zurück.
Doch die eigentliche Story ist nicht nur die Stoppuhr – sondern die Schlagzahl an Updates: Ferrari mit neuem Unterboden und auffälligem „Flügelchen“ über dem Getriebe, Mercedes mit schlankeren Seitenkästen, Red Bull mit neuem Frontflügel. In Bahrain wird nicht mehr „gesammelt“, Bahrain wird jetzt schon „gezündet“.
Ferrari kam am Mittwoch auf 117 Runden – aber Lewis Hamilton verlor laut Team wegen eines „kleineren Problems“ rund 90 Minuten. Leclerc bremst Erwartungen:
„Derzeit ist es sehr schwierig, allzu viel in die Leistung hinein zu interpretieren…“
Hamilton bleibt trotz der Unterbrechung positiv:
„Es war ein solider Tag… wir sind auf dem richtigen Weg.“
McLaren wirkte wie ein Champion-Team im Arbeitsmodus. Norris experimentierte am Morgen mit Setups und Power-Unit-Einstellungen, am Nachmittag war Piastri schneller. Norris:
„Ich fühle mich im Wagen immer wohler…“
Piastri:
„Das war solide… ich mache gute Fortschritte…“
Brisant wurde auch ein Thema, das man so kaum auf dem Radar hatte: Starts. Ohne MGU-H müssen Fahrer den V6 vor dem Start rund zehn Sekunden hochdrehen, um den Turbo auf Drehzahl zu bringen – mehrere Fahrer fürchten chaotische Startmomente. In Bahrain wurde deshalb extra ein Übungs-Ablauf vereinbart, um das Risiko zu entschärfen.
Und dann heute, Donnerstag (Tag 5 / Tag 2 Woche 2): Es geht sofort weiter mit Psychoduell. Norris legte zunächst 1:34,625 vor, Verstappen konterte mit 1:34,620 – und später stand sogar kurz eine Norris-Referenz von 1:33,453 im Raum. Parallel der große rote Faden: Hamilton stand bis 11:30 Uhr nur bei fünf Runden, Stellwände in der Ferrari-Box – kein Motor-Drama laut Sky Italia, eher ein Problem im Zusammenhang mit neuen Teilen.
Kurz wackelte auch Audi, weil das Auto lange nicht zu sehen war – bis Bortoleto wieder draußen war und eine 1:35,741 setzte. Trotzdem: In Woche zwei will Audi eigentlich genau eins vermeiden – Standzeiten.
©IMAGO / Eibner2) Rechte-Chaos in Deutschland: RTL schweigt – 15 Tage vor Saisonstart herrscht Unklarheit
Am 8. März 2026 startet die Saison in Melbourne – doch in Deutschland wissen viele Fans noch immer nicht, was sie bekommen. Der entscheidende Punkt: Sky hält weiterhin die exklusiven Live-Rechte 2026 (mindestens bis Ende 2027). Wer alles live sehen will, kommt Stand jetzt an Sky nicht vorbei.
RTL war zuletzt über Sublizenzen (u. a. sieben Rennen seit 2024) wieder dabei – aber: für 2026 gibt es keine Bestätigung. Eure Anfrage an RTL endet in einer Aussage, die mehr sagt als sie sagt:
„Wir haben derzeit leider keine Informationen zur Formel 1 bei RTL…“
Das ist zwei Wochen vor Saisonstart kein normales PR-Sprech mehr, das ist ein Vakuum: Wie viele Rennen? Free-TV oder RTL+? Qualifyings? Sprints? Unklar. Im Hintergrund schwebt zwar der geplante RTL-Sky-Deal – aber bis so etwas genehmigt und integriert ist, gilt der Status quo. Und der heißt: Sky exklusiv.
©Imago3) FIA vertagt den Kompressions-Krimi: Frist bis 1. August – und plötzlich steht Sprint-Verdopplung im Raum
Das ist der politische Kern des Tages.
Der umstrittene Kompressions-Kniff bleibt bis zum 1. August 2026 bestehen. Ab dann müssen die Hersteller nachweisen, dass das Verdichtungsverhältnis-Limit auch bei Betriebstemperatur von 130°C eingehalten wird. Die FIA schreibt, man habe eine Methode entwickelt, um den Wechsel von Umgebungs- zu Betriebsbedingungen zu quantifizieren – und setzt damit eine Deadline, statt sofort eine harte Kante zu ziehen.
Übersetzt: Der Streit wird nicht beendet, sondern verlängert. Wenn ein Hersteller (mutmaßlich Mercedes) tatsächlich einen Vorteil ausnutzt, könnte er bis in den Sommer hinein wirken – und damit sportlich wie politisch weiter zündeln.
Fast nebenbei: Die FIA erwähnt Diskussionen über bis zu 12 Sprint-Events – allerdings erst ab 2027. Verdopplung. Noch mehr Format-Druck. Noch mehr politische Verhandlungen – schon bevor überhaupt ein Rennen gefahren ist.
©IMAGO / Ricardo Larreina Amador4) Aston Martin im freien Fall: Stroll explodiert, Krisengipfel, Personalbeben und Getriebe-Alarm
Bei Aston Martin klingt es längst nicht mehr nach „wir lernen“, sondern nach „wir überleben“.
Laut Sport Bild soll es rund um Bahrain Krisengespräche zwischen Lawrence Stroll und dem Führungspersonal gegeben haben – nicht in ruhigem Ton. Videos mit sichtbar mies gelauntem Stroll befeuern die Gerüchte.
Auf der Strecke passt es ins Bild: Am Mittwoch erst Honda-Thema bei Alonso, dann rutschte Stroll nach sieben Runden in den Kies – und es sah laut Bildern eher nach Technik/Schalt-Sicherheitsmodus aus als nach Fahrfehler. 90 Minuten Stillstand. Wieder.
Dazu kommt die strukturelle Notbremse, die ihr bereits thematisiert habt: neue Renningenieure (Cronin bei Alonso, Glass bei Stroll). Und Marca legt die nächste Baustelle offen: Getriebe als großer Performance- und Zuverlässigkeitsfaktor, im Raum steht sogar ein kompletter Austausch – mit möglicher Dauer bis zu sechs Monate.
Aston Martin wollte mit Newey/Honda den Befreiungsschlag. Im Moment wirkt es wie ein Team, das in Woche zwei nicht schneller, sondern nervöser wird.
©x.com/IntercontGTC5) Bathurst-Schock: Flammen-Inferno, Horror-Crash – Ralf Aron mit Rückenbrüchen
Abseits der Formel 1 gab es den Moment, der die ganze Motorsport-Blase einmal still gemacht hat.
Beim 12-Stunden-Rennen von Bathurst krachte Ralf Aron nach einem Restart hinter dem Safety Car in einen querstehenden Porsche – sein Mercedes ging sofort in Flammen auf. Aron kämpfte sich aus dem Wrack, überquerte die Strecke und brach zusammen. Diagnose im Krankenhaus: zwei Rückenbrüche.
Auf Instagram meldete er sich selbst – stabil, Gefühl und Beweglichkeit wieder da. Und er betonte, er wolle verstehen, was schief lief, um solche Situationen künftig zu verhindern. Die F1-/Motorsport-Welt reagierte sofort – Erleichterung, Unterstützung, Respekt.
Das ist der Reminder, den niemand gern braucht: Bei allem Politik-Getöse bleibt Motorsport Risiko.
©IMAGO / Pro Sports Images6) Rechte-Hammer im Darts: DAZN bis 2031, ProSieben holt die WM – und RTL schaut (wieder) zu
Während die Formel 1 in Deutschland zwei Wochen vor Saisonstart nebulös bleibt, zeigt Darts, wie Rechte-Strategie 2026 aussehen kann: langfristig, klar, kommuniziert.
DAZN verlängert in der DACH-Region bis 2031. Und ProSiebenSat.1 sichert sich ab 2027 exklusiv im Free-TV die PDC-WM – Sport1 verliert nach über 20 Jahren das Aushängeschild, bleibt aber mit vielen anderen Events präsent.
Der Kontrast zur Formel 1 könnte kaum größer sein: Dort ist Jahre im Voraus klar, wo was läuft. Hier ist kurz vor Melbourne vieles offen. Das wirkt nicht wie „Premium-Asset“, sondern wie Warteschleife.
Unterm Strich
Bahrain liefert 2026 nicht nur Daten – Bahrain liefert die DNA dieser Saison: Performance plus Politik plus Druck.
Russell knackt die Bestzeit, aber die größere Bombe ist die FIA-Frist bis August. Norris vs. Verstappen läuft im Hintergrund als Psychoduell, Hamiltons Standzeiten werden zur Routine-Story, Aston Martin wirkt wie ein Team im Krisenmodus. Und in Deutschland kommt zum Sport der nächste Stressor dazu: Unklarheit, wo Fans überhaupt planen können.
Die Saison hat noch nicht begonnen – aber sie läuft schon auf Volllast.





