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Aston Martin vor dem Kollaps, Piastri begeistert Melbourne – und der Formel-1-Kalender wackelt schon zum Auftakt

Die neue Formel-1-Saison ist kaum angelaufen, da liefert Melbourne bereits die ersten dramatischen Schlagzeilen.

Freitag, 6. März 2026 – Ausgabe Nr. 728.
Die neue Formel-1-Saison ist kaum angelaufen, da liefert Melbourne bereits die ersten dramatischen Schlagzeilen. Aston Martin steckt schon am ersten Rennwochenende tief in der Krise, Ferrari und McLaren teilen sich die Trainings-Bestzeiten, Red Bull startet holprig ins Jahr – und über dem Kalender hängt wegen des Kriegs im Nahen Osten schon jetzt ein politischer Schatten. Dazu kommt eine kleine, aber folgenreiche Regeländerung, die Valtteri Bottas den Start ohne Altlasten ermöglicht.

©XPB Images

Aston Martin vor dem Kollaps: Honda-Probleme treiben Newey in die Verzweiflung

Für Aston Martin hat die Saison 2026 mit einem Schock begonnen. Während andere Teams in Melbourne bereits Daten sammeln und sich auf Qualifying und Rennen einschießen, ringt der Rennstall aus Silverstone zunächst einmal damit, überhaupt zuverlässig auf die Strecke zu kommen.

Schon im ersten freien Training zeigte sich das ganze Ausmaß des Problems: Fernando Alonso blieb komplett in der Garage, Lance Stroll kam nur auf drei Runden – und lag mit seiner Zeit grotesk weit hinter der Spitze zurück. Im zweiten Training ging es zumindest leicht vorwärts, doch auch dort blieb der Erkenntnisgewinn minimal. Adrian Newey sprach danach ungewöhnlich offen von einer Situation, in der er sich „machtlos“ fühle.

Der Kern des Dramas liegt offenbar in der Honda-Power-Unit. Extreme Vibrationen beschädigen nicht nur technische Komponenten, sondern greifen direkt ins Cockpit ein. Newey erklärte, dass die Schwingungen bis in die Hände der Fahrer durchschlagen können. Alonso versuchte zwar, die Lage etwas zu entschärfen und betonte, dass das Auto kontrollierbar sei, doch auch er sprach von einem ungewöhnlichen und klar problematischen Zustand. Lance Stroll wurde noch deutlicher und verglich das Fahrgefühl mit einem Stromschlag.

Als wäre das nicht genug, kommt ein zweites Problem hinzu: Batterie-Engpass. Aston Martin startete offenbar mit vier Batterien ins Wochenende, doch zwei davon fielen bereits aus. Damit bleiben nur noch zwei funktionierende Einheiten für den Rest des Wochenendes. Sollte eine weitere ausfallen, könnte einer der Fahrer gar nicht mehr fahren. Neue Batterien einzufliegen, sei aktuell keine Option.

Das ist für ein Team, das mit Newey, Honda und Alonso eigentlich den nächsten großen Schritt Richtung Spitze machen wollte, ein katastrophales Signal. Timo Glock nannte die Lage bei Sky ein „Worst-Case-Szenario“. Besonders bitter: Aston Martin brachte zahlreiche Updates nach Melbourne mit, konnte sie aber mangels Fahrzeit kaum bewerten. Statt vom Angriff auf Podien oder Siege zu sprechen, geht es im Moment nur noch darum, überhaupt ein halbwegs funktionierendes Auto auf die Strecke zu bringen.

Für Fernando Alonso ist das besonders hart. Der zweimalige Weltmeister hatte große Hoffnungen in das neue Reglement gesetzt. Jetzt sagt er offen, dass man kaum etwas gelernt habe, weil schlicht die Runden fehlen. Und als Alonso dann auch noch andeutet, er glaube zwar daran, dass Honda das Problem lösen werde – aber nicht zu wissen, ob das noch in die verbleibende Zeit seiner Karriere passe –, wird klar, wie ernst die Lage wirklich ist.

©IMAGO / PsnewZ

Trainingsfreitag in Melbourne: Ferrari legt vor, McLaren kontert – Red Bull rutscht

Sportlich bot der erste Freitag der neuen Saison ein deutlich freundlicheres Bild. Ferrari eröffnete den Tag stark, McLaren schlug am Nachmittag zurück – und am Ende gehörte die Tagesbestzeit dem australischen Heimhelden Oscar Piastri.

Im ersten freien Training setzte Charles Leclerc mit einer 1:20,267 Minuten die Spitze, knapp vor Lewis Hamilton, der damit gleich andeutete, dass Ferrari im neuen Reglement sofort konkurrenzfähig sein könnte. Dahinter lauerten die Red Bulls, während McLaren und Mercedes zunächst etwas unscheinbarer unterwegs waren.

Im zweiten Training änderte sich das Bild jedoch deutlich. Piastri legte vor eigenem Publikum nach und fuhr in 1:19,729 Minuten die Bestzeit des Tages. Dahinter landeten Kimi Antonelli und George Russell, womit Mercedes ebenfalls einen sehr starken Freitag verbuchen durfte. Gerade Antonelli zeigte damit, dass er sofort auf Augenhöhe unterwegs sein kann.

Ferrari blieb konkurrenzfähig, konnte die Wucht aus FP1 aber nicht ganz konservieren. Red Bull dagegen erlebte einen deutlich unruhigeren Nachmittag. Max Verstappen hatte zunächst solide begonnen, verlor in der zweiten Einheit jedoch erst durch ein Problem mit der Steuereinheit Zeit und rutschte später in Kurve 10 ins Kiesbett. Sein RB22 nahm dabei Schaden, die Mechaniker bekamen also früh Zusatzarbeit. Verstappen sprach anschließend von einem nicht reibungslosen Tag und betonte, dass über Nacht noch viel Arbeit anstehe.

Auch bei McLaren war nicht alles perfekt. Lando Norris hatte am Vormittag mit Getriebeproblemen zu kämpfen und kam insgesamt nur auf wenige Runden. Trotzdem schaffte es McLaren, die Session am Ende auf die eigene Seite zu ziehen – vor allem dank Piastri.

Einen ordentlichen Einstand legte auch Audi hin. Nico Hülkenberg eröffnete nicht nur als erster Fahrer überhaupt die neue Saison auf der Strecke, sondern sammelte später in FP2 sogar die meisten Runden aller Piloten. Platz zwölf ist noch kein Ausrufezeichen, aber für ein neues Werksteam war das ein stabiler, sauberer Start – und vor allem ein deutlich besserer Freitag als bei manch etablierter Konkurrenz.

Unterm Strich lässt sich der Freitag in Melbourne so lesen: Ferrari war in FP1 vorn, McLaren setzte in FP2 die stärkste Duftmarke, Mercedes wirkte konstant stark, Red Bull hatte noch Arbeit – und Audi lieferte einen soliden Einstand.

©XPB Images

Kriegs-Alarm im Kalender: Bahrain und Saudi-Arabien stehen auf der Kippe

Während sich in Melbourne sportlich alles aufwärmt, wirft der Krieg im Nahen Osten bereits einen langen Schatten auf den Kalender. Wie bereits in den vergangenen Tagen deutlich wurde, stehen die Rennen in Bahrain (12. April) und Saudi-Arabien (19. April) massiv unter Beobachtung.

Nach aktuellem Stand gilt laut Berichten als wahrscheinlich: Sollten die beiden Rennen aus Sicherheitsgründen abgesagt werden, würden sie nicht ersetzt. Das wäre eine bemerkenswerte Entscheidung – denn damit würde die Saison statt 24 nur noch 22 Grands Prix umfassen.

Die sportliche und logistische Folge wäre erheblich. Zwischen dem Grand Prix von Japan Ende März und Miami Anfang Mai entstünde dann plötzlich eine fünfwöchige Lücke. Für einen durchgetakteten Formel-1-Kalender wäre das höchst ungewöhnlich.

Zwar wurden in Fan- und Medienkreisen Namen wie Portimão oder Imola als mögliche Ersatzstrecken gehandelt, doch intern scheint eine Ersatzlösung aktuell eher unwahrscheinlich. Formel-1-CEO Stefano Domenicali betonte, dass an erster Stelle die Sicherheit aller Beteiligten stehe. Eine endgültige Entscheidung soll laut den aktuellen Berichten spätestens bis zum 20. März fallen.

Damit steht schon wenige Tage nach Saisonbeginn fest: Die Formel 1 muss 2026 nicht nur sportlich liefern, sondern auch mit einer geopolitischen Realität umgehen, die den Kalender direkt beeinflussen kann.

©XPB Images

Keine Startplatzstrafe: Regeländerung rettet Bottas

Zum Schluss noch eine kleinere, aber durchaus interessante Nachricht aus dem Reglement: Valtteri Bottas darf in Melbourne ohne alte Startplatzstrafe antreten.

Viele hatten erwartet, dass Bottas bei seinem Comeback für Cadillac noch eine Strafversetzung aus Abu Dhabi 2024 absitzen müsse. Doch daraus wird nichts. Der Grund ist eine Regeländerung im Sportlichen Reglement: Strafen verfallen nun automatisch, wenn sie nicht innerhalb von zwölf Monaten abgesessen werden können.

Bottas selbst machte die Sache auf Instagram öffentlich und sprach von guten Nachrichten. Damit ist die alte Abu-Dhabi-Strafe endgültig vom Tisch – und der Finne startet ohne Altlasten in seine Rückkehr.

Für viele ist das eine längst überfällige Klarstellung. Denn dass ein Fahrer mehr als ein Jahr später noch für ein altes Vergehen bestraft wird, war schon immer schwer vermittelbar. In diesem Fall hat sich die Formel 1 tatsächlich einmal für eine Lösung entschieden, die nach gesundem Menschenverstand wirkt.

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März, 2026

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