Nach dem ersten Wochenende der Formel 1 in Melbourne wissen die Teams zum ersten Mal so richtig, wo sie stehen. Vor allem Mercedes hat am Wochenende gezeigt, dass das Team in diesem Jahr beide WM-Titel einsacken will.
Das Gesamtpaket der Boliden von George Russell und Kimi Antonelli scheint zurzeit das beste zu sein. Das liegt natürlich auch daran, dass der Rennstall bisher das meiste aus dem neuen Motor herausholt.
Denn ein toller Motor ist keine Garantie für Erfolg, man muss ihn auch verstehen können. Bei genauerem Betrachten stellt man fest, dass vor allem die Mercedes-Kundenteams bislang Probleme haben.
Andrea Stella fordert mehr Informationen von Mercedes. © Bearne / XPB ImagesMcLaren und Teamchef Stella unzufrieden – Ist Mercedes das Problem?
Wer zwei Jahre in Folge Konstrukteursweltmeister wird, der hat hohe Ansprüche. McLaren hat das Ziel, um den Sieg mitzufahren. Bislang ist aber sogar das Podium weit weg. Mercedes und Ferrari stehen klar auf eins und zwei, Red Bull scheint zurzeit auch das etwas stärkere Paket zu haben.
Natürlich ist man beim Erfolgsteam der letzten Jahre damit nicht zufrieden. Bereits gestern berichteten wir über die Kritik von Stella an Mercedes. Laut ihm gäbe es zu wenig Informationen über den neuen Motor vom Hersteller und vom Werksteam. Mercedes-Teamchef Toto Wolff konterte und meinte am Mikro von Sky Sports F1, „man könne nicht alle glücklich machen.“
James Vowles (l.) und Alex Albon (r.) können mit dem Ergebnis in Australien nicht zufrieden sein. © Moy / XPB ImagesVowles verteidigt Mercedes – Albon ist Rennkalender ein Dorn im Auge
Bei Williams läuft bisher überhaupt nichts zusammen. Bei Alex Albon (Platz 13) und Carlos Sainz (Platz 15) fehlte völlig die Pace, um eine Chance auf Punkte zu haben.
Auch James Vowles war nach dem Auftakt unzufrieden, allerdings nahm er Mercedes in der Motoren-Thematik in einer Medienrunde in Schutz.
„Mercedes ist unglaublich fair gegenüber den Kundenteams. Das sage ich schon jetzt. Wir haben alles, was auch ihnen zur Verfügung steht. Sie waren einfach cleverer als wir, und es ist unsere Aufgabe, das aufzuholen. Ich bin nur ein wenig schockiert darüber, wie viel cleverer sie sind.“
Deutliche Worte, vom einstigen Wolff-Vertrauten, der bei Mercedes vor einigen Jahren zu den wichtigsten Figuren gehörte und der als Chef-Stratege die letzte Weltmeisterschaft des einstigen Erfolgsteams mit zu verantworten hatte.
Sein Fahrer Alex Albon scheint aber nicht nur mit dem Auto Probleme zu haben. Er kritisierte den Rennort im Williams-Podcast Team Torque.
„Es ist interessant, dass Melbourne das erste Rennen ist, denn für unsere innere Uhr ist das alles andere als ideal. Der Saisonbeginn ist sofort gelaufen. Es zerstört dich physisch. Das geht sicher jedem im Paddock so, aber es ist ein verdammt harter Weg, eine Saison zu beginnen. Man muss sein Schlafmanagement absolut perfekt im Griff haben.“
Am Ende wird das allerdings sicher nicht der Grund gewesen sein, warum Williams nicht mithalten konnte.
Pierre Gasly hofft auf eine bessere Alpine-Performance in China. © IMAGO / ABACAPRESSGasly spricht von „Schadensbegrenzung“ und fordert Besserung in China
Beim dritten und letzten Werksteam von Mercedes sah es lange so aus, als wenn es ähnlich schlecht wie bei Williams läuft. Doch mit einem soliden Auftritt im Rennen konnte Pierre Gasly zumindest P10 und damit einen Punkt holen.
Allerdings hatte man sich nach dem Wechsel von Renault- auf Mercedes-Motor etwas mehr ausgerechnet. Das machte Pierre Gasly im Interview nach dem Rennen deutlich.
„Wir sind noch weit davon entfernt, das maximale Potenzial unseres Autos auszuschöpfen. In allen Bereichen: Energie, Reifen, Chassis, Set-up. Es ist einfach eine so große Veränderung, dass man fast alle Referenzen neu setzen muss. Alles in allem eine gute Schadensbegrenzung, um diesen einen Punkt mitzunehmen. Ich glaube, wir haben eine Menge gelernt.“
Die Performance von Gasly war ein Hoffnungsschimmer für das Team, das seit Jahren den Erwartungen hinterherläuft. Vielleicht werden die kommenden Wochen zeigen, dass die Umstellung von Werks- auf Kundenteam eine gute Entscheidung war.









