Freitag, 13. Februar 2026 – Ausgabe Nr. 718.
Die neue Formel-1-Ära zeigt schon vor dem ersten Rennen ihre Zähne. In Bahrain eskalieren nicht nur die Rundenzeiten – sondern auch die Emotionen. Max Verstappen wirkt genervt wie selten, Lando Norris kontert eiskalt, Charles Leclerc setzt sportlich ein Ausrufezeichen. Mercedes taumelt – und schlägt am Freitagmorgen plötzlich zurück. Parallel dazu spitzt sich das Motoren-„Schummel-Gate“ dramatisch zu.
©IMAGO / DeFodi Images„Macht gar keinen Spaß“ – Verstappen stellt die neue F1 offen infrage
So deutlich hat man Max Verstappen selten gehört.
Auf die Frage, ob Bahrain Spaß mache, antwortete der vierfache Weltmeister trocken:
„Nein, nein, eigentlich gar nicht.“
Und dann legte er nach:
„Das macht gar keinen Spaß, zu fahren … Das ist ein wenig wie Formel E auf Steroiden.“
Was ihn stört? Weniger Vollgas, mehr Energiemanagement. Weniger instinktives Pushen, mehr Rechnen im Cockpit.
„Vieles, was man als Fahrer tut, hat einen enormen Einfluss auf den Energieverbrauch.“
Für Verstappen fühlt sich das nicht mehr wie „originale Formel 1“ an. Und der Unterton ist brisant: Sollte das Fahren dauerhaft keinen Spaß machen, könne man über Alternativen nachdenken – trotz Vertrag bis Ende 2028.
Ein Satz, der im Fahrerlager hängen bleibt.
Norris kontert eiskalt – Ferrari setzt das sportliche Ausrufezeichen
Lando Norris reagierte auf Verstappens Frust mit bemerkenswerter Klarheit:
Wenn es Max nicht gefällt, „dann soll er halt zurücktreten“.
Für Norris gehört Veränderung zur Formel 1. Mal sind Autos angenehmer, mal nicht. Er selbst habe Spaß – und sehe keinen Grund zu jammern.
Sportlich war der Donnerstag ohnehin eine klare Ferrari-Nummer.
Charles Leclerc fuhr in 1:34,273 Minuten die Tagesbestzeit – mit deutlichem Vorsprung. Rund eine halbe Sekunde dahinter Norris. Überraschend stark: Oliver Bearman im Haas, über eine Sekunde zurück, aber drittschnellster.
Doch Tempo war nur die halbe Geschichte.
©Mercedes AMG F1Red Bull verliert fast eine Session – Mercedes komplett im Chaos
Bei Red Bull ging am Donnerstagvormittag fast nichts. Isack Hadjar stand stundenlang in der Garage, Berichte sprachen von einem Hydraulikleck am Chassis. Erst kurz vor der Mittagspause drehte der RB wieder eine Installationsrunde. Eine Session faktisch verloren.
Noch härter traf es Mercedes.
Kimi Antonelli kam am Vormittag gerade einmal auf drei Runden. Später war von Motorproblemen die Rede, zeitweise sogar von einem möglichen Komplettwechsel. Am Ende: 16 Runden – letzter im Klassement.
Dazu mehrere Rotphasen, unter anderem ausgelöst durch Valtteri Bottas im Cadillac und Pierre Gasly.
Stillstand, Nervosität, Fragezeichen.
©Aston MartinAston Martin mit Alarmstufe Rot – Audi macht Mut
Wenn es ein Team mit echten Bauchschmerzen gibt, dann ist es Aston Martin.
Lance Stroll rechnete öffentlich vor:
„Im Moment sieht es so aus, als wären wir vier Sekunden hinter den Top-Teams, viereinhalb.“
Vier Sekunden. Ein Satz wie ein Schlag.
Zusätzliche Brisanz brachte ein Bericht von Journalist Carlos Miquel: Der Aston Martin könne angeblich nicht über 11.000 U/min drehen, während andere bei rund 12.100 unterwegs seien. Nicht bestätigt – aber das Gerücht allein zeigt die Nervosität.
Positiver klang es bei Audi.
Nico Hülkenberg sprach bei Sky von einem „guten Schritt nach vorne“ bei Performance und Zuverlässigkeit.
„Wir sind keine Millionen Kilometer weit weg.“
Bahrain sei brutal – Hitze, Wind, Stop-and-Go. Genau deshalb sei jeder Fortschritt wertvoll.
Freitagmorgen: Russell schockt mit Bestzeit – aber die Zweifel bleiben
Nach dem Mercedes-Drama vom Donnerstag folgte am Freitagmorgen die überraschende Wende.
George Russell fuhr in 1:33,918 Minuten die bislang schnellste Zeit der Testwoche.
Ein Befreiungsschlag?
Nur auf den ersten Blick.
Sky-Sports-Reporter Nigel Chiu verwies sofort auf die Longrun-Zahlen: Während Leclerc und Verstappen über viele Runden stabile 1:37er-Zeiten fuhren, wirkte Russells Rennsimulation nicht auf diesem Niveau.
Bestzeit ja – Dominanz nein.
Lewis Hamilton folgte im Ferrari auf P2, Verstappen auf P3. Alle drei sammelten solide Kilometer. Auffällig fleißig: Liam Lawson bei den Racing Bulls mit den meisten Runden im Feld.
Parallel kocht das Narrative-Duell hoch.
Wolff hatte Red Bull-Ford zuvor als neue Messlatte bezeichnet – von „bis zu einer Sekunde pro Runde“ gesprochen. Lawson nannte das „lächerlich“. Verstappen sprach von einer „Ablenkungstaktik“.
Fakt ist: Niemand will zu früh Favorit sein.
©IMAGO / EibnerMotoren-„Schummel-Gate“: Ex-Rennleiter warnt vor „krimineller Energie“
Während die Teams Kilometer sammeln, tobt hinter den Kulissen der eigentliche Machtkampf.
Im Zentrum: das Verdichtungsverhältnis der neuen Power Units.
Das Reglement erlaubt maximal 16:1, gemessen statisch bei Umgebungstemperatur. Der Vorwurf: Im heißen Rennbetrieb könne durch thermische Effekte effektiv höher verdichtet werden – in manchen Berichten ist von bis zu 18:1 die Rede.
Mehr Effizienz. Mehr Leistung. Mehr Spielraum beim Energieeinsatz.
Ferrari, Honda und Audi erhöhen den Druck auf die FIA. Im Raum steht eine kurzfristige Anpassung der Messmethode – etwa eine Kontrolle bei Betriebstemperatur.
CHAMP1 sprach exklusiv mit dem ehemaligen Formel-1-Rennleiter Niels Wittich.
Er stellt klar:
Das Reglement gilt zu jedem Zeitpunkt – kalt wie warm.
Gleichzeitig erinnert er daran, dass das Ausloten von Grauzonen zur DNA der Formel 1 gehört.
Doch als es um die Grenze zwischen Innovation und bewusster Umgehung geht, fällt ein Satz, der einschlägt:
„Das wäre ja schon kriminelle Energie.“
Ein Satz mit Sprengkraft.
Entweder ist an den Vorwürfen nichts dran – oder es stünde ein massiver Integritätskonflikt im Raum.
Wittich ordnet zudem ein:
- Wie realistisch ist eine gerichtsfeste Messung im heißen Rennbetrieb?
- Wie funktioniert der Governance-Prozess?
- Drohen Proteste oder gar Disqualifikationen in Melbourne?
Das vollständige Exklusiv-Interview erscheint am Samstag, 14.02.2026, ab 10:00 Uhr auf YouTube und CHAMP1.NEWS.
Zwischen Frust, Bestzeiten und Politik
Nach zwei intensiven Testtagen und einem explosiven Freitagmorgen zeichnet sich ein Bild:
Leclerc setzt sportlich das Ausrufezeichen.
Mercedes taumelt – und schlägt zurück.
Red Bull verliert Zeit – und Verstappen verliert die Geduld.
Aston Martin wirkt alarmiert.
Und im Hintergrund entscheidet sich womöglich der erste große Machtkampf der Saison.
Die neue Formel-1-Ära fordert Fahrer und Teams mental mehr als erwartet.
Und sie hat noch nicht einmal begonnen.





