Dienstag, 17. Februar 2026 – Ausgabe Nr. 720.
Kurz vor dem Saisonstart wird in der Formel 1 nicht nur an Autos geschraubt – sondern an Menschen, Strukturen und sogar an der Identität des Sports. Aston Martin sortiert die Garage neu, Red Bull verliert einen der Architekten seiner Dominanz. Und im Kalender zeigt sich: Tradition ist kein Schutzschild mehr.
©Aston Martin1) Aston Martin im Krisenmodus: Alonso bekommt neuen Ingenieur – Gearbox als Zeitbombe?
Bei Aston Martin ist die Test-Ernüchterung offenbar nicht folgenlos geblieben.
Wie The Race berichtet, kommt es kurz vor Melbourne zu massiven personellen Veränderungen an der Boxenmauer.
Fernando Alonso erhält mit sofortiger Wirkung Chris Cronin als neuen Renningenieur.
Andrew Vizard bleibt zwar im Team, ist aber nicht mehr die direkte Stimme im Ohr des Spaniers.
Auch Lance Stroll bekommt eine neue Struktur:
Gary Cannon wird versetzt, künftig funkt Stephen Glass – seit 2019 im Team – an der Boxenmauer.
Offiziell gibt es keine Begründung.
Inoffiziell ist klar: Bahrain war ein Warnsignal.
Die spanische Zeitung Marca berichtet, dass ein Großteil der Probleme auf die Gearbox zurückzuführen sei. Ein kompletter Austausch stehe im Raum – mit einem potenziellen Zeitrahmen von bis zu sechs Monaten.
Sechs Monate in einer Saison unter komplett neuem Reglement.
Das erklärt, warum in Silverstone jetzt jedes Detail hinterfragt wird – auch die internen Abläufe. Der Umbau an der Boxenmauer ist kein Aktionismus. Er ist ein Zeichen dafür, wie ernst die Lage intern eingeschätzt wird.
©Getty Images / Red Bull2) Red Bull verliert Craig Skinner – der RB19-Architekt geht
Während Aston Martin um Anschluss kämpft, verliert Red Bull überraschend eine zentrale Figur der jüngsten Erfolge.
Chef-Designer Craig Skinner verlässt das Team – nach 20 Jahren.
Skinner war seit 2006 Teil von Red Bull, leitete zwischenzeitlich die Aerodynamik-Abteilung und wurde 2022 Chef-Designer. Er spielte eine Schlüsselrolle beim Bau des dominanten RB19 – jenem Auto, das 2023 beide WM-Titel einfuhr.
Die offizielle Mitteilung ist knapp und respektvoll.
RacingNews365 berichtet unter Berufung auf interne Quellen, dass der Abschied freiwillig erfolgte und nicht mit internen Spannungen zusammenhänge.
Trotzdem bleibt der Zeitpunkt bemerkenswert.
Ein Reglementwechsel steht bevor, Strukturen verschieben sich – und Red Bull verliert einen technischen Eckpfeiler.
Ob das sportlich spürbar wird, ist offen.
Aber in einer Phase, in der Stabilität Gold wert ist, ist jede personelle Bewegung ein sensibles Thema.
©Getty Images / Red Bull3) Kalender-Beben: Barcelona verliert Status, Spa rotiert – und Madrid ist noch Baustelle
Parallel dazu wird auch der Formel-1-Kalender neu geschrieben.
Barcelona bleibt zwar im Programm – allerdings nur noch im Rotationsmodell.
Gefahren wird dort ab 2028 nur noch in den Jahren 2028, 2030 und 2032.
Und: Der traditionsreiche Titel „Großer Preis von Spanien“ geht ab 2026 an Madrid.
Künftig heißt das Rennen in Katalonien „Großer Preis von Barcelona-Catalunya“.
Auch Spa-Francorchamps verliert den jährlichen Fixplatz und rotiert künftig in ungeraden Jahren (2027, 2029, 2031).
Die Botschaft ist eindeutig:
Tradition allein reicht nicht mehr.
Wer im Kalender bleiben will, muss investieren – modernisieren – wirtschaftlich liefern.
Und während Barcelona und Spa um ihre Rolle kämpfen, steht Madrid unter enormem Druck.
Der neue Stadtkurs („Madring“) soll im September debütieren. Doch Bilder der Bauarbeiten – Erdbewegungen, unfertige Passagen, Zeitdruck – werfen Fragen auf.
Inoffiziell wird über eine mögliche Backup-Lösung spekuliert – etwa Portimão.
Offiziell bestätigt ist das nicht.
Aber allein die Diskussion zeigt: Der Expansionskurs der Formel 1 ist ambitioniert – und riskant.
Zwischen Umbau, Abgang und Neubeginn
Aston Martin baut die Garage um, weil die Technik drückt.
Red Bull verliert einen Architekten – und muss Stabilität beweisen.
Der Kalender zeigt: Kein Name ist mehr unangreifbar.
Die neue Formel-1-Ära beginnt nicht erst in Melbourne.
Sie beginnt jetzt – mit Personalentscheidungen, Vertragsmodellen und strategischen Verschiebungen hinter den Kulissen.
Und sie zeigt:
Nicht nur die Autos werden neu gebaut.
Die Formel 1 selbst wird gerade neu sortiert.





