Dienstag, 24.02.2026 – Ausgabe Nr. 723.
Die Formel 1 ist noch keine Runde in Melbourne gefahren – und trotzdem läuft das Paddock schon im Ausnahmezustand: Christian Horner bricht nach seinem Red-Bull-Rauswurf öffentlich das Schweigen, bei Aston Martin wird Alonsos Zukunft plötzlich zur Wette mit dem AMR26, und der Grundsatzstreit um die neue Hybrid-Ära eskaliert weiter – mit Russell gegen Verstappen, Norris mit Kehrtwende und einem klaren Urteil von Ex-Rennleiter Niels Wittich.
©IMAGO / HochZwei1) Horner packt aus: „Mist-Sandwich serviert“ – und Wolff schreibt ihm eine Nachricht wie aus einem Drehbuch
Erstmals seit seiner Entlassung meldet sich Christian Horner in „Drive to Survive“ öffentlich zu Wort – und beschreibt seinen Abgang als emotionalen Tiefschlag: plötzlich, schmerzhaft, ohne echten Abschied. Besonders brisant: Horner entlastet Max Verstappen und schiebt die Verantwortung stattdessen Richtung Konzernspitze – Oliver Mintzlaff als Entscheider, Helmut Marko als Strippenzieher „vom Spielfeldrand“.
Als Wendepunkt nennt Horner den Tod von Dietrich Mateschitz – danach habe sich die Machtbalance verändert, möglicherweise habe man ihm „zu viel Kontrolle“ zugeschrieben. Auch sportlich setzt er Stiche: Der schnelle Fahrerwechsel Lawson/Tsunoda sei nicht „sein“ Move gewesen, Marko habe die Junior-Schiene massiv gedrückt.
Das menschliche Highlight (und gleichzeitig pures Paddock-Gold): Horner liest eine Nachricht von Toto Wolff vor – sinngemäß zwischen „du warst ein A…“ und „der Sport wird dich vermissen“. Horner kontert ähnlich bissig und zeigt: Diese Rivalität war eine ganze Ära – 14 der letzten 15 Titel gingen an Teams unter Horner/Wolff. Aber: Der Riss bei Red Bull wirkt auch heute noch nicht verheilt.
©IMAGO / HochZwei/Syndication2) Alonso vor dem Abschied, Mercedes jagt ein deutsches Wunderkind – und Williams holt Damon Hill zurück
Bei Aston Martin wird’s existenziell: Ein Bericht stellt in den Raum, dass Fernando Alonso am Saisonende „sehr wahrscheinlich“ Schluss macht – falls Aston Martin 2026 wieder nur Mittelfeld liefert. Die Logik dahinter ist brutal: Nur ein Auto, das um Pole und Siege fährt, hält Alonso in der Königsklasse. Und nach den Bahrain-Tests fehlte vielen der Glaube, dass Aston Martin schon da ist.
Parallel baut Mercedes am nächsten deutschen Hoffnungsträger: Das 11-jährige Kart-Talent Devin Titz wird ins Juniorprogramm aufgenommen – plus ein klares Signal, dass Mercedes wieder stärker auf deutsche Identifikation setzt. Dazu kommt mit Theo Pourchaire ein neuer Entwicklungsfahrer als zusätzlicher Baustein fürs 2026er Projekt.
Und während Alonso womöglich Richtung Exit schaut, setzt Williams auf Historie: Damon Hill (Weltmeister 1996) kehrt als Teambotschafter zurück. Williams will wieder mehr Identität, Strahlkraft, Tradition – und lässt seine Ikonen bewusst sichtbar werden.
©IMAGO / Michael Potts3) Streit um die neue Formel 1: Russell kontert Verstappen – Norris rudert zurück – Wittich sagt: „Kein Rückschritt“
Der große Kulturkampf um die 2026er Autos geht weiter. Verstappen hatte die neue Generation als „Formel E auf Steroiden“ kritisiert – George Russell widerspricht deutlich: Für ihn bleibt das Prinzip gleich, das Auto wird am Limit bewegt, nur die Werkzeuge und Schwerpunkte hätten sich verschoben.
Spannend: Lando Norris macht eine Kehrtwende. Nachdem er Verstappen erst spöttisch „zum Rücktritt“ geraten hatte, erklärt er später, er habe bewusst provoziert, um Reaktionen zu sehen – und gibt Verstappen in Teilen sogar recht: Weniger Spaß als früher, aber weiterhin Herausforderung.
Und dann kommt die Einordnung von Niels Wittich aus „RACE CONTROL“: Für ihn ist die neue F1 „kein Rückschritt“. Hybrid sei Hightech, Lift-and-Coast gebe es seit Jahren – und am Ende zähle ohnehin, was passiert, wenn die Ampel ausgeht.
©Instagram / Mick Schumacher4) Blick über den Tellerrand: Ecclestone warnt Mick – Türkei teasert ein Comeback – Melbourne setzt ein historisches Zeichen
Mick Schumacher startet in der IndyCar neu – aber Bernie Ecclestone dämpft die Romantik: In Amerika zählt nur Gewinnen, der Name hilft nicht, und „große Hilfe“ gibt es dort auch nicht.
Währenddessen deutet Stefano Domenicali ein mögliches Türkei-Comeback an („Stay tuned“) – mit dem Hinweis, dass Rückkehrer eher traditionelle Strecken als reine Straßenkurse sein sollen, bei weiterhin maximal 24 Rennen.
Und Melbourne setzt zum Saisonstart am 8. März ein starkes Symbol: Zwei Kurven werden nach Hannah Schmitz und Laura Müller benannt – ein sichtbares Zeichen für Frauen in der Formel 1, das es so bislang nicht gab.
Unterm Strich
Diese Ausgabe fühlt sich an wie ein Paddock im Umbruch: Horner reißt alte Wunden bei Red Bull wieder auf, Alonso steht gefühlt mit einem Fuß an der Exit-Tür, die neue Hybrid-Formel 1 spaltet Fahrer und Meinungslager – und gleichzeitig werden die Weichen für die Zukunft gestellt: Nachwuchs, Comebacks, Kalender-Gerüchte, historische Signale.
Melbourne ist nah.
Und diese Saison startet nicht nur sportlich – sie startet emotional, politisch und mit maximaler Spannung.





