Während Max Verstappen auf Mercedes-AMG setzt, bleibt Thierry Vermeulen seiner eigenen Linie treu – und sorgt damit für ein spannendes internes Duell.
Eigenständigkeit statt Gefolgschaft
Im Fahrerlager gilt Max Verstappen längst nicht mehr nur als Dominator der Formel 1, sondern zunehmend auch als treibende Kraft im GT-Sport. Sein Projekt „Verstappen.com Racing“ setzt künftig klar auf Mercedes-AMG – sowohl in der GT World Challenge Europe als auch beim prestigeträchtigen 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife.
Doch einer macht diesen Schritt bewusst nicht mit: Thierry Vermeulen. Trotz enger persönlicher Bindung und jahrelanger Zusammenarbeit bleibt der 23-Jährige Ferrari treu und damit auch seinem Team Emil Frey Racing.
„Max hat eine großartige Wahl getroffen.“
Doch im selben Atemzug zieht er eine klare Linie:
„Was meine eigene Karriere angeht, bin ich Emil Frey sehr dankbar.“
Es ist also kein Bruch, sondern eine bewusste Differenzierung.
Vermeulen entscheidet nicht gegen Verstappen. Er entscheidet für sich.
Thierry im Spagat zwischen Red Bull, Ferrari und Mercedes. | © Thomas Pakusch/XPB ImagesFerrari als Karriere-Kompass
Dass diese Entscheidung nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung getroffen wurde, unterstreicht Vermeulen mehrfach. Der Ferrari 296 GT3 ist für ihn mehr als nur ein Einsatzfahrzeug – er ist ein Entwicklungsinstrument. „Der Ferrari liegt mir sehr gut“, sagt er. Eine nüchterne Aussage, die im Motorsport jedoch oft über Sieg oder Niederlage entscheidet.
Seit seinem DTM-Debüt hat Vermeulen im Umfeld von Emil Frey Racing kontinuierlich Fortschritte gemacht. Top-10-Ergebnisse, steigende Konstanz, wachsendes Selbstvertrauen. 2026 soll der nächste Schritt folgen: der Angriff auf die Spitze.
Auch strategisch ergibt seine Entscheidung Sinn. Kontinuität im Team, Vertrautheit mit dem Fahrzeug und ein stabiles Umfeld sind im GT-Sport oft entscheidender als kurzfristige Prestigewechsel.
Oder anders formuliert: Während Verstappen expandiert, konsolidiert Vermeulen.
Freundschaft im Wettbewerb
Trotz unterschiedlicher Marken bleibt die Verbindung der beiden Niederländer eng. Nicht nur, weil Thierrys Vater der Manager von Max ist, sondern auch, weil die beiden sich bereits seit Jahren kennen. Vermeulen beschreibt den Austausch mit Verstappen als konstant und wertvoll:
„Ich habe immer noch viel Kontakt mit Max, was meine Rennen angeht.“
Tipps, Analysen, Unterstützung – die Nähe bleibt bestehen.
Und doch kommt es 2026 zu einer neuen Dynamik: Erstmals stehen sich die beiden indirekt als Konkurrenten gegenüber. AMG gegen Ferrari, Nordschleife gegen Nordschleife: ein internes Duell unter dem Banner von Verstappen Racing.
Besonders emotional: Vermeulen hätte sich einen gemeinsamen Einsatz gewünscht. „Natürlich hätte ich gerne das Auto mit ihm geteilt“, gibt er offen zu. Stattdessen trifft man sich nun auf der Strecke als Gegner.
Ein Szenario, das im Motorsport selten ist: beste Freunde, gleiche Struktur, unterschiedliche Waffen.
Archivbild 2025: Emil Frey Ferrari im Duell mit dem Winward Mercedes. | ©IMAGO / foto2pressMehr als nur eine Markenfrage
Die Entscheidung gegen AMG ist somit kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines klaren Plans. Vermeulen baut seine Karriere nicht im Schatten von Verstappen auf, sondern entlang eigener Stärken und Erfahrungen.
Und die Zukunft? Offen. „Wer weiß? Vielleicht ergibt sich irgendwann die Gelegenheit, gemeinsam zu fahren“, sagt Vermeulen mit Blick nach vorn.
Bis dahin bleibt es bei einem faszinierenden Spannungsfeld: Nähe und Konkurrenz, Vertrauen und Wettbewerb, Ferrari und AMG.
Am Ende ist Vermeulens Entscheidung ein Lehrstück moderner Karriereführung im Motorsport. Nicht jeder folgt dem größten Namen – manche folgen dem richtigen Timing.
Und genau darin liegt die eigentliche Stärke dieses Duells.
































