Freitag, 20.02.2026 – Ausgabe Nr. 722.
Bahrain liefert zum Finale der Wintertests genau das, was diese neue Ära verspricht: Bestzeiten im Hundertstelbereich, Defekte im schlimmsten Moment – und Teams, die plötzlich nicht nur gegen die Uhr, sondern gegen die Realität kämpfen. Mercedes ist schnell, aber zerbrechlich. Audi wirkt so nah dran wie noch nie. Und Aston Martin? Muss öffentlich eingestehen, dass es wegen Batterie-Problemen und fehlender Teile nur noch Stückwerk testen kann.
©IMAGO / MAXPPP1) Bahrain-Test Tag 5 & letzter Morgen: Antonelli-Bestzeit – dann der Schock, Hülkenberg lässt Audi hoffen, Aston Martin fällt auseinander
Der fünfte Testtag brachte die neue Benchmark dieser Tests: Kimi Antonelli fährt im Mercedes eine 1:32,803 – Tagesbestzeit. Und es ist nicht irgendeine Bestzeit: Oscar Piastri liegt nur 0,058 Sekunden dahinter, Verstappen folgt auf P3. Das Bild bleibt: Mercedes, McLaren, Red Bull, Ferrari sind die Referenz.
Und mittendrin ein deutscher Hoffnungsschimmer, der sich nicht wie PR anfühlt:
Nico Hülkenberg bringt den Audi auf P7 (1:33,987) – so nah an der Spitze war das neue Werksteam bislang nicht. Dazu ein Wert, der im Fahrerlager sofort hängen bleibt: Top-Speed-Bestwert 341 km/h. Und auch im Longrun wirkt das Paket stabil: solide 1:39er-Zeiten, in einer Region, die man bei Audi vor wenigen Wochen noch nicht erwartet hätte.
Ferrari bleibt im Mix – aber nicht ohne Kratzer. Hamilton tastet sich nach vorne, wirkt zwischendurch sichtbar noch im Suchmodus und landet sogar im Kies. Leclerc bleibt konstant im Vorderfeld und unterstreicht erneut: Ferrari hat Potenzial, aber Mercedes war an diesem Tag minimal schneller.
Verstappen macht das, was Verstappen in Tests am liebsten macht: Kilometer fressen und im Renntrimm sprechen. 139 Runden, eine starke Rennsimulation – hochgerechnet wirkt er im „imaginären Rennvergleich“ sogar schneller als Piastri. Verstappens Fazit ist gewohnt nüchtern:
„Ein langer Tag, viel gefahren, viel getestet… alles in allem gut. Wir haben erneut viel gelernt.“
Während Audi aufblüht, bleibt Cadillac im Rückstand – mehrere Sekunden langsamer, Standzeiten inklusive. Und bei Aston Martin hatte man schon am Donnerstag das Gefühl: Hier sitzt das Problem tiefer.
Dann kommt der letzte Testmorgen – und kippt die Stimmung sofort:
Zunächst setzt Leclerc die Bestzeit (1:33,689). Antonelli ist wieder dran – bis sein Test abrupt endet: Wagen abgestellt, Motorwechsel. Testschluss. Ausgerechnet beim letzten Einsatz vor Melbourne. Aus Statement wird plötzlich Fragezeichen.
Und dann die Szene, die für Aston Martin schon jetzt wie ein Albtraum klingt:
Honda muss öffentlich erklären, dass ein Batterie-Problem den Plan zerstört – und dass wegen fehlender Teile der komplette Fahrplan massiv eingeschränkt wird:
„Bei unserem letzten Lauf mit Fernando Alonso trat ein Problem mit der Batterie auf…“
„Aufgrund eines Mangels an Teilen für die Antriebseinheit haben wir den Fahrplan erheblich eingeschränkt.“
Übersetzt: Keine echte Rennsimulation vor Melbourne. Kein sauberer Härtetest. Zwei Wochen vor Saisonstart ist das nicht „suboptimal“, das ist ein verheerendes Signal.
Kurios am Rande (und typisch Bahrain): Ocon fährt bei rund 45 Grad Streckentemperatur auf Intermediates – reiner Aero-Test. Ergebnis: Quersteher, dicke Gummispuren, Staunen im Fahrerlager.
Hülkenberg bleibt bis zur Mittagspause unspektakulär solide (P9, +2,330) – aber genau diese Störungsfreiheit ist aktuell auch ein Wert.
©Getty Images / Red Bull2) Verstappen wirbelt – Red Bull bleibt cool: „Null Sorgen“ und ein Nadelstich gegen McLaren
Max Verstappen kritisiert das neue Reglement weiter scharf, spricht von „Formel E auf Steroiden“ und deutet an, dass ein Reglement ohne Fahrspaß irgendwann auch Konsequenzen haben könnte.
Doch Red Bull versucht, genau das zu verhindern: Eskalation.
Teammanager Laurent Mekies bleibt demonstrativ gelassen:
„Die kurze Antwort… Nein, null Sorgen darüber.“
Sein Spin ist clever: Ja, das neue Reglement ist hart – aber gerade deshalb glaubt er, dass Verstappen es am Ende am besten meistern wird. Sinngemäß: Wenn jemand diese „Tricks“ knackt, dann Max.
Auch Ralf Schumacher mahnt zur Ruhe: Neue Regeln sorgen immer erstmal für Gezeter – wie 2022 beim Hüpfen. Erst später kommt die Lösung.
Ein weiterer Brennpunkt: die neuen Startprozesse ohne MGU-H. Fahrer müssen den V6 vor dem Start hochdrehen, Timing wird zur Lotterie – McLaren warnt vor Chaos in der Aufstellung. Ein FIA-Mitarbeiter sagt sinngemäß: Die lernen das, sie kriegen es in den Griff.
Und Verstappen? Der verteilt einen typisch trockenen Stich Richtung Papaya:
„Die können ja immer aus der Boxengasse starten…“
Das ist Red Bulls Modus gerade perfekt zusammengefasst: außen cool, innen wach, und verbal immer mit einer Klinge zwischen den Zähnen.
©IMAGO / ABACAPRESS3) Motoren-Zoff: Toto Wolff platzt der Kragen – „absoluter Blödsinn“
Der politische Krieg läuft längst parallel zur Strecke – und Toto Wolff hat sichtbar genug.
Er poltert gegen Vorwürfe, Mercedes fahre illegal:
„…völliger Blödsinn, absoluter Blödsinn.“
Und als wäre das nicht genug, reagiert er gereizt auf das nächste Gerücht (Kraftstoff nicht homologiert) und überspitzt den ganzen Mechanismus der Testzeit-Gerüchtekultur mit einem Spruch, der im Presseraum zwar Gelächter auslöst, aber eine klare Botschaft trägt: Mercedes fühlt sich ins Visier genommen.
Fakt ist: Die FIA hält am Kompromiss fest. Ab 1. August 2026 soll bei 130°C Betriebstemperatur nachgewiesen werden, dass die 16:1 auch unter realen Bedingungen eingehalten wird. Bis dahin bleibt das Thema wie ein Timer über der Saison – und genau solche Timer machen die Formel 1 toxisch, weil sie Storylines am Leben halten, egal was auf der Strecke passiert.
©McLaren4) Norris privat wieder allein: Liebes-Aus kurz vor der Titelverteidigung
Während in Bahrain Motoren, Batterien und Narrative brennen, landet auch privat eine Schlagzeile im Paddock:
Laut Aussagen von F1-Fotograf Kym Illman (und Berichten der Sun) sollen sich Lando Norris und Margarida „Magui“ Corceiro erneut getrennt haben.
Ein virales Video aus Bahrain liefert den Moment, der die Gerüchte füttert: Carlos Sainz fragt, ob „er und Magui“ gut seien – Norris antwortet knapp: „No“ und bezeichnet sich als „single man“.
Offiziell ist nichts bestätigt. Aber die Symbolik ist klar: Norris geht als Weltmeister in die Mission Titelverteidigung – und privat wirkt es, als wäre er wieder allein.
Was von Bahrain hängen bleibt
Mercedes zeigt Tempo – aber verliert ausgerechnet am letzten Morgen den wichtigsten Rookie-Einsatz durch einen Motorwechsel. Audi liefert mit Hülkenberg nicht die große Sensation, aber die vielleicht wichtigste Botschaft: Wir sind näher dran, als ihr denkt. Red Bull bleibt stabil im Rennbild und lässt sich vom Verstappen-Frust nicht öffentlich anstecken. Ferrari ist weiter gefährlich – aber nicht ohne Wackler.
Und Aston Martin?
Wenn ein Team zwei Wochen vor Melbourne öffentlich eingestehen muss, dass es wegen Batterie-Problemen und fehlenden Teilen den Testplan zusammenstreicht, dann ist das kein „Testproblem“.
Dann ist das ein echter Alarmzustand.
Melbourne kommt.
Und Bahrain hat gerade erst gezeigt, wie gnadenlos diese neue Ära sein kann.





