Noch vor wenigen Wochen galt Mercedes als der große Gewinner des neuen Reglements. In Barcelona machten Schlagworte wie „Motor-Wunder“ die Runde, Rivalen spekulierten über technische Grauzonen – die Silberpfeile schienen 2026 den Ton anzugeben.
Doch nach dem ersten offiziellen Testtag in Bahrain klingt das ganz anders.
Der Mercedes-Pilot fuhr seine ersten Bahrain-Runden mit dem neuen W17 | © Mercedes F1-TeamAusgerechnet Toto Wolff selbst rückt das Kräfteverhältnis zurecht – und zwar deutlich zugunsten von Red Bull.
„Sie sind in der Lage, mehr Energie auf der Geraden einzusetzen als alle anderen“, erklärte der Mercedes-Teamchef am Mittwoch in einer Medienrunde. Der Effekt sei gravierend: „Wir reden da von einer Sekunde pro Runde über mehrere Runden in Folge.“
Eine Aussage, die aufhorchen lässt.
Verstappen + Technik = Problem für Mercedes?
Max Verstappen mit seiner neuen Startnummer 3 legt im RB22 einen starken Auftritt hin | © Getty Images / Red Bull Content PoolBesonders im Fokus standen die Long Runs am Vormittag. George Russell und Max Verstappen absolvierten nahezu zeitgleich ihre Rennsimulationen – ein direkter Leistungsvergleich unter realistischen Bedingungen.
Das Fazit aus Sicht von Wolff fiel nüchtern aus: „Ich hatte gehofft, dass sie schwächer sind, aber sie haben einen sehr guten Job gemacht.“
Und es geht nicht nur um den Motor. Mit Max Verstappen sitzt bei Red Bull weiterhin der vielleicht konstanteste Fahrer im Feld. „Diese Kombination ist stark“, räumte Wolff ein.
Damit wird klar: Mercedes sieht sich aktuell nicht als Gejagter, sondern als Jäger.
George Russell beim Shakedown in Barcelona | © Mercedes F1-TeamVon Motor-Gerüchten zur Realität
Dabei war das Bild vor Bahrain ein anderes. Nach den Januar-Tests in Barcelona hatte Mercedes mit hoher Zuverlässigkeit und vielen Runden überzeugt. Schnell entstand der Eindruck, die Silberpfeile könnten einen entscheidenden Vorteil gefunden haben.
Im Zentrum der Diskussion stand das Verdichtungsverhältnis des Verbrennungsmotors. Ab 2026 ist ein Wert von 16:1 vorgeschrieben, zuvor waren 18:1 erlaubt. Gerüchte besagten, Mercedes habe eine technische Lösung entwickelt, um unter bestimmten Bedingungen wieder höhere Werte zu erreichen – was sofort Spekulationen über einen möglichen Regelverstoß auslöste.
Doch am ersten Testtag in Bahrain war von einer dominanten Vorstellung nichts zu sehen.
Spielt Mercedes bewusst tief?
© IMAGO / EibnerWie aussagekräftig die aktuellen Eindrücke sind, bleibt allerdings offen. TV-Experte Ralf Schumacher brachte bei „Sky“ eine andere Lesart ins Spiel: Möglicherweise halte sich Mercedes bewusst zurück, um die hitzige Motoren-Debatte nicht weiter anzuheizen.
Sicher ist nur: Der erste Fingerzeig der Saison kommt aus Milton Keynes – nicht aus Brackley.
Der Titelkampf 2026 könnte damit deutlich offener werden als gedacht. Und vielleicht auch komplizierter.





