Montag, 16.02.2026 – Ausgabe Nr. 719.
Die erste Bahrain-Testwoche ist durch – und sie fühlt sich an wie ein Trailer für eine Saison, die schon vor Melbourne nervlich eskaliert. Mercedes setzt am dritten Tag die Bestmarke, Red Bull schlägt Alarm, Ferrari bleibt auffällig leise – während die Grundsatz-Debatte um die neue „Energie-Formel 1“ immer lauter wird. Und ganz hinten? Aston Martin-Honda: zu wenig Runden, zu viele Probleme, zu viel Ernüchterung.
©Mercedes AMG F11) Bahrain-Test Tag 3 komplett: Mercedes setzt die Marke – aber wer blufft hier wen?
Nachdem wir am Freitag nur die Vormittags-Session einordnen konnten, steht jetzt das Gesamtbild des dritten Testtages: Mercedes war am Ende ganz oben.
Kimi Antonelli fuhr am Freitagnachmittag eine 1:33,669 – nicht nur Tagesbestzeit, sondern auch ein Signal: Mercedes war das einzige Team, das in Bahrain unter 1:34,0 blieb. George Russell folgte knapp dahinter. Nach dem technisch zähen Donnerstag wirkt das wie ein Neustart auf Knopfdruck.
Doch genau da beginnt der Zeitenpoker. Max Verstappen bleibt misstrauisch und ätzt:
„Wartet nur ab bis Australien, dann werdet ihr sehen, wie schnell die auf einmal sind.“
Für ihn ist klar: Mercedes blufft.
Alpine-Teamchef Steve Nielsen bremst dagegen die Aufregung:
„Das ist doch typisch Wintertest. In Spanien hätte ich Mercedes vorne gesehen. In Bahrain am ersten Tag Verstappen. Am zweiten Ferrari. Alles ändert sich ständig.“
Neben der Pace zählen die Kilometer – und da zeigt sich, wer wirklich „gearbeitet“ hat. McLaren war vorneweg besonders fleißig, Oscar Piastri spulte sogar eine komplette Rennsimulation ab und stand länger auf der Strecke als jeder andere an einem einzelnen Tag.
Auffällig stabil präsentierte sich Audi: Nico Hülkenberg brachte sein Programm sauber durch – deutlich weniger Drama als bei Cadillac, das erneut über Kühlprobleme stolperte.
Und dann ist da Aston Martin-Honda: Überhitzung, Standzeiten, wenig Laufleistung. Günther Steiners alte Wahrheit trifft es brutal:
„Um etwas über das neue Auto zu lernen, muss es auch fahren.“
Kurios am Rande: Hadjar fuhr aus Versehen an die Mercedes-Box. Und Franco Colapinto wäre beim Reifen-Aufwärmen fast auf Start/Ziel in die Mauer geknallt – Ralf Schumacher nannte das später „peinlich“. Für alle anderen: ein erster kleiner Test-WTF-Moment.
Und ja: Pirelli will ernsthaft Intermediates und Full Wets in Bahrain testen – mit künstlicher Bewässerung. Mario Isola:
„Warum nicht hier testen? Wir brauchen konstante Bedingungen.“
©IMAGO / HochZwei2) Hamilton-Frage eskaliert: Vasseur platzt der Kragen
Ferrari hat drei Wochen vor dem Saisonstart eine Baustelle, die sich nicht wegmoderieren lässt: Wer wird Lewis Hamiltons fester Renningenieur?
Im Paddock wird getuschelt – und Teamchef Fred Vasseur hat darauf irgendwann nur noch eine Reaktion:
„Hört auf mit diesem Thema, bitte.“
Hamilton selbst klingt deutlich weniger entspannt. Nach der Versetzung seines bisherigen Ingenieurs Riccardo Adami wird er übergangsweise betreut (erst Bryan Bozzi, dann Carlo Santi) – aber eine Dauerlösung ist es nicht. Hamilton:
„Das ist für mich eine ziemlich knifflige Phase, weil die derzeitige Lösung nicht langfristig ist.“
Und er wird konkret:
„Ich werde schon früh in der Saison wieder meinen Ansprechpartner wechseln … Das ist natürlich nachteilig.“
Vasseur versucht, das Ganze zu entemotionalisieren:
„Ein Team besteht heute aus 1500 Menschen. Es geht nicht um einen Renningenieur.“
Gerüchte nennen Cedric Michel-Grosjean (ehemals Piastri/McLaren) als möglichen Kandidaten – allerdings eher als späteren Zugang im Saisonverlauf. Vasseur will das Thema beenden. Nur: Bei einem Fahrer wie Hamilton bleibt genau diese Personalie ein Brennglas.
©Getty Images / Red Bull3) Red Bull schlägt Alarm – Ferrari lauert im Schatten
Red Bull klingt nach Testwoche eins auffällig selbstkritisch. Technischer Direktor Pierre Waché sagt laut RacingNews365:
„Wir sind nicht die Benchmark, das ist sicher.“
Und dann noch deutlicher:
„Wir sehen … drei Top-Teams vor uns: Ferrari, Mercedes und McLaren. Und dass wir dahinter liegen.“
Er schränkt ein, dass Testprogramme täuschen können – aber intern seien „klare Schwächen am Auto“ sichtbar. Vor allem in langsamen Kurven verliere man Zeit, und bei Traktion wirkten Ferrari und Mercedes stark. Dazu kommt das Gewichtsthema: Mindestgewicht runter, Red Bull kämpft.
Ferrari wiederum genießt die Rolle des stillen Jägers. Vasseur sagt:
„Keiner redet von uns, das finde ich prima.“
Und warnt gleichzeitig vor der klassischen Testfalle:
„Niemand weiß, ob die Gegner 20, 40 oder 60 Kilo Sprit an Bord haben.“
Ferraris Linie wirkt klar: arbeiten, schweigen, nicht hypen lassen.
©IMAGO / Michael Potts4) Alle gegen die neue Formel 1? Verstappen entfacht Grundsatz-Streit
Das neue Reglement polarisiert – und Verstappen ist der Brandbeschleuniger. Sein Satz gegenüber Sky ist längst ein Schlagwort:
„Es fühlt sich nicht mehr wie Formel 1 an, eher wie Formel E auf Steroiden.“
Zu viel Management, zu wenig Vollgas. David Coulthard versteht den Frust und bringt einen Vergleich, der sitzt: Ein neues Produkt könne sich trotzdem wie ein Rückschritt anfühlen – „iPhone 3“-Moment.
Fernando Alonso geht noch schärfer rein. Er sagt sinngemäß: Früher machte man als Fahrer in den Kurven den Unterschied – heute bestimmt Energiemanagement die Linie. Und dann dieser brutale Satz:
„Wenn man mit 200 statt 260 durchfährt, dann kann das jeder – der Koch könnte das Auto bei diesem Tempo bewegen.“
Sergio Pérez warnt ebenfalls, Rennen könnten sich „wie Formel E“ anfühlen. Norris kontert:
„Wenn es ihm nicht gefällt, soll er halt zurücktreten.“
Russell setzt noch einen drauf:
„Er ist herzlich eingeladen, auf die Nordschleife zu gehen.“
Und Verstappen gießt Öl ins Feuer, indem er den Nürburgring-Plan bestätigt – samt Spitze:
„Wenigstens dort kann ich Vollgas fahren, ohne auf meine Batterie achten zu müssen.“
So früh vor Saisonstart hat eine neue Generation selten so viel Gegenwind kassiert.
©Aston Martin5) Newey-Traum geplatzt? Aston Martin versinkt im Problem-Loch
Der Winter war ein Hype-Festival: Newey, Honda, Alonso – manche träumten von Siegen. Nach drei Testtagen bleibt davon vor allem eines: Ernüchterung.
Aston Martin kommt nach Bahrain auf nur 203 Runden – weit weniger als Williams, McLaren oder Ferrari. Das Auto wirkt nicht nur langsam, sondern auch schwierig zu fahren. Lance Stroll rechnet brutal vor:
„Im Moment sieht es so aus, als wären wir vier Sekunden hinter den Top-Teams, viereinhalb.“
Alonso bestätigt die Instabilität:
„Ich habe eine Runde gedreht, bei der ich in Kurve 4 neben der Strecke war – und konnte mich bis zur Ziellinie um acht Zehntel verbessern.“
Kleine Fehler, riesige Zeitverluste – das klingt nach Balance-Problemen im Grundlayout. Dazu das Motoren-Thema: Überhitzung, extreme Kühlöffnungen, Drehzahl-Gerüchte. Ted Kravitz berichtet von einem internen Newey-Debriefing, bei dem sinngemäß klar wurde: Motor, Getriebe, Aero, Reifen – „ein bisschen von allem“.
Pedro de la Rosa macht es offiziell-unoffiziell:
„Fakt ist: Wir sind einfach zu langsam.“
Aston Martin wollte mit Newey und Honda in eine neue Ära starten. Aktuell wirkt es eher, als starte man in ein Loch.
Unterm Strich
Nach Bahrain-Testwoche eins gilt weiterhin: Wir wissen, dass wir nichts wissen – aber wir wissen, wer nervös ist.
Mercedes ist schnell, vielleicht absichtlich.
Ferrari ist konstant, bewusst leise.
Red Bull klingt ungewöhnlich kritisch.
Die Fahrer-Debatte ums Reglement explodiert.
Und Aston Martin ist das größte Sorgenkind.
Melbourne wird Antworten liefern. Bahrain hat nur die Fronten gezogen.





