Von DTM-Expansionsplänen bis Formel-1-Baustellenchaos – der Motorsport entdeckt 2026 seine Liebe zur Strecken-Neuordnung.
Die Motoren laufen, aber wohin eigentlich? 2026 entwickelt sich zum Jahr der großen Strecken-Umstrukturierung. Während die DTM nüchtern plant, scheint die Formel 1 eher nach dem Prinzip „Trial and Error“ zu operieren – mit Betonmischern im Hintergrund.
Noch handelt es sich bei der Erweiterung nur um theoretische Pläne. | ©IMAGO / GEPA picturesDTM denkt voraus – und bleibt dabei erstaunlich bodenständig
Beim Saisonauftakt am Red Bull Ring ließ DTM-Boss Thomas Voss durchblicken, dass die Serie über eine Expansion auf neun Rennwochenenden nachdenkt. Der Ansatz: kontrolliertes Wachstum statt hektischer Flickschusterei.
„Ein neunter Schauplatz würde vermutlich im Ausland sein“, erklärte Voss – allerdings mit klaren Leitplanken. Keine Fernreisen, keine Experimente ohne Fanbasis. Italien, Spanien, Belgien oder Österreich stehen zur Debatte. Der Fokus bleibt: volle Tribünen statt leerer Prestigeprojekte.
Ein wohltuender Kontrast zur großen Schwester.
Formel 1: Zwischen Vision, Verzögerung und Verzweiflung
Denn dort wirkt der Kalender aktuell wie ein architektonisches Experiment. Der geplante Madrid-GP? Noch immer mehr Baustelle als Bühne. Große Visionen treffen auf sehr reale Probleme: Zeitpläne, Beton – und die Frage, ob das Rennen überhaupt stattfinden kann.
Im Hintergrund lauert bereits der Ersatzspieler: Autodromo Internazionale Enzo e Dino Ferrari. Ironie des Motorsports: Während neue Strecken entstehen sollen, springen alte Klassiker als Feuerwehr ein.
Und als wäre das nicht genug, meldet sich auch noch ein alter Bekannter zurück: der Istanbul Park Circuit. Eine Strecke, die Fahrer lieben – und die einst an finanziellen Forderungen zerbrach.
Heute? Politischer Rückenwind, wachsender Motorsport-Boom und große Worte von höchster Stelle. Präsident Recep Tayyip Erdoğan schwärmt von „Spektakularität“ und „leidenschaftlicher Fangemeinde“. Die Formel 1 nimmt dankend an – wohlwissend, dass klassische Strecken plötzlich wieder gefragt sind.
Alte Strecken, neue Probleme – und ein kleiner Realitätscheck
Doch bei all den Diskussionen über Layouts, Stadtkurse und Rückkehrer stellt sich eine fast schon ketzerische Frage: Sollte sich die Formel 1 nicht erstmal um ihre Basics kümmern?
Denn während Kalender geschoben, gebaut und ersetzt werden, kämpfen Teams und Fahrer immer wieder mit Zuverlässigkeit, Chaosrennen und fragwürdigen Rennverläufen. Oder anders gesagt: Vielleicht sollte man erst sicherstellen, dass alle Autos überhaupt die Ziellinie sehen, bevor man über die nächste Betonkurve philosophiert.
Nach der Pause richtet sich der Blick nun auf das kommende Rennwochenende in Miami. Neue Regelanpassungen, frischer Schwung und die Hoffnung, dass diesmal die Schlagzeilen wieder auf der Strecke entstehen, nicht daneben.
Denn eines ist klar: Der Motorsport lebt von Emotionen, Duellen und Geschichten – nicht von Bauplänen.
Und vielleicht, nur vielleicht, schafft es die Formel 1 ja, beides unter einen Helm zu bekommen.

































