Es ist ein altbekanntes Thema: Das neue Formel-1-Reglement scheint nicht ganz ausgefeilt zu sein und zieht zahlreiche Kritiker auf sich.
Die FIA zog in der Zwangspause Konsequenzen und nahm einige Änderungen am Reglement vor. Diese wurden in Miami erstmals umgesetzt. Doch damit ist das Thema noch lange nicht vom Tisch.
Niels Wittich ist von den Reglement-Änderungen enttäuscht. © Moy / XPB ImagesWittich gehen Änderungen nicht weit genug
Auch in Race Control, der Champ1‑Analyseshow zum Rennwochenende, wurden die Regeländerungen zu einem großen Thema. Ex-F1-Rennleiter Niels Wittich zeigte sich alles andere als zufrieden.
„Es erscheint mir ein bisschen homöopathisch, was dort gemacht wurde. Man hat ein paar Dinge angepackt, um das Energiemanagement etwas besser zu handeln. Ich finde, diese Änderungen sind sehr, sehr minimal gewesen.“
Für Wittich sei dieser Zustand eigentlich kein Wunder, denn die FIA müsse sich mit den Motorenherstellern auseinandersetzen, um Regeländerungen zu beschließen. Da keiner einen Vorteil hergeben wolle, wäre dieser Vorgang ein „sehr zähes Ringen“.
Auch aufgrund von Sicherheitsbedenken könne man nicht einfach groß am Reglement herumschrauben, da niemand wisse, wie sich die Autos bei wechselnden Bedingungen verhalten würden.
Marc Surer unterstützt die Wittich-Kritik an den Reglement-Änderungen. © IMAGO / Beautiful SportsSurer stimmt Wittich zu – und kritisiert Elektroanteil weiter
Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer unterstützte die Meinung von Wittich und stellte klar, dass die Power des Elektromotors immer noch deutlich zu groß sei.
„Sie haben viel zu wenig weggenommen, meiner Meinung nach. Weil wenn man einen Unterschied machen will, was das Aufladen angeht, dann heißt es, man muss die elektrische Power reduzieren.“
Surer begründete sein Fazit damit, dass das Tempo auf der Geraden immer noch viel zu hoch sei, obwohl die Autos durch die Wegnahme des Ground Effects deutlich langsamer sein sollten.
Doch der Ex-Kommentator hat auch positive Auswirkungen gesehen. Durch die angepassten Regeln beim Supperclipping sei das Problem des Tempoverlusts auf der Geraden zwar nicht weg, doch eine Besserung sei zu erkennen.
Hat die Formel 1 beim neuen Reglement einen großen Fehler gemacht? © XPB ImagesHaben alle Beteiligten den Elektromotor unterschätzt?
Wirklich Hoffnung auf eine große Änderung in diesem Jahr können sich Formel‑1‑Fans nicht machen, denn die Motorenhersteller werden sich querstellen und hätten zu wenig Zeit, um große Änderungen ausführen zu können.
Für Wittich wäre es besser gewesen, man hätte mit einem 70:30- oder 60:40-Verhältnis zwischen Verbrenner und Elektromotor begonnen, um die Auswirkungen zu testen.
„Was allgemein unterschätzt wurde von allen Parteien, sind die doch massiven Auswirkungen des Elektromotors auf das Renngeschehen, auf die Leistung des Fahrzeugs.“
In der Folge hätte man Evolutionsstufen einbauen können. Doch der ehemalige Rennleiter gab auch zu, dass es „sehr leicht gesagt“ sei. Trotzdem kritisierte er den fehlenden „Weitblick“ der Formel 1.
Laut Surer muss die Leistung des Verbrenners in Zukunft wieder größer werden. Auch müsse man an den Möglichkeiten zum Aufladen arbeiten, denn zurzeit könne man mit den Autos die Batterie beim Bremsen nicht ausreichend laden.
„Wir haben jetzt einen Motor, der Sprit verbraucht, um die Batterie zu laden. Was ist das für ein Irrsinn?“
Einige kleine Anpassungen könnte es in dieser Saison noch geben, doch zurzeit befindet sich die Formel 1 in einer Sackgasse. Auch beim Großen Preis von Montreal wird es um das Thema Reglement sicher nicht ruhiger werden.




































