Bleib in Kontakt

Wonach willst du suchen?

Enpal
Werbung

RACE CONTROL

„Das Team hätte Antonelli aus dem Rennen nehmen müssen!“ – Wittich über Mercedes, Verstappen und das Silverstone-Chaos 

Warum Max Verstappens Geduld bei Red Bull zunehmend auf die Probe gestellt wird, weshalb Lewis Hamilton zu recht einer Strafe entging, warum Mercedes Kimi Antonelli aus Sicherheitsgründen hätte aus dem Rennen nehmen sollen und weshalb das Safety-Car-Finale von Silverstone regeltechnisch kaum anders lösbar gewesen wäre – darüber spricht Ex-FIA-Rennleiter Niels Wittich in der neuesten Ausgabe von RACE CONTROL.

©IMAGO / Every Second Media / ANP / XPB Images

Das Rennen in Silverstone sorgt auch Tage später noch für reichlich Gesprächsstoff. In der zehnten Ausgabe von RACE CONTROL ordnet der ehemalige FIA-Rennleiter Niels Wittich gemeinsam mit CHAMP1-Moderator Timo Heuberger die wichtigsten Szenen des Wochenendes ein – von Max Verstappens erneuten Problemen bei Red Bull über die zahlreichen Strafen und Regelentscheidungen bis hin zum Safety-Car-Finale und den immer lauter werdenden Wechselgerüchten um den Weltmeister.

©IMAGO / ANP

Verstappens Red-Bull-Frust wächst weiter

Ein zentrales Thema der Sendung ist Max Verstappen. Nach dem erneuten Ausfall infolge eines Problems am Heck seines Red Bulls sieht Wittich die Situation durchaus kritisch. Zweimal hintereinander technische Schwierigkeiten am Heckflügel beziehungsweise im Heckbereich seien für einen Fahrer wie Verstappen besonders problematisch, weil dadurch das Vertrauen ins Auto verloren gehe.

Gerade Verstappens außergewöhnliche Fähigkeit, permanent am Limit zu fahren, könne nur funktionieren, wenn er seinem Fahrzeug vollständig vertraue. Genau dieses Vertrauen sei derzeit beschädigt. Dennoch glaubt Wittich nicht, dass Verstappen die Formel 1 verlassen werde. Viel wahrscheinlicher sei, dass er sich innerhalb der Königsklasse nach einer neuen Herausforderung umsehe. 

Red-Bull-Krise? Wittich mahnt zur Sachlichkeit

Auch die zahlreichen Personalwechsel und Gerüchte rund um Red Bull wurden ausführlich diskutiert. Während zuletzt immer wieder von einem möglichen Zerfall des Teams die Rede war, sieht Wittich die Situation deutlich nüchterner.

Personalwechsel gehörten im Motorsport seit jeher dazu. Dass aktuell viele prominente Namen das Team verlassen hätten, sei vor allem deshalb auffällig, weil die Formel 1 durch Social Media heute transparenter geworden sei. Die Behauptung, Verstappen beziehungsweise dessen Umfeld habe Red Bull praktisch auseinandergerissen, hält Wittich dagegen für deutlich überzogen. Fahrer seien trotz ihrer Bedeutung letztlich Mitarbeiter eines Teams – und nicht diejenigen, die allein über die Geschicke eines Rennstalls entscheiden. 

©XPB Images

Hamilton kam zu Recht ohne Strafe davon

Ausführlich analysiert Wittich außerdem die Untersuchung gegen Lewis Hamilton wegen eines möglichen Gelbvergehens. Dass Hamilton letztlich lediglich verwarnt wurde, hält der ehemalige FIA-Rennleiter für die richtige Entscheidung.

Hamilton habe die gelbe Flagge erst in einem Bereich angezeigt bekommen, als er den eigentlichen Zwischenfall praktisch bereits passiert hatte. Aufgrund der extrem kurzen Reaktionszeit habe er faktisch keine Möglichkeit gehabt, ausreichend zu verlangsamen. Genau deshalb sei eine Zeitstrafe nicht angemessen gewesen. Lediglich die zusätzliche Begründung der Stewards, wonach Hamilton kurz zuvor noch mit einem Gegenangriff Verstappens habe rechnen müssen, könne Wittich nicht nachvollziehen. 

©IMAGO / Ricardo Larreina Amador

Antonelli hätte aus Sicherheitsgründen aufgeben müssen

Besonders kritisch sieht Wittich dagegen das Vorgehen von Mercedes bei Kimi Antonelli. Trotz eines offensichtlich beschädigten Fahrzeugs wollte der Italiener das Rennen unbedingt fortsetzen und kämpfte sogar noch um den letzten WM-Punkt.

Den Einsatz des jungen Mercedes-Piloten lobt Wittich ausdrücklich. Dennoch hätte das Team seiner Ansicht nach deutlich früher eingreifen und Antonelli aus Sicherheitsgründen aus dem Rennen nehmen müssen. Ein möglicherweise beschädigtes Fahrzeug weiterfahren zu lassen, sei auf diesem Niveau schlicht ein unnötiges Risiko gewesen. Die anschließende Track-Limits-Strafe bewertet Wittich dagegen als regeltechnisch korrekt – auch wenn sie auf den ersten Blick hart wirke. Das Reglement kenne in solchen Fällen keine Ausnahme aufgrund technischer Probleme. 

Kuriose Sainz-Strafe sorgt für Verwunderung

Für besonders ungewöhnlich hält Wittich die Strafe gegen Carlos Sainz. Der Spanier hatte sich während der Safety-Car-Phase aufgrund eines Zusammenspiels aus Boxenstopp und Zeitmessung regeltechnisch in eine ungewöhnliche Situation gebracht.

Dass hierfür letztlich eine komplette Strafrunde ausgesprochen wurde, überrascht selbst den ehemaligen Rennleiter. Zwar sei der Fehler eindeutig beim Team entstanden, die konkrete Strafart könne er jedoch kaum nachvollziehen, da eine solche Sanktion in der Formel 1 praktisch nie angewendet werde. 

©IMAGO / HochZwei

Safety-Car-Finale: „Die Rennleitung konnte kaum anders handeln“

Intensiv diskutiert wurde auch das Rennende hinter dem Safety Car. Nachdem zunächst irrtümlich ein Restart angekündigt worden war, stellte sich später heraus, dass eine fehlerhafte Software-Eingabe beziehungsweise ein Bedienfehler die falsche Anzeige ausgelöst hatte.

Unabhängig davon sieht Wittich die Rennleitung in diesem Fall jedoch nicht in der Verantwortung. Das Reglement schreibe eindeutig vor, dass nach dem Zurückrunden der überrundeten Fahrzeuge zunächst noch eine vollständige Runde gefahren werden müsse. Da Verstappens Ausfall erst sehr spät erfolgt sei, habe schlicht die Zeit für einen Neustart gefehlt.

Auch Vergleiche mit Abu Dhabi 2021 hält Wittich deshalb für unpassend. Silverstone sei ein normales Saisonrennen gewesen, während es damals um den Weltmeistertitel gegangen sei. Vor allem aber habe sich das Reglement inzwischen deutlich weiterentwickelt. 

Wittich hält wenig von neuen Formel-1-Ideen

Zum Abschluss der Sendung äußert sich Wittich auch zu aktuellen Gedankenspielen rund um die Zukunft der Formel 1. Spekulationen über einen möglichen Einheitsmotor für finanzschwächere Teams hält er für völlig unrealistisch.

Auch einer Rückkehr des Nachtankens steht er skeptisch gegenüber. Der logistische und sicherheitstechnische Aufwand sei enorm, ohne dass dadurch automatisch spannendere Rennen entstünden. Ebenso könne er sich kaum vorstellen, wie die Autos kurzfristig um rund 100 Kilogramm leichter werden sollten. Aus seiner Sicht seien viele dieser Ideen derzeit eher theoretischer Natur als realistische Zukunftspläne. 

author avatar
CHAMP1 Redaktion
Die CHAMP1 Redaktion steht für die gemeinsame journalistische Arbeit des CHAMP1-Teams. Unter diesem Autorenprofil erscheinen Meldungen, Breaking News, Übersichten und redaktionelle Inhalte, die gemeinschaftlich erstellt, bearbeitet oder aktualisiert werden. Alle Beiträge folgen klaren journalistischen Standards und trennen transparent zwischen Nachricht, Einordnung und Meinung.
Werbung

Neueste „Race Control“-Folge

©IMAGO / Getty Images / Red Bull / Ferrari / FIA

RACE CONTROL

Nach dem Software-Chaos von Malaysia leistet sich die FIA in Singapur die nächsten Fehler – für Marc Surer ist die elektronische Einflussnahme inzwischen „Big...

Mehr Formel 1-News

© Moy / Charniaux / XPB Images

Formel 1 News

Toto Wolff ist ein Fan von Transparenz gegenüber seinen Fahrern. Grund dafür ist auch ein Gespräch mit einer F1-Legende.

© Mercedes F1 Team

Formel 1 News

Das Wochenende in Singapur war für George Russell ziemlich durchwachsen. Der Brite reflektiert die schwierigen Tage und gibt einen kleinen Zukunftsausblick.

© Moy / XPB Images

Formel 1 News

Noch diese Woche wird die Verkündung von Rafael Câmara als neuer Mann bei Haas für 2027 erwartet. Der Brasilianer wird Esteban Ocon ersetzen.

© Moy / Coates / XPB Images

Formel 1 News

Racing Bulls-Teamchef Permane gibt zu, dass das Team keine Eile hat sich schon jetzt auf ihre Fahrerpaarung für das nächste Jahr festzulegen.

© Sky Sport F1

Formel 1 News

Lewis Hamilton schafft es durch einen Strategiefehler in Singapur nur auf den sechsten Platz. Nun ist der Grund für die Entscheidung klar.

Oktober, 2026

Neueste Champ1 News Folgen

© Moy / XPB Images

Champ1 News (Video)

Max Verstappen gewinnt im großen Massensterben den Sprint in Singapur! Großes Chaos sorgte für viele DNFs bereits in der ersten Runde.

©IMAGO / BSR Agency / Action Plus / FIA

Champ1 News (Video)

Die FIA reagiert auf das Software-Chaos von Malaysia und verschärft ihre Prüfprozesse. George Russell muss nach seinem Motorschaden in Singapur von ganz hinten starten,...

KI GENERIERT | ©IMAGO / ABACAPRESS / FIA / Audi F1 Team

Champ1 News (Video)

Die Weltpresse rechnet nach dem Software-Chaos in Malaysia mit der Formel 1 ab. Alonso fordert Antworten von der FIA, Russell droht nach seinem Motorschaden...

Weitere Artikel

RACE CONTROL

Nach dem Software-Chaos von Malaysia leistet sich die FIA in Singapur die nächsten Fehler – für Marc Surer ist die elektronische Einflussnahme inzwischen „Big...

Formel 1 News

Toto Wolff ist ein Fan von Transparenz gegenüber seinen Fahrern. Grund dafür ist auch ein Gespräch mit einer F1-Legende.

Formel 1 News

Das Wochenende in Singapur war für George Russell ziemlich durchwachsen. Der Brite reflektiert die schwierigen Tage und gibt einen kleinen Zukunftsausblick.

Formel 1 News

Noch diese Woche wird die Verkündung von Rafael Câmara als neuer Mann bei Haas für 2027 erwartet. Der Brasilianer wird Esteban Ocon ersetzen.