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„Ein Knaller“: Wittich über Hammer-Strafen gegen Lindblad und Colapinto – Stewards mit Hass konfrontiert

Franco Colapinto und Arvid Lindblad kritisierten ihre Hammer-Strafen in Zandvoort. Ex-Rennleiter Niels Wittich hat eine deutliche Meinung. Die FIA wehrt sich gegen die harten Angriffe auf die Stewards.

© IMAGO / NurPhoto

Arvid Lindblad und Franco Colapinto konnten ihr Rennen in Zandvoort bereits früh in die Tonne werfen. Nach dem frühen Crash von Max Verstappen hatten beide Piloten einen Konkurrenten überholt und erhielten daraufhin eine Durchfahrtsstrafe.

Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie mit ihren Manövern die Doppelgelbe Flagge ignoriert hätten. Nach dem Rennen wurden beide Piloten allerdings von einigen Fans in Schutz genommen, die die Strafe aufgrund der chaotischen Phase als zu hart empfanden. Auch die Fahrer selbst konnten die Entscheidung nicht nachvollziehen.

Niels Wittich kann die Strafen gegen Colapinto und Lindblad verstehen. © Moy / XPB Images

Wittich stellt sich hinter die Stewards

Im Internet geisterten zahlreiche Bilder von den Bildschirmen am Rande der Strecke herum, auf denen noch kein gelbes Signal zu sehen war. In Race Control, der Champ1-Analyse zum Rennwochenende, ließ Ex-Rennleiter Niels Wittich diese Ausrede allerdings nicht gelten.

„Wenn du aufs Lenkrad guckst, siehst du eine gelbe Leuchte. Das ist die gelbe Flagge. Also das ist das, was verbindlich ist für die Fahrer. Das muss nicht unbedingt die physische Flagge sein.“

Auch könne man an Standbildern nicht sehen, ob die Signale schon da gewesen seien, da sie in einer bestimmten Frequenz blinken würden und man das deshalb nicht immer auf den TV-Kameras sehen würde.

Nichtsdestotrotz würde am Ende ohnehin das Signal auf dem Lenkrad zählen. Deshalb könne der Ex-Rennleiter die Strafe verstehen. Lindblad und Colapinto wolle er zwar nicht angreifen, doch in Schutz wollte der Deutsche sie auch nicht nehmen.

„Ich will jetzt nicht sagen, dass so eine Situation einfach zu lösen ist für die Fahrer. (…) Es ist aber so, dass das das Geschäft von den Fahrern ist. Das heißt, die Fahrer müssen mit allen Dingen, allen Situationen, die passieren können, umgehen können, weil das zu deren Job gehört. Sie sind Rennfahrer. Unfälle sind Teil dieses Jobs. Flaggen sind Teil des Jobs. Das sind all die Sachen, die müssen sie verarbeiten können und darauf reagieren können. So funktioniert Motorsport.“

Der Verstappen-Crash sorgte für ordentlich Chaos in der Anfangsphase. © IMAGO / HochZwei

Strafen sogar noch zu mild?

Eigentlich hätte für beide Fahrer sogar eine Stop-and-Go-Strafe drohen können, doch aufgrund der unübersichtlichen Situation nach dem Crash beließ man es bei einer Durchfahrtsstrafe.

Obwohl die Überholmanöver beider Piloten auch aufgrund der Ausweichmanöver nach dem Crash passierten, seien sie laut Wittich strafbar. Denn man ermögliche den Fahrern auch „in sehr, sehr vielen Situationen, sozusagen zuzugeben: ‚Okay, ich habe etwas falsch gemacht, und gebe den Vorteil wieder zurück.‘“

Auch das Team habe immer die Möglichkeit, die Fahrer zu ignorieren. Für den Ex-Rennleiter hätten beide Piloten mit ihren Strafen eigentlich gut leben müssen.

„Also, ich finde, die Stewards haben in der Tat etwas milde walten lassen, weil unter Doppelgelb zu überholen schon ziemlich, das ist schon mal ein Knaller, und da hätte man besser darauf reagieren können als Fahrer.“

Auch einen Vergleich mit anderen Strafen in dieser Saison wollte Wittich nicht ziehen. Die Entscheidungen in anderen Fällen seien so passiert, weil es sich um ganz andere Situationen gehandelt habe.

Vorgehen können und werden beide Teams gegen die Strafen nicht mehr. Sie sind ausgesprochen und sorgten unter anderem dafür, dass Fernando Alonso am Ende auf P9 vorrücken konnte. Doch auch in den kommenden Wochen wird sicher weiter über die ausgesprochenen Strafen diskutiert.

Die FIA überraschte mit einem deutlichen Statement. © Batchelor / XPB Images

FIA wehrt sich gegen Hass-Nachrichten

Nach dem Rennen wurden die Stewards für ihre Entscheidungen sogar öffentlich attackiert. Die FIA sah sich gezwungen, ein deutliches Statement zu veröffentlichen.

„Nach dem Großen Preis der Niederlande wurden die FIA-Rennkommissare online beleidigt, nachdem sie gemäß den FIA-Regeln sportliche Strafen verhängt hatten. Die Koalition „United Against Online Abuse“ verurteilt jede Form von Beleidigung und Belästigung im Internet. Meinungsverschiedenheiten über Entscheidungen gehören zum Sport dazu, sollten jedoch niemals als Rechtfertigung für Drohungen oder persönliche Angriffe dienen.“

„Im Jahr 2023 gründete die FIA die ‚Coalition United Against Online Abuse‘, nachdem ein Streckenposten im Anschluss an den Großen Preis der Vereinigten Staaten gezielten Belästigungen ausgesetzt war. Wir rufen alle, die an unserem Sport beteiligt sind, dazu auf, einander sowohl online als auch offline mit Respekt und Verantwortungsbewusstsein zu begegnen“, so der Weltverband.

Eines sollte klar sein: Egal, wie unterschiedlich die Meinungen zu bestimmten Entscheidungen sind, Hass und persönliche Angriffe sollten niemals die Antwort sein.

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David Heermann
David Heermann verbindet sportliche Leidenschaft mit journalistischem Anspruch. Bereits während seines Medienwissenschaftsstudiums stand für ihn fest, dass er seinen beruflichen Weg im Sportjournalismus gehen möchte. Die Formel 1 begleitet ihn seit seiner Kindheit – heute interessiert ihn jedoch weit mehr als das reine Renngeschehen. Strategische Entwicklungen, teaminterne Dynamiken und die Geschichten abseits der Strecke prägen seinen Blick auf die Königsklasse. Seit 2026 ist er Teil von CHAMP1. Für CHAMP1.NEWS verfasst er regelmäßig News-Artikel, Hintergrundberichte und Analysen. Darüber hinaus präsentiert er Formate auf den Social-Media-Kanälen der Plattform und ordnet in den Sendungen Qualifyings, Sprints und Rennen ein – mit Fokus auf die entscheidenden Szenen, strategischen Wendepunkte und sportlichen Entwicklungen. Sein Anspruch: komplexe Themen klar einordnen, Hintergründe verständlich aufbereiten und die wichtigsten Ereignisse aus der Welt der Formel 1 präzise und professionell vermitteln.
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