Strafenflut in Monaco: „Das ist für mich ein Messfehler“
Der Monaco-GP 2026 wird nicht nur wegen Kimi Antonellis historischem Sieg in Erinnerung bleiben – sondern vor allem wegen einer regelrechten Strafenflut. In RACE CONTROL ordneten Marc Surer und Niels Wittich die größten Streitpunkte des Rennens ein: Pitlane-Speeding, das verlorene Gasly-Podium, George Russells doppelte Bestrafung, die Hülkenberg-Strafe, das Hadjar-Thema bei Red Bull und die Leclerc-Debatte um Bremsen und Asphalt.
Besonders das massenhafte Speeding in der Boxengasse sorgte für Diskussionen. Mehrere Fahrer wurden nur minimal über dem Limit gemessen – teils mit 60,1 km/h bei erlaubten 60 km/h. Für Niels Wittich ist das grundsätzlich eine Tatsachenentscheidung: Wird ein Verstoß offiziell gemessen, sei er regeltechnisch zunächst einmal zu bestrafen. Gleichzeitig zeigte sich auch der frühere Formel-1-Rennleiter verwundert über die Häufung der Fälle und betonte, dass die Ursache nicht zwingend beim Fahrer liegen müsse.
Marc Surer wurde noch deutlicher. Dass gleich mehrere Fahrer nahezu identisch mit 60,1 km/h gemessen wurden, hält er für kaum glaubhaft. Für ihn steht deshalb im Raum, dass bei Messung, Technik oder Limiter-Einstellung etwas nicht sauber gelaufen sein könnte.
©XPB ImagesGasly verliert das Podium – Alpine kämpft weiter
Besonders bitter wurde die Strafenflut für Pierre Gasly. Der Alpine-Pilot lag sportlich auf Podiumskurs, verlor durch zwei Fünf-Sekunden-Strafen aber Platz drei und fiel auf Rang sieben zurück.
Alpine hat deshalb ein Right of Review beantragt. Niels Wittich erklärte in der Sendung allerdings, dass die Hürde dafür hoch sei. Das Team müsste neue, relevante Beweise vorlegen, die den Stewards zum Zeitpunkt der ursprünglichen Entscheidung noch nicht vorlagen. Entsprechend zurückhaltend bewertete Wittich die Erfolgschancen.
Russell doppelt bestraft – Wittich wundert sich über FIA-Entscheidung
Auch George Russells Durchfahrtsstrafe sorgte für Kopfschütteln. Der Mercedes-Pilot hatte eine Fünf-Sekunden-Strafe wegen Speeding in der Pitlane erhalten. Bei einem späteren Stopp wurde diese Strafe jedoch nicht abgesessen – anschließend kassierte Russell zusätzlich eine Durchfahrtsstrafe.
Wittich erklärte, dass das Reglement in Safety-Car-Situationen, in denen das Feld durch die Boxengasse geführt wird, besondere Einschränkungen vorsieht. Er könne diese zweite Strafe deshalb nicht nachvollziehen. Für Russell endete Monaco damit erneut bitter: Statt möglicher Punkte oder sogar Podiumschance blieb nur eine Nullnummer.
©x.com/f1Hülkenberg verliert Audi-Punkte: „Für mich 100 Prozent ein Sainz-Fehler“
Deutlich fiel auch die Bewertung der Hülkenberg-Sainz-Kollision aus. Nico Hülkenberg hatte durch eine Zehn-Sekunden-Strafe Platz neun und damit mögliche Audi-Punkte verloren.
Sowohl Surer als auch Wittich sahen die Szene eher als Rennunfall. Surer wurde besonders deutlich: Aus seiner Sicht habe Carlos Sainz in der engen Loews-Kurve wieder nach innen gezogen, obwohl Hülkenberg dort keinen Platz mehr hatte. Für Surer war es deshalb „100 Prozent ein Sainz-Fehler“.
Hadjar bleibt Dritter – Red Bull entgeht Strafe
Für zusätzliche Diskussionen sorgte Isack Hadjar. Red Bull hatte während der Roten Flagge offenbar versucht, am Auto Arbeiten im Bereich Zündkerzen und Zündspulen vorzunehmen. Nach einem Hinweis wurden die Arbeiten gestoppt und das Auto wieder in den vorherigen Zustand zurückversetzt.
Am Ende gab es keine Strafe. Wittich deutete an, dass bei tatsächlicher Durchführung wohl eine harte Sanktion möglich gewesen wäre. Surer zeigte zugleich Verständnis dafür, dass ein Team bei technischen Problemen versucht, seinem Fahrer zu helfen. Hadjar behielt damit sein Podium.
©x.com/f1Leclercs Bremsdrama: Ferrari unter Druck
Auch Charles Leclercs Crash wurde ausführlich analysiert. Der Ferrari-Pilot hatte nach seinem Ausfall massive Bremsprobleme verantwortlich gemacht – nicht den beschädigten Asphalt in der Rascasse.
Marc Surer sieht in Leclercs Kritik einen notwendigen Fingerzeig. Wenn ein Fahrer über ein ganzes Wochenende über Bremsprobleme klagt und dann genau damit einschlägt, müsse Ferrari das ernst nehmen. Niels Wittich zweifelte zwar daran, dass der Asphalt alleinige Unfallursache war, sah die beschädigte Stelle aber dennoch als relevantes Sicherheitsthema.
©Mercedes AMG F1Antonelli historisch – „Auto und Fahrer sind eins“
Sportlich blieb am Ende vor allem Kimi Antonelli als großer Sieger. Marc Surer sprach von einem „Durchmarsch“ und lobte ein nahezu perfektes Wochenende des jungen Mercedes-Piloten.
Antonelli sei mit dem Auto derzeit „eins“, sagte Surer sinngemäß. Gerade in Monaco sei dieses Vertrauen entscheidend: Wer dort mit dem Auto kämpfen müsse, könne nicht am Limit gegen die Leitplanken fahren.
ADUO überrascht: Red Bull-Motor als FIA-Benchmark
Zum Abschluss blickten Surer und Wittich noch auf das ADUO-Thema. Dass Red Bull nach FIA-Kriterien als stärkster Motor eingestuft wurde, überraschte beide.
Surer vermutet, dass Mercedes zwar insgesamt ein starkes Paket hat, die FIA-Bewertung aber nur bestimmte Power-Unit-Bereiche erfasst. Ferrari wiederum könnte durch zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten profitieren – und damit die WM noch einmal spannender machen.




































