In der CHAMP1 NEWS-Ausgabe Nr. 781 vom 24. Juni 2026 stehen Red Bulls Krise, die immer heißer werdende Silly Season und die anhaltenden Diskussionen um das Monaco-Chaos im Mittelpunkt. Während Jacques Villeneuve eine düstere Zukunft für Red Bull zeichnet, geraten gleich mehrere Cockpits für 2027 ins Visier. Gleichzeitig rechnet Günther Steiner mit der FIA ab, während Claire Williams offen über Hass und öffentliche Vorverurteilungen spricht.
©Getty Images / Red BullVilleneuve schlägt Alarm: Red Bull kämpft gegen den eigenen Bedeutungsverlust
Wenige Tage vor dem Heimrennen in Spielberg werden die Töne rund um Red Bull immer schärfer.
Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve sieht die Probleme des Teams längst nicht mehr nur auf sportlicher Ebene. Für ihn hat Red Bull in den vergangenen Jahren viele der Personen verloren, die den Rennstall überhaupt erst zu einem Serien-Weltmeister gemacht haben. Nach den Abgängen von Christian Horner, Adrian Newey, Jonathan Wheatley und Helmut Marko erkennt Villeneuve einen tiefgreifenden Strukturverlust.
Besonders drastisch fällt seine Einschätzung zur Zukunft aus: Red Bull habe seinen Glanz verloren und den Tiefpunkt möglicherweise noch gar nicht erreicht.
Verstappen wird zur letzten Lebensversicherung
Im Zentrum aller Diskussionen steht erneut Max Verstappen.
Für Villeneuve ist der viermalige Weltmeister inzwischen weit mehr als nur der Starfahrer des Teams. Der Niederländer sei aktuell der wichtigste Stabilitätsfaktor des gesamten Projekts. Ein möglicher Abschied würde Red Bull sportlich und symbolisch gleichermaßen treffen.
Gleichzeitig bleiben die Spekulationen über Verstappens Zukunft bestehen. David Coulthard hält die Situation für ungewöhnlich: Obwohl Verstappen seiner Ansicht nach der beste Fahrer im Feld ist, sieht er aktuell kaum eine wirklich passende Wechseloption.
McLaren, Ferrari und Mercedes seien jeweils aus unterschiedlichen Gründen keine naheliegenden Ziele. Deshalb schließt Coulthard selbst ein überraschendes Szenario nicht aus: eine vorübergehende Formel-1-Pause.
Spielberg-Upgrade soll neue Hoffnung bringen
Sportlich versucht Red Bull derweil, den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren.
In Österreich bringt das Team ein umfangreiches Update-Paket an den RB22. Neue Aerodynamik-Komponenten und weitere Gewichtsreduktionen sollen helfen, den Rückstand auf Mercedes, Ferrari und McLaren zu verkleinern.
Teamchef Laurent Mekies dämpft allerdings die Erwartungen. Selbst mit den neuen Teilen werde das Auto noch nicht dort sein, wo Red Bull es haben möchte.
Helmut Marko, inzwischen nur noch Zuschauer und Botschafter des Red-Bull-Rings, sieht dennoch Chancen. Gerade in der späten Phase eines Reglements könnten Updates noch größere Wirkung entfalten. Hoffnungsträger bleibt dabei vor allem Max Verstappen.
©IMAGO / DeFodi ImagesDie Silly Season 2027 läuft bereits auf Hochtouren
Während Red Bull um Stabilität kämpft, nimmt der Fahrermarkt für 2027 immer mehr Fahrt auf.
Bei Racing Bulls soll Formel-2-Talent Nikola Tsolov bereits als Kandidat für ein Stammcockpit gehandelt werden. Das könnte Liam Lawson trotz ordentlicher Leistungen erneut unter Druck setzen.
Auch bei Haas entsteht eine spannende Gemengelage. Ferrari würde gerne Nachwuchshoffnung Rafael Câmara in die Formel 1 bringen, während Toyota offenbar weiterhin Interesse an einer Lösung mit Yuki Tsunoda hat. Damit könnte Esteban Ocon plötzlich um seinen Platz kämpfen müssen.
Sergio Pérez plötzlich wieder begehrt
Besonders überraschend entwickelt sich die Situation um Sergio Pérez.
Obwohl der Mexikaner mit Cadillac bislang noch keine Punkte geholt hat, soll sein Name bei mehreren Teams auf den Listen stehen. Williams, Aston Martin und Alpine werden als mögliche Interessenten genannt.
Vor allem Aston Martin könnte interessant werden, falls Fernando Alonso seine Zukunft neu bewertet. Auch Alpine beobachtet die Lage aufmerksam. Dort gilt Pérez offenbar als Alternative, falls eine Rückkehr Alonsos nicht zustande kommen sollte.
Damit zeigt sich einmal mehr, wie stark die gesamte Fahrermarkt-Dynamik weiterhin von einer einzigen Personalie abhängt: Max Verstappen.
©XPB ImagesSteiner nennt Monaco ein „Debakel“
Auch Wochen nach dem Grand Prix von Monaco sorgt die FIA-Entscheidung um Pierre Gasly weiter für Diskussionen.
Günther Steiner äußerte sich nun ungewöhnlich deutlich und bezeichnete die gesamte Angelegenheit als „Debakel“. Der ehemalige Haas-Teamchef kritisiert vor allem, dass Gaslys Podestplatz nachträglich wiederhergestellt wurde, während andere Fahrer ihre Strafen bereits während des Rennens abgesessen hatten.
Für Steiner liegt genau darin das Problem: Eine nachträgliche Korrektur könne neue Ungerechtigkeiten schaffen, wenn sich die Konsequenzen bei anderen Beteiligten nicht mehr rückgängig machen lassen.
Die Monaco-Affäre bleibt damit auch Wochen später ein Streitfall, der weit über ein einzelnes Rennergebnis hinausgeht.
©IMAGO / HochZweiClaire Williams rechnet mit Hass-Kommentaren ab
Abseits der Strecke sorgte auch Claire Williams für Aufsehen.
Die frühere Teamchefin des Traditionsrennstalls Williams sprach offen über die Anfeindungen, die sie bis heute erhält. Noch immer werde sie regelmäßig für den sportlichen Niedergang des Teams verantwortlich gemacht.
Williams machte deutlich, wie belastend solche öffentlichen Urteile sein können. Viele Kritiker würden nur die Ergebnisse sehen, aber nicht die komplexen Umstände hinter den Kulissen kennen.
Ihre Aussagen liefern einen seltenen Einblick in die menschliche Seite eines Sports, der oft nur nach Ergebnissen, Tabellen und Schlagzeilen bewertet wird.
Am Ende verbindet genau das beide großen Diskussionen dieser Tage: Ob Monaco-Urteil oder Teamführung – die Formel 1 wirkt nach außen oft klar und eindeutig. Hinter den Kulissen ist sie meist deutlich komplizierter.




































