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Der Tod von Roger Williamson: Ein Tag an dem die Formel 1 versagte

Ein brennendes Wrack und ein verzweifelter Held: Der Tod von Roger Williamson 1973 in Zandvoort erschütterte die Motorsportwelt schwer.

©IMAGO / ZUMA Press Wire

Es ist kein Geheimnis, dass die Formel 1 erst in den 1990er-Jahren richtig anfing, die Sicherheitsstandards für die Teams und Fahrer massiv zu erhöhen. Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass die Formel 1 heute so sicher ist wie noch nie.

Doch bis dahin mussten viele Fahrer ihr Leben lassen. Sie starben bei dem, was sie liebten. Doch viele dieser Tode wären jedoch leicht zu vermeiden gewesen – so auch der Tod von Roger Williamson beim Großen Preis von Zandvoort am 29. Juli 1973.

Roger Williamson wurde gerade einmal 25 Jahre alt. | ©IMAGO / ZUMA/Keystone

Wer war Roger Williamson?

Roger Williamson wurde am 2. Februar 1948 in Ashby-de-la-Zouch, Leicestershire, England geboren. Als Sohn eines Autohändlers und Hobbyrennfahrers fand er früh den Weg in den Motorsport. 1964 nahm er erstmals an Kartmeisterschaften teil, 1966 wurde er britischer Kartmeister.

Seine Karriere führte über die britische Tourenwagenmeisterschaft, in die britische Formel 3, die er 1972 gewann. Im selben Jahr debütierte Williamson auch in der Formel 2, bestritt doch nur einzelne Rennen, da sein Fokus auf der Formel 3 lag. Zudem nahm er auch an der Formel 5000 teil, wo seine beste Platzierung ein sechster Platz war.

Im Jahr 1973 lag sein Fokus vorerst auf der Formel 2 im Wheatcroft-Team. Nach einem Sieg in Monza wurde er mit der finanziellen Unterstützung von Tom Wheatcroft als dritter Fahrer in das Formel 1-Team March befördert. Sein Engagement sollte zunächst für die Rennen in Silverstone, Zandvoort und Monza gelten.

Rogerson in seiner ersten vollständigen Formel 2 Saison 1972 | ©IMAGO / Crash Media Group

Williamsons Zeit in der Formel 1

Williamson ging in Silverstone 1973 erstmals an den Start. Er qualifizierte sich auf P27, wurde im Rennen jedoch in eine Massenkollision verwickelt, die seinen Einsatz vorzeitig beendete.

In Zandvoort lief es im Qualifying deutlich besser: Er sicherte sich P18 und konnte sich in den ersten Runden des Rennens bis auf P13 vorkämpfen. Am Ende der 8.Runde schwebte aber plötzlich eine riesige, schwarze Rauchwolke über der Strecke. In der Live-Übertragung wurde sichtbar, was geschehen war: Williamsons linker Vorderreifen war geplatzt, woraufhin er in die linke Streckenbegrenzung einschlug. Der Wagen überschlug sich und rutschte einige hundert Meter weit an den rechten Streckenwand.

Zeitgleich entzündeten sich die seitlich am Auto verbauten Tanks. Da der March kopfüber zum Stehen kam, konnte Williamson sich nicht eigenständig befreien. Er war in den Flammen gefangen. Sein Rennkollege und Freund, David Purley, der unmittelbar hinter ihm fuhr, brachte sein Auto sofort zum Stehen, um seinen Freund zu retten, der aus dem brennenden Wrack um Hilfe schrie.

Das Versagen der Organisation

Das Rennen wurde nicht unterbrochen. Kurz darauf erreichten die Streckenposten die Unfallstelle, konnten Purley jedoch nicht unterstützen, da sie keine feuerbeständige Kleidung trugen. Es ergab sich ein Bild, das die Welt schockierte: Ein Mann versucht verzweifelt zu helfen, während andere hilflos daneben stehen. Purley griff sich einen Feuerlöscher eines Streckenpostens, doch das Gerät reichte nicht aus. Ein zweiter Feuerlöscher traf kurz darauf ein, war aber ebenfalls machtlos gegen das Flammeninferno.

Purley versuchte unermüdlich, das Auto eigenständig auf die Räder zu stellen. Als dies misslang, versuchte er, andere Fahrer durch Handzeichen zum Anhalten zu bewegen. Diese fuhren jedoch weiter, da sie fälschlicherweise annahmen, es sei Purleys eigenes Auto, dass dort brenne und er in Sicherheit sei. Sogar Zuschauer versuchten zu helfen, wurden aber von der Polizei mit Hunden daran gehindert, die Strecke zu betreten. David Purley musste tatenlos dabei zusehen, wie sein Freund Roger Williamson im Auto verbrannte.

Auch die Zuschauer mussten hilflos zusehen. | ©IMAGO / ZUMA Press Wire

Erst nach acht Minuten trifft die Feuerwehr an der Unfallstelle ein. Die Flammen wurden gelöscht, während das Rennen weiterlief, als wäre nichts passiert. Für Williamson kam jede Hilfe zu spät. Als Todesursache wurde später Erstickung festgestellt. Während des restlichen Rennens wurde das Auto samt Williamsons Leichnam unter einer Decke an der Strecke gelassen. Die Bergung geschah erst, nachdem das Rennen regulär beendet wurde.

Nachdem der Brand gelöscht wurde, wurden Überreste bloß mit einer Decke verdeckt. | IMAGO / ZUMA Press Wire

David Purley erhielt für seinen außergewöhnlichen Mut die George Medal. Das ist die zweithöchste zivile Auszeichnung des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth.

David Purley verlor nicht nur einen Kollegen, sondern auch einen Freund. | IMAGO / Crash Media Group

Williamsons Erbe

Nach dem Tod von Williamson lernte die Formel 1 aus diesen fatalen Fehlern. Von diesem Zeitpunkt an wurden ausgebildete und adäquat ausgerüstete Fire-Marshalls bei jedem Grand Prix Pflicht.

Zum 30.Jahrestag 2003 gab es eine Gedenkfeier im Memorial Garden in Leicester. Zudem wurde eine Statue zu Ehren von Roger Williamson eingeweiht.

Tom Wheatcroft (Links) und Barbara Upton, Williamson Schwester (Rechts) bei der Gedenkfeier 2003. | IMAGO / ZUMA Press Wire
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Chantal Reinhard
Chantal Reinhard ist Redakteurin und Interviewerin bei CHAMP1. Sie studiert Journalismus und Public Relations und berichtet für CHAMP1 NEWS über aktuelle Entwicklungen in der Formel 1. Ihr Fokus liegt auf Recherche, internationaler Presseschau und der journalistischen Aufbereitung komplexer Themen – präzise, verständlich und faktenbasiert.
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