Zur Saison 2030 oder 2031 hat die FIA wieder eine massive Reglement-Änderung im Blick. Das Gewicht der Autos soll deutlich reduziert und auch bei den Motoren sollen man weg vom V8. In Race Control, der Champ1-Expertenanalyse, sprachen unsere Experten Marc Surer und Niels Wittich darüber, wie durchsetzbar diese Regeländerungen wirklich sind.
Drastische Gewichtsabnahme und Wegfall des Turbos
Aktuell haben die Formel 1 Boliden ein Mindestgewicht von 768 Kilogramm. Ab 2030 oder 2031 möchte die FIA das Gewicht radikal reduzieren. Ein maximales Gewicht zwischen 630 und 650 Kilogramm ist angedacht.
Momentan werden V6-Turbomotoren in Kombination mit einem Hybridsystem gefahren. Die potentielle Änderung sieht einen V8-Saugmotor mit kleinerem Hybridsystem vor. Der Turbo würde komplett wegfallen. Sehr zum Leidwesen von Audi. Diese betonen nämlich, der Turbolader sei wichtiger als eine konkrete Zylinderanzahl. Der ehemalige Formel 1 Fahrer Marc Surer würde die leichteren Autos aus Sicht eines Fahrers begrüßen:
Leichte Autos, das ist das, was jedem gefällt. Deswegen fahren die meisten Formel-1-Fahrer auch immer noch Kart, weil einfach da fährst du mit 90-Kilo-Gerät und das macht genau das, was du willst. Also leicht ist die Basis vom Motorsport.
„Und was den Sound angeht, ist natürlich klar, ist ein Saugmotor besser. Aber ich denke auch, das ist nicht mehr zeitgemäß. Da muss ich eigentlich Audi recht geben,“ räumt Surer ein.
Folgendes würde Surer stattdessen vorschlagen: „Also ein V8-Motor, dem sollen sie zwei kleine Turbos erlauben, dass sie dann links und rechts wieder einen Auspuff haben wie früher, und dann ist der Sound auch da. Also Turbo mit dem V8 hat sicherlich angenehmen Sound, einen satten Sound, einen guten Sound. Die V6 jetzt könnte besser sein.“
Aktuell beträgt das Mindestgewicht eines F1-Autos 768kg. | © IMAGO / Michael PottsWie realistisch ist die radikale Reglement-Änderung ab 2030?
Der ehemalige Rennleiter Niels Wittich ist skeptisch: „Also einen radikalen Wechsel weiß ich nicht, ob da alle Teams mitgehen.“ Er betont, dass nur, weil irgendwer bei der FIA diese Idee in den Raum geworfen habe, dass sie nicht direkt umgesetzt werde. „Da gehören viele, viele andere dazu, um dieses gesamte, dieses Zukunftskonzept auszuarbeiten, was die nächste Generation von Formel-1-Fahrzeugen können muss,“ sagt Wittich.
Des Weiteren führt Wittich aus, der Hybridmotor habe seine Daseinsberechtigung im modernen Motorsport und man müsse bloß die Abstimmung zwischen Verbrenner und Hybrid neu ordnen.
Und irgendwelche Schnellschüsse, so wie es ein FIA-Präsident mal gesagt hat, er bringt nächstes Jahr die V8 zurück. Ja, das wäre vielleicht schön für die Fans, es wäre vielleicht auch gut für den Sport, aber das ist etwas, was überhaupt nicht nachhaltig ist für die ganze Formel 1.
Die Entwicklung dauert schließlich mehrere Jahre und diese nach einem Jahr über den Haufen zu werfen, wäre, salopp gesagt, herausgeschmissenes Geld.
Zur Aussage des FIA-Präsidenten, ab 2031 könne die FIA alles im Alleingang durchsetzen, hat Niels Wittich klare Worte: „Das ist nicht der Fall.“
Also das weiß ich nicht, ob er das gerne hätte, aber das ist definitiv nicht der Fall. Und das ist auch sehr gut so, dass es da mehrere Stakeholder gibt, die ihre Rechte haben.
„Aber dass es da jetzt eine Dominanz gibt, dass jetzt ein Stakeholder quasi alle anderen überschreiben könnte, das kann nicht gewollt sein und das wird, glaube ich, auch nicht passieren,“ schließt Wittich ab.
Es bleibt also abzusehen, ob diese radikale Reglement-Änderung wirklich eintreten wird und ob es dabei bei dem angedachten Zeitfenster 2030 bleibt.




































