Während des Rennens gab es beim Großen Preis von Montreal vorwiegend ein Aufregerthema – die Weltregie. Fans und Kommentatoren bekamen von vielen Szenen erst einmal nichts mit.
Es dauerte Ewigkeiten, bis man unter anderem Wiederholungen vom Piastri-Crash mit Alex Albon sah. Auch wurden zwischenzeitlich vollkommen falsche Grafiken eingeblendet. Die Vielzahl der Fehler häuft sich in dieser Saison – für eine professionelle Marke wie die Formel 1 nicht zufriedenstellend.
Niels Wittich hat einen bösen Verdacht. © IMAGO / EibnerWittich glaubt an Vermarktungsstrategie
Auch in Race Control, der Champ1-Analyseshow zum Rennwochenende, wurde über die Verfehlungen der Weltregie gesprochen. Ex-Rennleiter Niels Wittich hat eine klare Meinung.
„Von meiner Seite aus bin ich sehr, sehr unglücklich mit der Weltregie seit Beginn dieser Saison, weil bewusst, glaube ich, Szenen nicht gezeigt werden. Da steckt eine Strategie dahinter. Man will das Produkt bestmöglich verkaufen.“
Wittich würde als ehemaliger Rennleiter eher dafür plädieren, Szenen mehrfach zu sehen, „um zu verstehen, wie Vorfälle passiert sind oder wo sie hergekommen sind, die Ursachen“.
Steckt also wirklich Kalkül dahinter? Sollen Fans nicht alles zu sehen bekommen? Ist das der Plan des Promoters? Der ehemalige Rennleiter merkte auf jeden Fall an, dass die Transparenz in den vergangenen Jahren besser gewesen sei. Er selbst würde in jedem Fall gerne mehr sehen.
Marc Surer dauerte es zu lang, bis gewisse Szenen aufgeklärt wurden. © IMAGO / Beautiful SportsSurer stützt Kritik – Montreal kein Einzelfall
Auch Champ1-Experte und Kommentatoren-Legende Marc Surer sprang seinem Kollegen bei und verdeutlichte sein Unverständnis gegenüber der Weltregie, vor allem aus Sicht eines Kommentators.
„Wenn du da kommentierst und plötzlich fährt einer mit einem kaputten Frontflügel zur Box, sagst du: Was ist da passiert? Und dann dauert es ewig, bis irgendwann mal eine Einblendung kommt. Der ist nicht in die Absperrung gefahren, sondern der ist einem hinten draufgefahren. Wir wussten nicht, wem. Das ist einfach unmöglich. Wenn man kommentieren muss, dann muss man auch die Informationen bekommen, und die gab es nicht.“
In seinem Beispiel ging es um den Crash zwischen Piastri und Albon. Im Rennen musste Sky selbst separate Bilder einblenden, um den Vorfall aufklären zu können. Das sorgte überall für Unverständnis.
Eine Aussage oder eine Stellungnahme findet man bislang nirgends. In dieser Saison gab es allerdings schon einen ähnlichen Vorfall. Die Formel 1 sorgte mit einigen Schnitten dafür, dass Fans und Experten nicht sehen konnten, wie viel die Fahrer auf der Geraden durch das Super-Clipping verlieren.
Doch durchschaut wurde die Strategie schnell. Die Formel 1 möchte möglichst viel Schaden von der Rennserie fernhalten. Ob das allerdings in Zukunft gelingt, wenn man weiterhin viele Szenen erst sehr spät sieht, ist mehr als fraglich.




































